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Mütter – Schicksalsbande, die unser Leben bestimmen

Mütter – Schicksalsbande, die unser Leben bestimmen

Christine Kammerer
11.05.2014, 17:04 Uhr
Beitrag von Christine Kammerer

Mit keinem Menschen im Leben verknüpft uns ein engeres Schicksalsband. Keine Beziehung ist so stark mit Gefühlen aufgeladen und gleichzeitig mitunter so schwierig. Und niemanden idealisieren oder verteufeln wir mehr als die eigene Mutter. Ob versöhnlich oder nachtragend – wir bleiben ihr auf ewig verbunden.

Idealbilder und Wirklichkeit
Ideale Mutter-Kind-Beziehungen, bei denen alles „nach Plan“ läuft, kommen bestenfalls in Lehrbüchern vor. Es ist immer zu viel oder zu wenig, zu nah oder unerreichbar fern. Der Idealtyp der Mutter im Märchen ist liebevoll und warmherzig, großzügig und gütig. Der Gegenentwurf ist die böse Hexe: berechnend und ausbeuterisch, eigennützig und missgünstig. Im wirklichen Leben gibt es weder das eine noch das andere in Reinform – Mütter wollen meist das Gute und machen doch so viele Fehler.

Mütter bauen Nester. Sie sorgen aufopferungsvoll für ihren Nachwuchs. Sie wünschen nichts mehr als Sicherheit und Geborgenheit. Und doch lassen sie ihre Kinder manchmal einfach im Stich. Sie wollen sie nicht leiden sehen und sie wollen so viel Liebe geben. Doch manchmal können sie es nicht. Zum Beispiel weil sie solche Gefühle selbst nie erfahren haben.

Das perfekte Muttertier
Die Mutter soll stark sein und souverän. Eine gleichwertige Partnerin, die beste Freundin. Ansprechpartnerin in allen Lebensfragen, Familienmanagerin, Köchin, Putzfrau oder kurz: Mädchen für alles. Mütter sind für alles verantwortlich – im Guten wie im Schlechten. Sie müssen alles aushalten: Konflikte mit dem Partner, den Trotz, die Abnabelungsversuche der Kinder, den Kampf um Eigenständigkeit und Selbstbehauptung - manchmal bis hin zum Zerwürfnis. Mit niemandem wird heftiger gestritten. Und doch sind Mütter immer wieder versöhnlich.

Mütter dürfen Fehler machen

Welche Mutter wünscht sich nicht, dass es ihren Kindern gut geht? Nein - nicht nur gut, sondern besser! Sie wollen nicht die gleichen Fehler machen wie die eigenen Mütter. Und machen dafür andere. In ihrem Übereifer missachten Mütter nicht selten die wahren Bedürfnisse ihrer Kinder. Sie treffen Entscheidungen über deren Köpfe und Herzen hinweg. Sie pressen sie in Lebensentwürfe, die mit den Wünschen der Kinder so gar nichts zu tun haben. Sie arbeiten hart, um diese Pläne zu verwirklichen – oft auf Kosten der wertvollsten Gaben, die Mütter zu verschenken haben: Zeit für Zuwendung, Zärtlichkeit und Nähe. Doch auch Mütter sind nur Menschen. Menschen, die Fehler machen. Machen dürfen.

Schicksalsbande
Beziehungen zu Partnern, zu Freunden kann man beenden – die Bindung an die Mutter niemals. Sie bleibt uns ein Leben lang erhalten. Selbst nach ihrem Tod. Wir können dieses Band nicht ignorieren. Wir können freilich die Mutter verlassen. So tun, als hätten wir die Trennung verzogen. Doch Schicksalsbande werden uns immer verfolgen.

Wir tragen ein unauslöschliches Bild in uns: das unserer ersten innigen Bindung, unserer Beziehung zur Mutter. Unbewusst übertragen wir dieses Muster auf jede Beziehung, die wir im Leben eingehen. Spätestens, wenn Partnerschaften nicht gelingen wollen, stellt sich wieder die Frage nach dieser ersten Liebe: war sie wirklich vertrauensvoll und unverbrüchlich tief oder voller Widersprüche und Spannungen? Wir kommen nicht umhin, uns immer wieder mit der Mutter auseinanderzusetzen. Oder vielmehr: mit unserem inneren Bild von der Mutter, mit unseren eigenen, aufrichtigen Gefühlen zu ihr. Und mit unseren eigenen Fehlern. Nur in dem Maße, indem wir bereit sind, zu vergeben - uns selbst und der Mutter - und uns dankbar erinnern, weil gerade ein schwieriges Schicksal immer auch eine Chance auf Wachstum bedeutet, wächst unsere eigene Fähigkeit zu lieben.

