Mütter – Schicksalsbande, die unser Leben bestimmen
Mütter – Schicksalsbande, die unser Leben bestimmen

Mütter – Schicksalsbande, die unser Leben bestimmen

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Mit keinem Menschen im Leben verknüpft uns ein engeres Schicksalsband. Keine Beziehung ist so stark mit Gefühlen aufgeladen und gleichzeitig mitunter so schwierig. Und niemanden idealisieren oder verteufeln wir mehr als die eigene Mutter. Ob versöhnlich oder nachtragend – wir bleiben ihr auf ewig verbunden.

Idealbilder und Wirklichkeit
Ideale Mutter-Kind-Beziehungen, bei denen alles „nach Plan“ läuft, kommen bestenfalls in Lehrbüchern vor. Es ist immer zu viel oder zu wenig, zu nah oder unerreichbar fern. Der Idealtyp der Mutter im Märchen ist liebevoll und warmherzig, großzügig und gütig. Der Gegenentwurf ist die böse Hexe: berechnend und ausbeuterisch, eigennützig und missgünstig. Im wirklichen Leben gibt es weder das eine noch das andere in Reinform – Mütter wollen meist das Gute und machen doch so viele Fehler.

Mütter bauen Nester. Sie sorgen aufopferungsvoll für ihren Nachwuchs. Sie wünschen nichts mehr als Sicherheit und Geborgenheit. Und doch lassen sie ihre Kinder manchmal einfach im Stich. Sie wollen sie nicht leiden sehen und sie wollen so viel Liebe geben. Doch manchmal können sie es nicht. Zum Beispiel weil sie solche Gefühle selbst nie erfahren haben.

Das perfekte Muttertier
Die Mutter soll stark sein und souverän. Eine gleichwertige Partnerin, die beste Freundin. Ansprechpartnerin in allen Lebensfragen, Familienmanagerin, Köchin, Putzfrau oder kurz: Mädchen für alles. Mütter sind für alles verantwortlich – im Guten wie im Schlechten. Sie müssen alles aushalten: Konflikte mit dem Partner, den Trotz, die Abnabelungsversuche der Kinder, den Kampf um Eigenständigkeit und Selbstbehauptung - manchmal bis hin zum Zerwürfnis. Mit niemandem wird heftiger gestritten. Und doch sind Mütter immer wieder versöhnlich.

Mütter dürfen Fehler machen

Welche Mutter wünscht sich nicht, dass es ihren Kindern gut geht? Nein - nicht nur gut, sondern besser! Sie wollen nicht die gleichen Fehler machen wie die eigenen Mütter. Und machen dafür andere. In ihrem Übereifer missachten Mütter nicht selten die wahren Bedürfnisse ihrer Kinder. Sie treffen Entscheidungen über deren Köpfe und Herzen hinweg. Sie pressen sie in Lebensentwürfe, die mit den Wünschen der Kinder so gar nichts zu tun haben. Sie arbeiten hart, um diese Pläne zu verwirklichen – oft auf Kosten der wertvollsten Gaben, die Mütter zu verschenken haben: Zeit für Zuwendung, Zärtlichkeit und Nähe. Doch auch Mütter sind nur Menschen. Menschen, die Fehler machen. Machen dürfen.

Schicksalsbande
Beziehungen zu Partnern, zu Freunden kann man beenden – die Bindung an die Mutter niemals. Sie bleibt uns ein Leben lang erhalten. Selbst nach ihrem Tod. Wir können dieses Band nicht ignorieren. Wir können freilich die Mutter verlassen. So tun, als hätten wir die Trennung verzogen. Doch Schicksalsbande werden uns immer verfolgen.

Wir tragen ein unauslöschliches Bild in uns: das unserer ersten innigen Bindung, unserer Beziehung zur Mutter. Unbewusst übertragen wir dieses Muster auf jede Beziehung, die wir im Leben eingehen. Spätestens, wenn Partnerschaften nicht gelingen wollen, stellt sich wieder die Frage nach dieser ersten Liebe: war sie wirklich vertrauensvoll und unverbrüchlich tief oder voller Widersprüche und Spannungen? Wir kommen nicht umhin, uns immer wieder mit der Mutter auseinanderzusetzen. Oder vielmehr: mit unserem inneren Bild von der Mutter, mit unseren eigenen, aufrichtigen Gefühlen zu ihr. Und mit unseren eigenen Fehlern. Nur in dem Maße, indem wir bereit sind, zu vergeben - uns selbst und der Mutter - und uns dankbar erinnern, weil gerade ein schwieriges Schicksal immer auch eine Chance auf Wachstum bedeutet, wächst unsere eigene Fähigkeit zu lieben.