Internet-Dating, Online auf Partnersuche
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Wa(h)re Liebe im Internet: mein neuer Schatz – ein Datensatz

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Kann man wahre Liebe kaufen? Zahlreiche Anbieter kommerzieller Dating-Plattformen im Internet wollen uns das glauben machen. Doch wie hoch sind die Erfolgsaussichten bei Online-Partnerbörsen wirklich?

Partnerbörsen im Internet schießen aus dem Boden wie die Pilze bei feuchtwarmem Wetter im Herbst. Kein Wunder – die ewige Suche nach Liebe ist ein gigantisches Geschäft. Die Anbieter erfüllen die außergewöhnlichsten Wünsche, der Markt ist durch und durch kommerzialisiert und die „Ware“ Mensch wird zunehmend angepriesen wie jedes beliebige Produkt, zum Beispiel auf der Börse „Shop-a-Man. Produkte zum Verlieben“.

Shopping-Mentalität und Konsumrausch

Jede der zahlreichen Plattformen vermittelt den Eindruck, als sei das Angebot an potenziellen Partnern im Überfluss vorhanden und vor allem rund um die Uhr unbegrenzt verfügbar. Sie sind im Wesentlichen aufgebaut wie ein Online-Shop: die "Produkte" präsentieren sich wie an der Fleischtheke, sogar präzise Anleitungen zur Verkaufs-Optimierung nach angeblich bewährten Marketing-Strategien werden mitgeliefert.

Mein neuer Schatz – ein Datensatz
Das Gefühl bleibt auf der Strecke. Die vermeintlich so große Auswahl verleitet dazu, die Intuition bei der Partnerwahl hinten anzustellen und das Angebot nach pragmatischen Kriterien zu scannen. Zum Beispiel mit Hilfe ausgeklügelter Persönlichkeitstests. Diese gaukeln dem Nutzer vor, er könne dank simpler Programme, die die eingegebenen Daten verschiedener Menschen miteinander abgleichen, eine hohe Übereinstimmung erzielen.

Und natürlich kann man im Zweifelsfall immer noch ein paar andere „Artikel“ im Sortiment mit den gewünschten Merkmalen genauer unter die Lupe nehmen. Zu diesem Zweck werden sie zur weiteren Verwertung gewissermaßen buchhalterisch im Warenkorb abgespeichert und dann nach und nach abgearbeitet.

Erfolgreiche Vermittlung?

Können so genannte Matching-Vorschläge tatsächlich den Erfolg einer Beziehung vorhersagen? Wissenschaftliche Studien sagen eindeutig: Nein. Die Fragen sind teilweise willkürlich zusammengewürfelt, aus den Gemeinsamkeiten ergibt sich noch lange keine Prognose für das Gelingen einer Partnerschaft. Der „Erfolg“ lässt sich in diesem Kontext schwerlich messen - wann ist eine Beziehung erfolgreich? Etwa dann, wenn sie sechs Monate Bestand hat?

Die traurige Realität: bei den kommerziellen Partnerbörsen im Internet handelt es sich – so verrät eine ehemalige Betreiberin eines Online-Dating-Portals - in der Regel um ein so genanntes „Stammkundengeschäft“. Die Mehrzahl der Suchenden steht regelmäßig nach geraumer Zeit dem Markt wieder uneingeschränkt zur Verfügung. Internetbeziehungen haben ein Verfallsdatum – nach durchschnittlich nicht ganz einem Jahr ist Schluss.

Der Liebesmarkt - ein Milliardengeschäft
Nicht selten verbergen sich hinter den komplizierten Geschäftsbedingungen böse Abofallen – das Angebot wird einfach automatisch verlängert. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Kandidaten anschließend um ein etliche Hundert Euro ärmer und um viele merkwürdige Erfahrungen reicher sind, ist hoch. Jedenfalls sehr viel höher, als dort den Traumpartner zu treffen oder wenigstens einen Menschen, mit dem man sich gut versteht. Ausnahmen bestätigen die Regel.