Rote Rosen
Rote RosenFoto-Quelle: Andreas Hermsdorf / www.pixelio.de

Gnadenlose Rache

Beitrag von wize.life-Nutzer

Thors Auslandseinsatz war zwei Tage eher beendet als geplant, aber er hatte seiner Frau Mara nichts davon gesagt - er wollte sie überraschen.
Bewaffnet mit einem großen Strauß roter Rosen schloss er leise die Haustür auf. Das Haus war über 120 Jahre alt; bis auf ein paar Kleinigkeiten war alles seit seiner Erbauung unverändert. Unten war es dunkel, doch das schwache Mondlicht reichte ihm. Lautlos erreichte er die steile Treppe. Fast hätte er das gußeiserne Modell des Eiffelturms umgeworfen, das sie wohl während seiner Abwesenheit dort hingestellt hatte. Ihm fiel wieder ein, dass sie ja für einige Tage in Paris gewesen war...
Die siebtletzte Stufe mied er; sie knarrte, wenn man drauf trat. Er sah den Lichtschein unter der Schlafzimmertür und freute sich, dass sie noch wach war. Geräuschlos drückte er die Klinke hinunter und schob die Tür auf, doch was er sah, ließ sein Blut in den Adern gefrieren: seine Frau lag mit einem wildfremden Mann eng umschlungen im Bett.
Thor war groß und schwer, aber behende wie eine Katze. Mit zwei großen Schritten stand er neben dem Bett, ließ die Rosen fallen und packte den Kopf des Mannes mit beiden Händen. Ein blitzschneller, kräftiger Ruck, und das Genick brach. Seine Frau schrie gellend, doch panthergleich wischte er mit der linken Hand den Körper des Mannes zur Seite, während seine rechte Faust wie eine Dampframme niederschoss und Maras Solarplexus zertrümmerte. Der Schrei erstarb, und er sah, wie ihre Augen brachen.
Schwer atmend betrachtete er seine tote Frau. Die letzten zwölf Jahre als Söldner hatten ihn in eine gnadenlose Kampfmaschine verwandelt. Und seine Stärke war das waffenlose Töten! Fast tat es ihm leid, dass er sie getötet hatte, aber jetzt war nicht die Zeit, zu trauern. Er musste so schnell wie möglich die Leichen beseitigen.
Er warf den schlaffen Körper des Mannes über die rechte Schulter, sicherte ihn mit der linken Hand und klemmte sich die Leiche seiner Frau vor die Brust. Nachdem er sich durch die Tür gezwängt hatte, begann er den Abstieg. Die ersten sechs Stufen überwand er problemlos. Die siebte jedoch zersprang mit einem lauten Knall, er verlor das Gleichgewicht und fiel nach vorne. Alle drei Körper schlitterten die Treppe hinunter und überschlugen sich dabei. Bervor er mit dem Kopf auf den Steinboden knallte und sein Genick brach, spürte Thor noch einen höllischen Schmerz in der Brust, als ein spitzer Gegenstand sich durch seinen Leib bohrte und ihm das Herz zerfetzte.

(c) Georg Lackmann

Gnadenlose, konstruktive Kritik ist erwünscht - ohne Einschränkung

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