wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Die „Krallen“ der Mütter

Die „Krallen“ der Mütter

28.03.2014, 16:16 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Alles, was zwischen Müttern und ihren Söhnen in den ersten Jahren geschieht, hat große Auswirkungen auf das Leben von Männern, besonders auf ihre Beziehungen zu Frauen. Und diese Beziehung befindet sich wie viele andere Bereiche im Leben der Männer in einer Sackgasse, sagt der Psychologe und Buchautor Robert Betz.

Die Väter meist abwesend, die Mütter oft lebenslänglich in ihrer Mutterrolle gefangen und unfähig, ihr Frausein zu leben und zu lieben; das ist laut Robert Betz das Grundübel, das Männer ein Leben lang begleitet und ihnen zu schaffen macht. Von Generation zu Generation präsentierten sich die große Mehrzahl aller Mütter ihren Söhnen (und auch Töchtern) als jammernde, leidende, schimpfende und unglückliche Frauen, ohne befriedigende oder beglückende Partnerschaft. „Diese Feststellung ist keineswegs übertrieben, wie Umfragen während meiner vielen Vorträge zeigen“, schreibt Betz in seinem Buch „So wird der Mann ein Mann“. „Kaum jemand meldet sich, wenn ich frage, wessen Mutter in ihrer Ehe glücklich war und ihr Frausein geliebt und gefeiert hat“, so der Psychologe und Buchautor.

Die abwesenden Väter

Für einen kleinen Jungen ist seine Mutter die erste große Liebe in seinem Leben. Bedenkenswert dabei ist allerdings, dass Jungs in ihren Jungen-Jahren neben der Mutter zwar viele andere weibliche, aber nur wenige männliche Rollenvorbilder haben. Sobald ein kleiner Junge beginnt, sich von seiner Mutter zu lösen, wird er hauptsächlich wieder mit Frauen konfrontiert: Im Kindergarten übernehmen meistens Erzieherinnen, in den ersten Klassen der Schule fast ausschließlich Lehrerinnen einen Teil seiner Erziehung. Starke Väter und/oder andere männliche Vorbilder, an denen sich Jungen orientieren und ihr Mann-sein üben könnten? Sehr selten bis Fehlanzeige. Robert Betz: „ Der Mann hat als kleiner Junge gelernt, dass er keinen Vater hatte, oder einen abwesenden Vater oder einen schwachen Vater. Das führt dazu, dass der kleine Junge beginnt, unisono mit der Mutter seinen Vater als Looser, als Versager, als nicht gut genug oder als nicht lieb und nett genug zu verurteilen. Denn ebenso haben sich ja viele Väter auch verhalten“.

Lebenslänglich für Mütter

Viele Mütter gäben sich in ihrer Mutterrolle selbst ein „Lebenslänglich“, so Betz: „Sie wechseln aus dem Muttersein oft nicht mehr zurück in die Rolle der Frau und zerstören auf diese Weise die Liebesbeziehung zum Mann. Zwischen der Energie und Ausstrahlung einer »Mutter« und der einer »Frau« liegen Welten“.
So wird der kleine Junge in seiner Kindheit mit mehreren unbewussten, aber folgenschweren Verhaltensweisen seiner Eltern konfrontiert, die sein späteres Leben prägen. Ein abwesender Vater, fehlende männliche Vorbilder, eine unzufriedene Mutter, die ihr Frausein und dadurch letztendlich auch ihre Partnerschaft aufgegeben hat, und ihrem kleinen Sohn ein entsprechend negatives Männerbild vermittelt. „Da der Vater meist mehr abwesend als anwesend ist, braucht der Sohn unbedingt die Aufmerksamkeit und Zuwendung der Mutter für sein eigenes psychisches Überleben, wenn niemand sonst da ist“, so Robert Betz. „Darum stellt er sich innerlich auf die Seite seiner Mutter und vermittelt ihr: »Mama, ich bin für dich da, ich helfe dir“.

