You've got a friend in me
You've got a friend in meFoto-Quelle: S.v.Gehren / www.pixelio.de

Deine Freunde sind auch meine Freunde?

Sonja Bissbort
Beitrag von Sonja Bissbort

Eigentlich wünscht man sich, dass sich die Menschen, denen man selbst nahe steht, wenigstens mögen. Aber nicht selten sind sie sich nicht grün, mitunter gibt es deshalb sogar richtig Streit. Man versteht die Welt nicht mehr und gerät mitunter schnell zwischen die Fronten.

Dabei weiß jeder, wie wertvoll Freundschaft für uns Menschen ist. Von kleinste auf suchen wir jemanden zum gegenseitigen Liebhaber und Pferdestehlen. Wir haben in jeder Lebensphase - hoffentlich - einen besten Freund, und manche begleiten uns sogar über Jahrzehnte, unser Leben lang.

Eine Frau braucht ihre beste Freundin für ihre "Von-Frau-zu-Frau"-Gespräche, und ein Mann seinen besten Freund für seinen "Männerkram". Und dann zündelt es plötzlich. Da teilt der eigene Partner einen wichtigen Teil seines Lebens mit einem anderen Menschen, vielleicht, nein, oft genug auch Teile des gemeinsamen Lebens mit einem letztlich fremden Menschen. "Man" und "frau" diskutieren Paarthemen mit einem Dritten, das kann zur Belastung der eigenen Intimsphäre werden.

Mein Freund Burt z.B. ist liiert, aber er hat zwei beste Freundinnen.


Er braucht sie und darunter hat noch jede seiner Beziehungen gelitten, manche sind deshalb gescheitert. Nicht dass Burt körperlich untreu geworden wäre. Burt ist eine treue Seele, aber er will seine Freundinnen nicht missen. Mit ihnen geht er ins Kino, auf den Flohmarkt, zum Biergarten und er würde sogar seine Partnerin mitnehmen, schließlich hat er nichts zu verbergen. Gleichwohl gab es früher regelmäßig Eifersuchtsdramen und Forderungen nach mehr gemeinsamer Zeit und Exklusivität.

Seine jetzige Partnerin hat selbst zwei beste Freunde, einen Männerfreund und eine Frauenfreundin. Alle kennen sich und kommen wunderbar miteinander hin. Wie eine große Familie, in der jeder seine eigenen Wege geht und doch zueinander steht.

Wenn der beste Freund zum Feind der Beziehung wird ...


... dann stehen dahinter sicher eine ganze Reihe von Gründen. Faktische oder gefühlte.
... dann sollte man nicht nur das gemeinsame kritische Gespräch suchen oder gar streiten, sondern vor allem mit sich und in Ruhe selbstkritisch nachdenken, was da bei einem selbst schief läuft.
... dann werden mit der Beziehung möglicherweise "Mein-Partner-gehört-mir"- und "Mein-Partner-ist-für-mein-Glück-verantwortlich"-Ansprüche verbunden.
... dann fehlen häufig Vertrauen, Selbstvertrauen und ein gesundes Selbstbewusstsein, das dem anderen Raum gibt und auch sich selbst Raum nimmt.

Lassen und loslassen bilden die stärkste Bindung.


Wer sich angebunden fühlt, spürt in aller Regel einen sehr viel größeren Drang, sich zu befreien als jemand, der sich innerlich verbunden fühlt und zwar aus freien Stücken. Dies gilt, wie ich finde, nicht nur für den besten Freund - die beste Freundin des Partners. Dies gilt auch für den besten Freund - die beste Freundin des Sohnes oder der Tochter, für ihre oder seine Eltern - und sogar für die KollegInnen des Partners, für Chefin und Chef.

Die Liste der Menschen, die in Beziehung mit "meinem" Partner stehen ist potenziell unendlich.

Wie viel Energie geht dabei verloren, wenn man über jede Beziehung reflektieren und Diskussionen, gar Streitgespräche führen möchte? Keine Frage, "man" und "frau" finden nicht per se jeden sympathisch, den der Partner sympathisch findet. Aber es lohnt sich, die eigenen Vorbehalte auf ihren Kern hin zu prüfen und mit Souveränität, Gelassenheit, Takt und Toleranz, Offenheit (gegenüber dem anderen) und Respekt (vor den Gefühlen des Partners) dem "Fremden" zu begegnen. Oft zeigt das "Ungeliebte" und "Unbeliebte" ja nur den eigenen Schatten, das, was man noch in seinem Leben lernen soll und kann. Sprich: der andere lacht oft nur deshalb zu laut, weil man es sich selbst nicht erlaubt. Die andere ist nur deshalb so entsetzlich oberflächlich, weil man sich selbst die heitere Leichtigkeit versagt.

Meine beste Freundin z.B. hat einen Mann, den sie schon vor mir kannte. Er und ich wären ohne meine beste Freundin nicht wirklich befreundet, aber wir kennen uns nun schon über 25 Jahre und kommen gut miteinander aus. Heißt: mit ihr telefoniere ich stundenlang und er amüsiert sich darüber. Wir lachen über sein schottisches Gen (er liebt die Sparsamkeit) und er lacht mit. Er hilft mir sogar mit seinem fachmännischen Rat, wenn ich diesen brauche. Und ich würde nie seinen Geburtstag vergessen, weil ich weiß, dass er sich über meine Glückwünsche freut. Wie wir dies schaffen? Ich glaube, weil wir beide "meine" beste Freundin und "seine" Ehefrau sehr gerne haben - jeder auf seine Weise.