Prostitution im Seniorenheim - das große Tabu
Prostitution im Seniorenheim - das große Tabu

Prostitution im Seniorenheim - das große Tabu

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Die schönste Nebensache der Welt wird für viele zum roten Tuch, wenn Prostitution im Spiel ist. Bei bezahltem Sex im Altersheim ist Gipfel der Entrüstung dann endgültig erreicht. Doch ist das Bedürfnis nach Nähe wirklich so abwegig?

Körperliche Liebe ist ein natürliches Bedürfnis und wie die Lust am Essen löst es sich mit dem Alter nicht einfach in Luft auf. Weder Krankheiten noch Behinderungen bremsen die Libido - auch wenn die alten Knochen schmerzen, die Geschlechtsorgane sind deswegen noch lange nicht tot.

Sehnsucht nach Berührung
Alle Menschen sehnen sich nach Zärtlichkeit und Intimität. Aber gerade Heimbewohner leiden häufig nicht nur an Einsamkeit, sondern auch an einem Mangel an Körperlichkeit und Nähe. Sie werden unruhig, sind frustriert und traurig. Dabei geht es nicht um bombastischen Sex oder wilde Orgien – sie sehnen sich schlicht nach Berührung und Streicheleinheiten.

Sexualität - in Heimen tabu
In Seniorenheimen wird das Thema Sexualität tot geschwiegen, obwohl die Probleme bekannt sind. Aber weil die Begehrlichkeiten nun einmal da sind und nicht befriedigt werden, entsteht ein weiteres großes Tabu: Pflegerinnen beklagen sich nicht selten über sexuelle Übergriffe und manchmal finden Heimbewohnerinnen sogar einen Überraschungsgast in ihrem Bett vor.

Alte Ferkel - perverse Gelüste?

Die sexuellen Bedürfnisse älterer Menschen werden oft als pervers und unangebracht abgetan, doch ist der Wunsch nach Intimität wirklich so abwegig? Selbst wenn er manchmal seltsame Blüten treibt, zum Beispiel bei Menschen, die an Demenz leiden und dabei zunehmend auch ihre Hemmungen verlieren. Sie werden dafür abgestraft wie kleine Kinder und ruhig gestellt. Ihre Bedürfnisse werden nicht ernst genommen.

Für Sex ist niemand zu alt
Die Frage, wie man mit den sexuellen Bedürfnissen von Heimbewohnern umgeht, stellen sich Pflegeeinrichtungen überhaupt erst in jüngster Zeit. Und siehe da - sie kommen zu einer wenig überraschenden Antwort: Auch Senioren dürfen ein selbstbestimmtes Sexleben haben!

Und natürlich dürfen sie dafür, wie eben auch bei der Physiotherapie oder beim Frisur, externe Dienstleister beauftragen, zum Beispiel so genannte „Sexualassistentinnen“, also Prostituierte, die sich auf ältere Menschen und solche mit körperlichen Einschränkungen spezialisiert haben.

Befremdlich für die eigenen Kinder
Gleichaltrige nehmen eher selten Anstoß daran. Sie drücken meistens beide Augen zu und vermerken den ungewöhnlichen Besuch eines Hausgenossen mitunter sogar eher neidvoll. Zumal sich viele nicht trauen, solche Dienste selbst in Anspruch zu nehmen. Frauen sind da ohnehin traditionell sehr viel zurückhaltender. Sie legen lieber selbst Hand an.

Es sind vielmehr die erwachsenen Kinder der Heimbewohner, die die Prostituierten mit Argwohn beäugen. Und sie lassen dabei oft nur allzu deutlich durchblicken, dass sie die Investition für reine Verschwendung halten – für eine überflüssige Ausgabe, die ihnen sozusagen vom Erbe abgezwackt wird.