Nachbarschaftstreit als deutsche Paradedisziplin. Warum fetzen mir uns so ge ...
Nachbarschaftstreit als deutsche Paradedisziplin. Warum fetzen mir uns so gern mit unseren Nächsten?Foto-Quelle: © Tom Bayer - www.Fotolia.com

Nachbarschaftstreit als deutsche Paradedisziplin. Warum fetzen mir uns so gern mit unseren Nächsten?

News Team
Beitrag von News Team

Eigentlich sollten wir unsere Nächsten lieben, meint die Bibel. Mit unseren Nachbarn, die uns rein örtlich betrachtet ziemlich nahe sind, streiten wir gern auf Teufel komm raus. Manchmal aus fragwürdigen Gründen wie Grillrauch, manchmal aus handfesten Motiven wie Reifenstecherei. Was macht uns so agressiv gegenüber unseren Nächsten?

Nachbarschaftsstreit: Ein eigener Wirtschaftszweig

Rechtsanwälte, Gutachter und Rechtsberater leben schon lange sehr gut von unserer Neigung, dem Nachbarn eins Auszuwischen. Natürlich gibt es auch im Netz schon zig Webseiten mit Tipps darüber, was der Nachbar darf und was nicht. Und nun gibt es auch ein eigenes TV Format "Nachbarschaftsstreit". Die Auseinandersetzung über den Zaun sitzt ganz tief und staut sich oft ganz lange an. Und sie ist ein Massenphänomen. Insofern findet sich ein großes Publikum an Betroffenen.

Schuld ist immer der andere

Interessant daran ist, dass die meisten Inhalte immer so aufbereitet sind, dass sich der Leser oder Zuseher in der Rolle der bedrohten, benachteiligten und vermeintlich im Recht befindlichen Partei mutmaßt.
Nur selten wird dem Leser die Frage gestellt: Sag mal, findest du es nicht auch irgendwie unfair, die ganze Nacht laut Klavier zu spielen, wenn dein Nachbar sich auf die Frühschicht ausschlafen soll? Und musst du den Grill immer so stellen, dass der Rauch in sein Schlafzimmer zieht? Und vor allem: musst du jeden Samstagabend im Sommer um Mitternacht deine Geister-Bratwurst grillen? Geht das nicht auch in der Pfanne?

Was geht da in uns vor? Was treibt uns an? Haben unsere Emotionen Sonderkonjunktur am Gartenzaun? Setzt der Verstand aus zwischen Haustür und Straßenrand?