Hier laufen viele Fäden zusammen: die russische Stadt Yoshkar Ola.
Hier laufen viele Fäden zusammen: die russische Stadt Yoshkar Ola.Foto-Quelle: (© Bild: BR/Bildarchiv)

ARD-Reportage: Wie Singlebörsen bei der Partnersuche im Internet abzocken

Bernd Berke
Beitrag von Bernd Berke

Singlebörsen im Internet sind offenbar ein wahrer Sumpf, in dem der Betrug gedeiht. Diesen Eindruck konnte man jedenfalls bei der ARD-Reportage „Die Liebesfalle“ bekommen. Untertitel: „Wie einsame Herzen im Internet abgezockt werden“.

Frank (57), Arwed (53), Monika (59) und - als einziger jüngerer Mensch - Sascha (27) erzählten von ihren üblen Erfahrungen mit solchen Partnerschafts-Portalen. Das war ziemlich mutig von ihnen, denn sie wurden ja von den Betreibern der Seiten für dumm verkauft.

Überweisungen an "hübsche Russin"

Frank wurde im Internet-Chat eine hübsche russische Frau vorgegaukelt, die sich angeblich in ihn verliebt hatte und nach Deutschland kommen wollte. Er überwies „ihr“ insgesamt 4600 Euro, unter anderem die Kosten für Visum und Flug. Doch die junge Dame traf nie ein.

Arwed ließ sich auf lange virtuelle Dialoge mit einer vermeintlich 26jährigen Schönheit ein. Für jede Mitteilung musste er vorher sogenannte „Flirtpennys“ kaufen. Auch hier kam es nie zu einem Treffen.

Profi-Schreiber treten als Frauen auf

Monika wähnte sich auf der sicheren Seite, als sie ein Schnupper-Angebot für 1 Euro anklickte. Doch dann wollten die Portalbetreiber gleich die volle Jahresgebühr abbuchen, sie ließen sie nicht aus der Abo-Falle heraus und missachteten auch das Widerrufsrecht. Ein Fall für die Verbraucherberatung. Mindestens.

Die Reporter Josef Streule und Katharina Adami konnten zumindest ein paar Hintergründe ermitteln. Da gibt es beispielsweise den im Schichtbetrieb ausgeübten Job des professionellen Chat-Schreibers, der als Frau mit gefälschtem Profil auftritt und möglichst lange Gespräche anregen soll – eine offensichtlich weithin übliche Masche. Bei manchen Portalen kann man sich fragen, ob es da überhaupt echte Frauen gibt.

Flirts mit Übersetzungsprogramm

Vage Hinweise auf solche Praktiken findet man höchstens verklausuliert im Kleingedruckten der Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Doch sind die dubiosen Firmen (die prinzipiell keine Interviews geben) damit wirklich schon aus dem Schneider und die Staatsanwälte also ziemlich machtlos? Man mag es kaum glauben. Da muss doch mit einem guten Anwalt etwas zu machen sein! Wer sich nicht wehrt...

Die Suche nach Hintermännern führte bis in die Stadt Yoshkar Ola, 800 Kilometer östlich von Moskau. Dort laufen viele Fäden zusammen, dort wird kräftig kassiert. Da darf man wohl von mafiosen Strukturen sprechen. Die Flirts „attraktiver russischer Frauen“ laufen teilweise mit russisch-deutschen Übersetzungsprogrammen ab.

Provisionen für Vergleichsportale

Nicht einmal Vergleichsportalen, die vorgeben, Singlebörsen objektiv zu testen, darf man ohne weiteres vertrauen. Sie kassieren oft Provisionen für die Kundenvermittlung und wenden sehr seltsame Kriterien an.

Die Abzocke durch Singlebörsen ist das Eine, betrüblich genug. Das Andere ist der allgemeine Vertrauensverlust der Kunden, der sich so gar nicht mit Partnersuche verträgt. Immerhin war’s ein kleines Happy End, dass Arwed inzwischen doch noch eine Partnerin gefunden hat, und zwar in der nahen Nachbarschaft.