Die Krallen der Mütter

Für die „Krise des Mannes heute“ macht Robert Betz unter anderem diese Grundfaktoren verantwortlich. „Die Mütter aus ihrem eigenen unzufriedenen Dasein in ihrer Beziehung krallen sich die Kinder“, so Betz und fügt hinzu: „Und ganz besonders krallen sie sich die Söhne“. Ein Sohn sei zu 90 Prozent mit der Mutter zusammen, was laut Betz „eine extreme Verstrickung des heutigen Mannes“ bewirke, „die mit der Zeit nicht abnimmt, sondern bestehen bleibt“. Viele Männer seien sich dieser Abhängigkeit von der Mutter in der Regel nicht bewusst, sie wirke sich jedoch extrem auf seine Frau-Mann-Beziehung und auf sein Wesen als Mann aus.
„Durch Verurteilung des Erzeugers und anderer Männer und durch eigenes Leiden bringt die Mutter den kleinen Sohn (wie auch die Tochter) in eine prekäre psychische Lage“ so der Psychologe. Der kleine Junge spüre, ob es seiner Mutter gut geht, ob sie mit ihrem Leben und ihrer Partnerschaft glücklich oder unzufrieden ist. Leidet sie, so fühle sich ihr Sohn in seiner Abhängigkeit gezwungen, darauf zu reagieren: „Er beginnt, mitzuleiden, will ihr helfen und versucht auf irgendeine Weise, das Leid der Mama zu lindern. Viele Jungen bieten sich innerlich als Ersatzpartner an und denken: »Ich wäre der bessere Partner für Mama. Ich will ihr helfen. «“, schreibt Betz. „Sie wollen ihr zeigen, dass es auch gute Männer gibt und trennen sich dadurch innerlich von ihrem Vater, indem sie ihn wie die Mutter als schlecht« oder »böse« verurteilen“.

Ersatzmütter, Frauenretter und Frauenhelden

Die Abwesenheit der Väter und anderer männlicher Vorbilder einerseits, die leidende Mutter andererseits, stürzen die Söhne laut Betz in ein Dilemma: „Ein Mann wie sein Vater wollte der kleine Junge nicht sein“, so der Psychologe, gleichzeitig bekomme er aber auch keine Informationen darüber: „Wie ist denn ein richtiger, ein richtig guter Mann?“
Dem kleinen Jungen bleibe nichts anderes übrig, als sich an seine Mutter zu halten und zu versuchen, ihre Erwartungen und Wünsche zu erfüllen, so Betz: „Das führt dazu, dass der erwachsene kleine Junge in seinen Beziehungen zu Frauen Muttererfahrungen wiederholt“.
Die wenigsten Mütter gäben ihre Söhne von sich aus wieder frei und an das Leben zurück, schreibt Betz. Nicht nur ehemaligen „Muttersöhnchen“ falle es schwer, sich mit eigener Kraft aus der verstrickten Mutter-Sohn Beziehung zu lösen. In ihren Partnerschaften würde für diese Männer die eigene Frau oft zur Ersatzmutter werden. Andere Männer versuchten sich unbewusst ihr „richtiges“ Mann-sein mit „Frauenretten“ zu beweisen, laut Betz eines der „teuersten und auf Dauer frus¬trierendsten »Hobbys« von Männern“. Immer im Bestreben eine oder mehrere Frauen parallel oder nacheinander von ihrem Leid zu befreien und ihren Wunschbildern zu folgen, würden diese Männer sich und eine Frau nach der anderen unglücklich machen.
Und die Lösung? Dazu Robert Betz: „Die Freiheit, nach der sich jedes Männerherz zutiefst sehnt, entsteht zuallererst durch die Befreiung von der Mutter der Kindheit. Darum rate ich jedem Mann zwischen achtzehn und einundachtzig, sich diese Aufgabe beherzt vorzunehmen“.

Weiterführende Artikel:
Mütter und Söhne : Besondere Beziehung mit Risiken
http://www.fr-online.de/wissenschaft...202292.html
Mama macht’s sich selber
https://www.seniorbook.de/themen/kat...sich-selber

"So wird der Mann ein Mann“, siebenminütiger Youtube-Film mit Robert Betz:

Copyright: Susanne Gebert, Agentur für Bildbiographien, 2014
Agentur für Bildbiographien auf Facebook (auch für "Nicht-User" sichtbar)

3 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
dem kann ich nur zustimmen! manchmal wird es sogar notwendig, dass die mutter ihren sohn aus dem "nest " schubst, spätestens mit 21. die stimmen, die dann laut werden ... so eine "rabenmutter" ... gilt es auszuhalten ... für den "zukünftigen mann"
  • 28.03.2014, 22:10 Uhr
Deshalb wird/wurde die Militärpflicht als "Schule der Nation" (nicht zu Unrecht) bezeichnet.
  • 29.03.2014, 09:20 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Sehr lesenswert!
  • 28.03.2014, 19:47 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren