Hände halten
Hände haltenFoto-Quelle: Maik Meid, http://www.flickr.com/photos/frnetz/11171971305/#

Liebe im Alter – komplizierter oder tiefer, reifer und inniger?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Wird die Liebe im Alter komplizierter? Ältere Menschen sind meistens auch anspruchsvoller. Sie haben ausgeprägte Lebenseinstellungen und lieb gewonnene Gewohnheiten, von denen sie nicht mehr lassen wollen. Ist es also tatsächlich schwieriger, einen Partner zu finden, eine Beziehung zu vertiefen oder einer bestehenden Partnerschaft wieder neues Leben einzuhauchen?

Ist es wirklich so, dass die Ansprüche an die Liebe im Alter steigen oder gehen wir einfach nur sehr viel bewusster als früher mit unseren Bedürfnissen um? Wir wissen aus Erfahrung, dass sich Gegensätze mitunter nur für eine kurze Zeit der Verliebtheit anziehen. Gemeinsamkeiten wie Hobbies sind dagegen beständig. Auch ähnliche Wertvorstellungen und Weltanschauungen verbinden auf Dauer.

Liebe im Alter braucht Gemeinsamkeiten

Diese Gemeinsamkeiten kann man auch in einer bestehenden Bindung neu beleben und so die Beziehung vertiefen. Und für eine noch junge Liebe gilt: Je besser wir unsere eigenen Bedürfnisse kennen, desto besser können wir auch beurteilen, ob ein potenzieller Partner wirklich zu uns passt. Gibt es eine gemeinsame Schnittmenge an Interessen? Ein Leben, das man miteinander teilen kann? Nur dann haben wir überhaupt eine Chance, glücklich zu werden, denn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch nach 50 Jahren seine Persönlichkeit noch einmal tiefgreifend verändert, ist eher gering.

Apropos Persönlichkeit - wir wissen, dass niemand frei von Fehlern ist. Auch wir selbst nicht. Aber wir sind mit einiger Wahrscheinlichkeit mehr mit uns selbst ins Reine gekommen, nehmen Schwächen gelassener und sind eher geneigt, die Vorzüge zu sehen. Wir achten nicht nur besser auf unsere eigenen Bedürfnisse, sondern auch auf die des anderen. Und wir haben gelernt, dass wir den anderen nicht dafür verantwortlich machen können, dass es uns selbst gut geht. Das sollte kein Tabuthema darstellen

Dankbarkeit

Wir haben verstanden, dass die Liebe im Alter kein Wunschkonzert ist. Wir werden dankbarer. Für das, was wir haben. Für das, was uns das Leben geschenkt hat und hoffentlich noch schenken wird. Und dafür, dass uns – wenn wir uns neu verlieben – so etwas überhaupt noch einmal passiert. Wir wissen, dass solche Begegnungen selten und schon gar nicht beliebig wiederholbar sind.

Leben im Hier und Jetzt - Liebe im Alter: Ein Neubeginn?

Wir haben Abschied genommen von einer Lebensphase und beginnen eine neue. Wir setzen andere Prioritäten. Der Alltag frisst uns nicht mehr auf. Die Kinder sind aus dem Haus, die Familienplanung ist abgeschlossen. Wir werden realistischer. Wir leben mehr im Hier und Jetzt und sind weniger auf Dinge fixiert, die irgendwann einmal in der Zukunft stattfinden könnten. Jeder neue Tag wird mit jedem Jahr, das vergeht, immer wertvoller. Und die Rolle der Partnerschaft im Alter wird immer bedeutender.

Achtsamkeit- Wesentlich für die Liebe im Alter

Unser Zeitgefühl verändert sich mit den Jahren. Einerseits beschleicht uns ständig das Gefühl, dass die Zeit schneller verrinnt, aber gleichzeitig haben wir auch gelernt, sie intensiver zu nutzen. Wir setzen andere Wertigkeiten. Und eine gute Partnerschaft gehört definitiv zu den erstrebenswerten Werten – mehr als Besitz oder Karriere. Wenn wir uns dafür entscheiden, gemeinsame Zeit zu verbringen, genießt der Partner unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Die Liebe bekommt im Alter bekommt eine ganz neue Bedeutung.

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