9 Kommentare

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Danke für den tollen Beitrag. Gruß Marlies
  • 11.05.2014, 20:15 Uhr
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Ich sehe es heute so, dass meine Mutter aus ihrer Sicht versuchte, meinem Leben mit den ihrer Meinung nach besten Chancen verhelfen wollte, beruflich und gesellschaftlich höher zu steigen, als es ihr durch ihren Hintergrund möglich war. Ich sollte das erreichen, was ihr versagt geblieben war.

Bloß waren das eben nicht meine Ziele, sondern ihre. Also habe ich in ihren Augen "rebelliert" (auch wenn mir das als erstgeborenem Kind aufgrund ihres dominanten Verhaltens absolut unmöglich war ) und es ist trotzdem was aus mir geworden.

Zwar immer erst nach dem zweiten Versuch, das spielt letzten Endes keine Rolle mehr.

Ich habe ihr verziehen, wir leben etliche hundert Kilometer voneinander entfernt jeder lebt sein Leben, wir haben keine Berührungspunkte mehr, das ist auch o.k. so.

Nichtsdesto trotz verdanke ich ihr mein Leben und manche Ansichten habe ich schon übernommen, weil sie mir wichtig erschienen.
  • 11.05.2014, 19:38 Uhr
Aber ich finde es ja schön, wenn Eltern sich für ihre Kinder Ziele ausdenken, ich hätte es mir von meinen Eltern wünscht. Ich hatte schon sehr früh gelernt, meine eigenen Entscheidungen zu treffen.Da sieht man wieder, wie unterschiedlich die Vorstellungen sind.
  • 12.05.2014, 00:30 Uhr
Da stimme ich Dir zu @ Oma Saja - ich habe mich daher ausschliesslich darum bemüht, meine Kinder zu fördern, ihnen alle Chancen einzuräumen, um eine glückliche Kindheit zu haben mit dem, was dazugehört. Malen, basteln, singen, turnen, tanzen, gemeinsam mit anderen Kindern zusammen zu sein, was immer ihnen Spaß gemacht hat. Bei uns gab es keine Hobbysportarten, die gemacht werden mussten, weil es andere auch taten. Sie konnten alles ausprobieren und wenn sie für sich gemerkt haben, dass es ihnen doch nicht so gut gefällt, dann haben sie es eben nicht weitergemacht.

Genauso wie man als Mutter/Eltern die Fähigkeiten seiner Kinder realistisch sehen muß, so muß man auch bereit sein, ihre Grenzen zu akzeptieren und sie nicht in eine Schablone zu pressen, in der sie nur unglücklich und erfolglos sein können.
  • 12.05.2014, 12:39 Uhr
Das mag hart klingen, liebe Oma Saja. Ich habe es 2013 noch einmal versucht, mit ihr zu reden, es war ernüchternd. Noch immer geht es nur um ihre Person und ihr Geld. Andere Menschen interessieren sie nicht, es sei denn, sie reden ihr nach dem Mund oder tun, was sie will. Schade oder ?
Mein Papa starb 2011, seitdem "kauft" sie sich das Wohlwollen ihrer Mieter oder anderer Leute, Hauptsache sie hat Publikum.

50 Jahre hat sie die Nachbarn in der gesamten Straße belächelt, übersehen wo sie konnte - keiner war ihr je gut genug für einen einfachen, netten nachbarschaftlichen Kontakt. Nun ist sie froh, wenn jemand überhaut noch mit ihr redet. Es sind genau jene, die sie so lange verunglimpft hat. Die spricht sie an, nicht umgekehrt.
Es geht ihr sehr gut. Klar die Erkrankungen des Alters sind auch an ihr nicht spurlos vorbeigegangen, sie hat das Haus, ist finanziell absolut abgesichert.

