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Rote Rosen

Gnadenlose Rache

Von wize.life-Nutzer - Freitag, 28.03.2014 - 16:48 Uhr

Thors Auslandseinsatz war zwei Tage eher beendet als geplant, aber er hatte seiner Frau Mara nichts davon gesagt - er wollte sie überraschen.
Bewaffnet mit einem großen Strauß roter Rosen schloss er leise die Haustür auf. Das Haus war über 120 Jahre alt; bis auf ein paar Kleinigkeiten war alles seit seiner Erbauung unverändert. Unten war es dunkel, doch das schwache Mondlicht reichte ihm. Lautlos erreichte er die steile Treppe. Fast hätte er das gußeiserne Modell des Eiffelturms umgeworfen, das sie wohl während seiner Abwesenheit dort hingestellt hatte. Ihm fiel wieder ein, dass sie ja für einige Tage in Paris gewesen war...
Die siebtletzte Stufe mied er; sie knarrte, wenn man drauf trat. Er sah den Lichtschein unter der Schlafzimmertür und freute sich, dass sie noch wach war. Geräuschlos drückte er die Klinke hinunter und schob die Tür auf, doch was er sah, ließ sein Blut in den Adern gefrieren: seine Frau lag mit einem wildfremden Mann eng umschlungen im Bett.
Thor war groß und schwer, aber behende wie eine Katze. Mit zwei großen Schritten stand er neben dem Bett, ließ die Rosen fallen und packte den Kopf des Mannes mit beiden Händen. Ein blitzschneller, kräftiger Ruck, und das Genick brach. Seine Frau schrie gellend, doch panthergleich wischte er mit der linken Hand den Körper des Mannes zur Seite, während seine rechte Faust wie eine Dampframme niederschoss und Maras Solarplexus zertrümmerte. Der Schrei erstarb, und er sah, wie ihre Augen brachen.
Schwer atmend betrachtete er seine tote Frau. Die letzten zwölf Jahre als Söldner hatten ihn in eine gnadenlose Kampfmaschine verwandelt. Und seine Stärke war das waffenlose Töten! Fast tat es ihm leid, dass er sie getötet hatte, aber jetzt war nicht die Zeit, zu trauern. Er musste so schnell wie möglich die Leichen beseitigen.
Er warf den schlaffen Körper des Mannes über die rechte Schulter, sicherte ihn mit der linken Hand und klemmte sich die Leiche seiner Frau vor die Brust. Nachdem er sich durch die Tür gezwängt hatte, begann er den Abstieg. Die ersten sechs Stufen überwand er problemlos. Die siebte jedoch zersprang mit einem lauten Knall, er verlor das Gleichgewicht und fiel nach vorne. Alle drei Körper schlitterten die Treppe hinunter und überschlugen sich dabei. Bervor er mit dem Kopf auf den Steinboden knallte und sein Genick brach, spürte Thor noch einen höllischen Schmerz in der Brust, als ein spitzer Gegenstand sich durch seinen Leib bohrte und ihm das Herz zerfetzte.

