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Vorgarten
VorgartenFoto-Quelle: copy. u.m.k.

Schreibwerkstatt/Parallelwelten/

Beitrag von wize.life-Nutzer

Eine glückliche Familie?

Susanne hatte im Sommer zusammen mit ihrem Mann Robert, ihrer 6 jährigen Tochter Anna und einem kleinen Freundeskreis ihren 40zigsten Geburtstag gefeiert. Überall wurde vor dieser magischen 40 gewarnt, als ob danach alles nur noch bergab gehen und sich das Leben komplett verändern würde. Susanne konnte darüber nur lachen. Noch nie hatte sie sich so glücklich gefühlt wie in diesen Tagen.
Zwar war nicht alles ideal, aber ihr Leben gefiel ihr und sie war sehr zufrieden damit.
Das war nicht immer so gewesen. Ihre erste Ehe, die sie schon mit 21 Jahren geschlossen hatte, stellte sich als Irrtum heraus, den sie nach 5 Jahren in gegenseitigem Einverständnis mit ihrer einstigen Jugendliebe beendete. Die Ehe war kinderlos geblieben, also konzentrierte sich Susanne nach der Scheidung mit vollem Einsatz auf ihren Beruf. Sie arbeitet im Labor eines großen Krankenhauses. Die Tätigkeit machte ihr große Freude und über ihr Gehalt musste sie sich auch nicht beklagen. Sie verstand sich mit den meisten ihrer Arbeitskolleginnen sehr gut, so dass sich daraus sogar einige Freundschaften entwickelten, die über das rein berufliche hinausgingen.
Als dann aber nach fünf Jahren immer mehr Ihrer Freundinnen, wegen Heirat und Geburt eines Kindes den Beruf aufgaben, um sich wenigstens für einige Jahre Ihren Familien zu widmen, wurde es langsam still um Susanne. An den Wochenenden hatten die Freundinnen keine Zeit mehr für sie und alles alleine zu unternehmen war langweilig.
Susanne verspürte langsam eine unangenehme Unzufriedenheit und fragte sich immer öfter, soll es das jetzt gewesen sein?
Eine ihrer Freundinnen brachte sie schließlich auf die Idee sich in einem Internetportal für Singles anzumelden. Anfangs war sie sehr skeptisch, aber schließlich hörte man doch immer wieder von Betroffenen, dass sie den Partner fürs Leben in so einem Portal gefunden hatten.
Später kam es Susanne noch immer wie ein Wunder vor. Sie hatte Robert in diesem Portal
kennengelernt und alles passte, er hatte dieselben Interessen, liebte Musik, konnte tanzen, war aufmerksam und belesen und ungeheuer charmant. Es dauerte nicht lange bis zum ersten Treffen, endlose Telefongespräche folgten, Briefe wurden ausgetauscht und man kam sich sehr schnell näher. Nach einem Jahr Fernbeziehung machte ihr Robert einen Heiratsantrag und Susanne zögerte keinen Augenblick um ja zu sagen.
Der einzige Wermutstropfen dabei war, dass Robert, bedingt durch seine Tätigkeit als Filialleiter einer Sparkasse, ortsgebunden war und Susanne, inzwischen Laborleiterin, ihren guten Posten auch nicht aufgeben wollte. Aber auch da waren sich die beiden schnell einig. Den finanziellen Verlust, wenn einer seine Stelle aufgeben würde, wollten sie nicht hinnehmen und schließlich hatten sie die Fernbeziehung ja schon erprobt und alles war gut gegangen. Sie richteten sich also damit ein und die Zeiten, in denen sie dann zusammen sein konnten, waren umso intensiver, weil sich beide um den anderen sehr bemühten.
Im zweiten Jahr ihrer Ehe kam dann ihre Tochter Anna zur Welt und alles schien perfekt.
Bis zu diesem denkwürdigen 40zigsten Geburtstag von Susanne. Sie hatte sich eine Woche Urlaub genommen, ihre Tochter zu ihren Eltern gebracht und sich mit ihrem PKW auf den Weg in die Stadt gemacht, in der ihr Mann arbeitete. Während der Fahrt dort hin, fragte sie sich warum war ich in all den Jahren eigentlich noch nie auf diese Idee gekommen und warum hat auch Robert noch nie den Vorschlag gemacht sie zusammen mit Anna einmal mit zu nehmen. Diese Gedanken beunruhigten sie aber nicht weiter.
Robert hatte von seinen Eltern ein kleines Häuschen geerbt, in dem er während der Zeit in der er arbeitete wohnte. Susanne kannte die Anschrift und weil die Überraschung für Robert gelingen sollte, fuhr sie direkt dort hin. Sie fand nicht weit von dem Haus entfernt einen Parkplatz und machte sich auf den Weg. Vor dem Häuschen befand sich ein kleiner Vorgarten und dort spielten zwei Buben Fußball, etwa 8 u. 10 Jahre alt. Sie waren so in ihr Spiel vertieft, dass sie Susanne nicht bemerkten, die war sehr erstaunt über die spielenden Kinder und vergewisserte sich immer wieder, ob sie auch am richten Haus stand, aber die Hausnummer stimmte.
Warum hatte ihr Robert nicht erzählt, dass er das Haus inzwischen vermietet hat?
Gerade als sie den Gedanken weiter spann, kam eine Frau aus dem Haus und bat die Kinder mit den Worten hinein: „Kommt jetzt, ihr Dreckspatzen, ihr müsst noch duschen bevor Papa kommt, wir wollen dann gleich essen, wenn er da ist!“ In dem Moment bemerkte sie Susanne, die vor dem Gartenzaun stand, winkte ihr freundlich zu und verschwand wieder im Haus.
Die beiden Fußballer machten das Garagentor auf und verschwanden mit Ball durch eine kleine Seitentür in der Garage ins Haus.
Susanne wusste nicht, was sie jetzt machen sollte. Um zur Bank zu fahren war es jetzt zu spät, sicher war Robert schon unterwegs und sie wusste ja nicht, wo er inzwischen wohnte. Sie versuchte ihn über sein Handy zu erreichen, aber das war ausgeschaltet, sicher, weil er während der Arbeitszeit nicht von privaten Anrufen gestört werden wollte.
Sie hatte den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, war schon auf dem Weg zu dem Parkplatz wo sie ihr Auto abgestellt hatte, als der Wagen von Robert in die Seitenstraße einbog und vor der Garage Halt machte. Er stieg aus und in dem Moment stürmten die beiden Jungen aus der Haustüre auf Robert zu und begrüßten ihn lautstark: „Hallo Papa, hast Du dran gedacht, du wolltest uns doch heute eine Überraschung mit bringen!“ Er lachte und begrüßte mit einem Kuss auf die Wange die Frau, die inzwischen auch wieder in der Haustüre stand und schmunzelnd das Spektakel beobachtete.
Susanne stand wie versteinert, unbemerkt von den Beteiligten, auf der anderen Straßenseite und konnte kaum atmen. Welche Gedanken ihr damals durch den Kopf schossen hatte sie später erfolgreich verdrängt. Das fing an bei Rache an der fremden Frau u. den Kindern, Strafanzeige, Annullierung ihrer Ehe mit Robert, Auftragsmord und ging bis hin zu Selbstmord.
Sie stellte Robert damals nicht zur Rede. Sie mietete sich in einem kleinen Hotel ein und versuchte ein wenig zur Ruhe zu kommen. Nach zwei Tagen Verzweiflung und Weinattacken konnte sie wieder einigermaßen klar denken und war in der Lage nachhause zu fahren ohne sich oder andere zu gefährden. Susanne leitete alle notwendigen Schritte ein so lange Anna noch bei ihren Großeltern war und wartete auf den schrecklichen Moment, in dem Robert nach dieser Woche das Haus betreten würde.
Schließlich ging alles ganz schnell, fast schneller als in der Zeit ihres Kennenlernens.
Heute ist Susanne mit ihrer Tochter alleine und sie wird es wohl auch bleiben, zu groß waren die Enttäuschung und die Verletzungen die ihr Robert zugefügt hatte, sie verheilten nie ganz. Sie konnte kein Vertrauen mehr aufbauen und ihr Misstrauen gegenüber allen Menschen, zerstörte jedes unbefangene Zusammentreffen.