Doch das wärmt nicht das Herz und vertreibt kein Einsamkeit. Sie tut mir aufrichtig leid.
  • 12.05.2014, 20:01 Uhr
Liebe Oma Saja,

ich bin auch eine Mutter, liebe meine beiden Kinder über alles. Mein Verhältnis zu meiner Ältesten existiert leider auch nicht mehr, aus Gründen die definitiv meine Mutter verursacht hat. Für sie ist meine Tochter ihr Kind, angeblich ist sie genau wie meine Mutter als junge Frau, so intelligent, so ehrgeizig wie sie und und und. Sie zeichnet ein Bild meiner Tochter, das dieser nicht in der Form entspricht und unterschlägt dabei, dass ihre Mutter auch nicht aus Dummsdorf ist und in ihrem Leben mit eigener Leistung vieles erreicht hat.

Obwohl ich alles tat, um eine Wiederholung der Situation zu verhindern, ist sie "dank" Dauereinmischung durch die Oma bis heute, genauso gelaufen, wie zwischen meiner Mutter und mir.
Auch wenn's noch so weh tut, das muss ich akzeptieren, kann nur darauf hoffen, dass meine Große irgendwann doch den Weg wieder zu mir findet, ehe ich im Sarg liege.

Du hast doch nicht überreagiert, sondern einfach Deine Meinung dazu gesagt, das ist o.k.
  • 13.05.2014, 10:28 Uhr
Liebe Gabriele, ich kann Dich so gut verstehen. Ich habe zu meiner Tochter auch kein gutes Verhältnis. Eigentlich sie mit mir. Ich nehme sie, wie sie ist. Aber es ist nicht so ein Verhältnis, wie ich es mir zwischen Mutter und Tochter gewünscht hätte. Ich komme leider nicht dahinter, warum sie mit mir so streng ist. Das ist eigentlich passiert, seitdem sie bei einer Psychologin ist. Diese hat ihr geraten sich von mir ab zu nabeln. Der Rat war vielleicht gut, aber sie hat ihr nicht gesagt, wie sie das machen soll. Jetzt werde ich laufend von meiner Tochter getadelt, sie redet nur noch schroff mit mir, es gibt selten nette Worte von ihr. Ich sagte neulich zu meiner Tochter: Bitte rede nicht so, vor Deiner Tochter, also meiner Enkelin, sonst wird sie es vielleicht in einigen Jahren genauso mit Dir machen. Das ignoriert sie. Jetzt versuche ich meiner Tochter immer aus dem Weg zu gehen, damit meine Enekltochter nicht hört, wie ihre Mutter mit mir umgeht. Meine Enkeltochter mag mich sehr.
  • 18.05.2014, 22:43 Uhr
Liebe Gisela,

das macht einem traurig, wenn man das so liest.

Du bemühst Dich um sachliche Schilderung, doch den Schmerz dahinter nehme ich wahr.

Ich nehme an, es ist in Deinem Fall besonders schwierig, weil das Enkelkind da ist, das Dich lieb hat wie Du bist.

Manchmal muss man eben zu dem Menschen, den man lieb hat eine Distanz einlegen, damit es nicht zu weh tut.

Sei ganz lieb gegrüsst. Ich wünsche Dir daß Du für DICH den besten Weg findest, um nicht zu dolle traurig zu sein.
  • 18.05.2014, 23:29 Uhr
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Was soll man dazu noch schreiben ,es ist alles gesagt !!!! Meine Mutter wollte auch für uns alle das Beste ,und das gab auch bei uns Streit ,weil wir Kinder andere Ansichten hatten .Abends weggehen war ein Problem ,sie wollte nicht ,dass uns was passiert .Sie war immer für uns da und hatte ein offenes Ohr .Sie hielt auch später die Familie zusammen ,nach ihrem Tod vor 7Jahren fiel die Familie auseinander ,mein Vater lebt mit 88 Jahren sein eigenes Leben,wir sich ,seltene Anrufe ,Ein Besuch im Jahr .550 km entfernt ,das war mit Mutti anders .Ich denke sehr oft an sie und kann sie heure verstehen,wo ich schon Oma bin Und ich mache auch Fehler ,aus Sorge und Liebe .
  • 11.05.2014, 18:44 Uhr
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