(c) Georg Lackmann

Gnadenlose, konstruktive Kritik ist erwünscht - ohne Einschränkung

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25 Kommentare

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Oh je, welch ein Drama. Gut geschrieben. Da muß man erst einmal darauf kommen. Wird hier gleiches mit gleichem vergolten? Bin mir nicht sicher, in welcher Kategorie diese Geschichte beheimatet ist, bzw. ich sie hineinstecken möchte. Ach und übrigens, was macht das Buch an dem du arbeitest. Lass doch mal wieder von dir hören, wenn du magst. Liebe Grüße aus Castrop-Rauxel schickt Dir Cornelia Bettina
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Ein herzliches Dankeschön an alle, die diese Geschichte für lesenswert erachtet haben.
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Mann, Mann Georg du überraschst mich . Für so blutrünstig habe ich dich gar nicht gehalten. Und gleich 3 Leichen auf einmal. Das muss dir erst mal jemand nachmachen. Naja als Söldner, die kennen ja kein Pardon. Gut geschrieben.
Danke, Brigitte.
Normalerweise bin ich ein sanftmütiger, friedfertiger Mensch, der selbst Fliegen und Mücken erst nach drei Verwarnungen zu Leibe rückt. Aber kürzlich hatte ich den Film "Der verrückte Professor" mit Jerry Lewis ("Dr. Jekyll & Mr. Hyde"-Thema) gesehen und wollte auch mal ein Macho sein. Also holte ich meinen alten Chemie-Baukasten aus dem Keller und experimentierte ein wenig. Da sich nach einer Stunde noch nichts verändert hatte, setzte ich mich an den Rechner, um einen lustigen Schmunzelkrimi zu schreiben...
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Der liebe Gott hat gleich alle Sünden bestraft!
Danke, Hilde,
wenn die Strafe für Ehebruch allerdings immer so drastisch ausfallen würde, dann hätten wir bedeutend weniger Parkplatzprobleme...
Ja Georg,so weit hab ich nicht gedacht.Hast recht.
Aber die Geschichte fand ich gut!
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Kurz und schmerzlos !!!! Na ja so schmerzlos war der Schluß ja nichtaber toll. In der Kürze liegt die Würze
Danke, Rosemarie,
Thor hat seine Opfer nicht lange leiden lassen, von daher war das Schicksal diesbezüglich auch mit ihm gnädig...
Also stimmt der Titel nicht so ganz...
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Jetzt mag ich keine Rosen mehr
Das tut mir leid, Regina, aber ich glaube, wenn Thor die Rosen nicht gekauft hätte, dann hätte das am Geschehen auch nichts geändert...
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Hallo Georg,
es gibt nichts zu kritisieren.....Spannung pur, wie aus dem Lehrbuch.
Dein Lob freut mich sehr, Peter.
Schreibst Du auch etwas zum Thema?
Hallo Georg, ja am Wochenende geht's los, bin schon am "Basteln".
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Hallo Georg,
super! Spannend! Sehr gut geschrieben, gefällt mir sehr.
Kurz und prägnant, alles drin.
Herzlichen Dank, Inga.
Es freut mich, dass Du als "elegante Giftmischerin" auch die archaischen Methoden akzeptierst...
Na klar, Georg!
Alles, was einen guten Krimi ausmacht, akzeptiere ich (gerne)!
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Georg - in der Kuerze liegt die Wuerze. Spannend von Anfang bis Ende. Gut ausgedacht.
Vielen Dank, Eva.
Ich hatte schon befürchtet, dass der Anfang zu langatmig sei - aber irgendwie muss ja auch der "Rahmen" für die Handlung beschrieben werden.
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Gnadenlos bestechend gut geschrieben. Nur eine Sache: Ich bevorzuge es, Partizipien, wenn es geht, zu vermeiden. Nach meinem Empfinden hört es sich besser an, wenn im letzten Absatz "und überschlugen sich dabei" steht. Wahrscheinlich soll es am Schluss heißen "und sein Genick." Du hast gnadenloses Talent, Georg
Sei herzlich bedankt, Martin.
Mit dem Partizip hast Du recht; ich habe es geändert. Allerdings habe ich dadurch in zwei aufeinander folgenden Sätzen ein "und" - das versuche ich meistens zu vermeiden. Zum "Genick": da schon "seinem Kopf" und "seinen Leib" in dem Satz stehen, wollte ich kein drittes "sein". Ich denke aber, ich werde das "sein" vom Kopf zum Genick schieben.
Ja, auf die Wiederhohlungen habe ich nicht geschaut.
Liebe Doris, danke für deine Ratschläge.
Natürlich bin ich dir nicht böse. Wenn ich hier in eigener Sache "werben" darf: "Einmal zum Bahnhof, bitte" beschreibt "heile Welt", "Die letzte Geschichte" irgendwie auch (die ist aber nicht jedermanns Sache).
Ich wünsche dir einen schönen Tag, liebe Grüße, Georg
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