(Anmerkung: Die Geschichte ist frei erfunden, alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig.)

@ u.m.k.


14 Kommentare

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Gute Geschichte und spannend zu lesen.
Danke Dir Annette und wünsche Dir einen unwetterfreien, entspannten Sonntag!
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Ursula,
diese Geschichte ist Dir sehr gut geglückt!
Liest sich wie ein Tatsachenbericht und derartig ungeheure Geschichten gibt es ja im echten Leben immer wieder.
Gut, dass es nicht Dir passiert, sondern eingefallen ist!
Das ist ein Paradebeispiel für eine Parallelwelt.
Danke Inga, ich habe zwar einiges mit Internetbekanntschaften erlebt, aber so eine Geschichte ist mir erspart geblieben. Da hat mich zum Glück mein gesundes Misstrauen geschützt.
Ursula,
man kann nicht vorsichtig genug sein, auch im "realen" Leben sind wir alleinstehenden Frauen jenseits der 50 Ziel vieler - gelinde gesagt - unseriöser Typen.
Manche haben es nur darauf abgesehen, versorgt zu sein (monitär, hauswirtschaftlich und später pflegerisch) und wickeln mit ihrem Charme die blinde Damenwelt ein.
Ich könnte Dir Geschichten erzählen...! Zum Glück ist meine, mir mittlerweile daraus erwachsene, Skepsis der beste Berater. Aus diesem Metier der Suchenden und Werbenden habe ich mich ganz bewusst ausgeklinkt. Mein Leben ist schön, wie es jetzt ist.
Inga, ich bin ganz Deiner Meinung!
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Frei erfunden und doch so geschrieben, als wäre es eine eigene erlebte
Episode in Deinem Leben. Beim Lesen glaubt man tatsächlich es selbst mit zu erleben. Ein sehr guter Beitrag von Dir Ursula .
Danke Günter, nach langem Grübeln ist mir nun doch noch etwas eingefallen.
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Hallo Ursula,
auch wenn du diese geschichte frei erfunden hast ist sie so lebendig beschrieben, dass sie wie gerade erlebt wirkt. ich kann mich ihr nicht entziehen und die gedanken darum begleiteten mich durch die nächsten stunden........cara
Danke Cara, ich hatte Bedenken wegen der Länge.
Dir noch einen angenehmen Montag.
hallo ursula, nein sie ist genau richtig lang, nicht zu kurz und nicht zu lang.....
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Das kommt bestimmt öfters vor, als man es sich vorstellt. Schön geschrieben lg Eva
Danke Eva, ich fürchte fast du hast Recht. Sonnige Grüße von mir
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