Was Frauen wirklich denken: Ist Streit gut?
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Was Frauen wirklich denken: Ist Streit gut?

Sonja Bissbort
Beitrag von Sonja Bissbort

Ein ganz normaler Tag. Da ist der schwelende Streit mit dem Kollegen, der schon länger an unserem Stuhl sägt. Dann kommt man nach Hause und der Partner hat seine Socken und andere Utensilien einmal quer über die Wohnung verstreut und zeigt partout keine Lust, den Einkauf zu erledigen. Zu allem Überfluss ruft auch noch der Sohn an und erklär und ohne eine Widerrede zu dulden, dass er nächstes Wochenende nicht zum Familienfest kommen wird.

Manche Tage liefern wie von selbst Munition für Wortgefechte und knallende Wohnungstüren. Und eigentlich wollte jeder Harmonie und Frieden, am Arbeitsplatz wie erst recht zuhause.

Dabei streitet jeder auf eine andere Weise.

Frauen z.B. streiten, während Männer flüchten.


Eine Freundin sagte mal: "Ich streite nicht wirklich gerne, aber wenn ich es tue, ist es wie ein Elixier. Es reinigt die Luft, die zwischen mir und dem anderen brodelt, und dabei klären sich die Dinge oft sehr viel schneller. Ich hasse es, wenn sich mein Mann nach ein paar Sätzen in Schweigen hüllt. Er behauptet, er will Schlimmeres und Eskalationen vermeiden, aber sein Schweigen bringt mich damit erst richtig in Wut. Dann fallen mitunter Worte, die ich in einem Disput mit ihm nie gesagt hätte." "Flucht" vor einer konstruktiven Auseinandersetzung hat dabei sehr unterschiedliche Gesichter. Der eigene Mann knallt die Tür hinter sich oder schweigt einfach wortreich vor sich hin, ein Land baut eine Mauer.

Frederic Vester, der große alte Mann und Erfinder des vernetzten Denkens, hat über Streit und Eskalation einmal sehr weise gesagt, dass wir uns dabei hochschaukeln. Letztlich stellt uns diese Bewegung und Gegenbewegung irgendwann zwangsläufig vor die Entscheidung, den anderen zu töten oder nicht. Den anderen töten will in 99,9% der Streitsituationen niemand. Also muss man die Schaukelbewegung stoppen. Je früher man dies tut, desto leichter fällt es. Je später man sich dazu entschließt, desto mehr Energie muss man aufwenden, um die Schaukel und ihre Eigendynamik zu stoppen.

So betrachtet, ist Streit einfach das Überflüssigste auf der Welt.


Wir setzen eine Schaukel in Bewegung, im Grunde wissend, dass wir sie wieder stoppen müssen und auch stoppen werden. Ist es also das alte Sandkastenmachtgehabe um das schönste Sandförmchen? Ist es das Haust-du-mir-auf-den-Kopf-hau-ich-dir-zwei-Mal-auf-den-Kopf-Spiel? Kindern bringt man bei, ihre Sandkastenkriege friedlich zu lösen. Die meisten erwachsenen Menschen setzen später in Partnerschaftskonflikten auf Ruhe und Sachlichkeit.

Und Länder?


Hoffen wir, dass Russland und die Ukraine daran denken, dass hinter so genannten politischen Konflikten letztlich immer ein zwischenmenschlicher Konflikt steckt. Irgendwann müssen die beiden Länder wieder wie zwei erwachsene Menschen miteinander reden. Es sei denn, sie wollen sich gegenseitig tatsächlich vernichten. Das aber will in der Regel zumindest laut Frederic Vester niemand, kaum einer.

Vielleicht sollten wir die beiden Machthaber an das Bild mit der Schaukel erinnern? Und wie viel Energie verschwendet wird, sprich: Menschen sterben und Erde verbrennt, wenn sie sich nicht bald die Hand reichen, um endlich Frieden zu schließen. Irgendwann werden sie es sowieso tun.