Auch der Spätherbst hat sonnige Tage

Beitrag von wize.life-Nutzer

Vor kurzem sah ich zwei ältere Leute,ein Ehepaar offenbar.Sie gingen miteinander um,dass man das Gefühl hatte--so von weitem---die haben sich noch was zu sagen,die haben sich auch noch was zu geben.Da ist irgendwie noch eine freundliche Spannung drin,wo sich einer dem anderen gegenüber nicht gleichgültig verhält.
Beide waren jenseits der Siebzig.Und wieviel Vertrautheit und Einfühlungsvermögen schwang zwischen Ihnen!Es war,als ob ihre Ehe erst in diesen Jahren ihre Krönung erfährt.Einer brauchte jetzt den anderen erst recht.
Die großen Gesten,die pathetischen Schwüre,die leidenschaftlichen Umarmungen---in dieser Lebensphase sind sie abgelöst.An ihre Stelle sind die kleinen,oft sehr zarten Zeichen der Liebe,der Geduld,des Verstehens getreten.
Man kennt sich gut,kennt auch die Schwächen und weiß sich gegenseitig zu nehmen.Da braucht es oft gar nicht vieler Worte zwischen den Eheleuten.Die Jahrzente eines gemeinsamen Weges mit den vielen gemeinsamen durchgestanden Schwierigkeiten haben ein feines Gespür füreinander geschaffen.
Wenn man zwei nach Gründen ihres Glücks fragt,kann man verschiedene Antworten bekommen.Die einen sagen---ein wenig lustig--Auch der Spätherbst hat eben noch seine sonnigen Tage!Und sie lächeln dabei ein wenig in sich hinein,als wollten sie damit zeigen---Das eigentliche Geheimnis unseres Glücks verraten wir nicht.
Andere sagen es gerade heraus--Wir lieben uns eben immer noch!Und da mag sich nun jeder seinen Reim darauf machen.Mehr ist jedenfalls aus ihnen nicht herauszukriegen.Wie sollten sie auch zerreden,was ihnen selber oft wie ein Wunder ist,vor dem sie stehen ?
Manchmal freilich finden sie das,was sie sagen wollten in Gedichten wieder,wie z.B. in jenem von M.Claudius---
Ich war wohl klug,als ich dich fand.
Doch ich fand nichts,
Gott hat dich mir gegeben.
So segnet keine andere Hand---
Gesegnet---so würden sie vielleicht ihr gemeinsames Glück beschreiben.Dieses Glück,das sie bis in das Alter hinein begleitet hat.Und tatsächlich,wer so dran ist,den umgibt etwasHelles,Lichtes.
Th.Heuss ehem.Bundespräsident widmete zum 70.Geburtstag seiner Frau folgendes--
Wie im Nehmen,so im Geben
galt das schöne Gleichgewicht,
als Gesetz für unser Leben:
Einer war des andern Licht!
Gleiches Schreiten durch die Jahre,
schwärmend einst und heute stet-
Wirbelwind durch blonde Haare,
weicher Hauch durch weiße geht.
Frohe Stunden,stiller Trauer
festes Herz im Überschwang.
Und der Ewigkeiten Schauer,
wehn durch dieses Lebens Gang----

EINFACH SCHÖN!!!!!!!!!

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