Was Frauen wirklich denken: Warum gibt es keinen Führerschein fürs Kinderkri ...
Was Frauen wirklich denken: Warum gibt es keinen Führerschein fürs Kinderkriegen?Foto-Quelle: © valiza14 www.fotolia.de

Was Frauen wirklich denken: Warum gibt es keinen Führerschein fürs Kinderkriegen?

Sonja Bissbort
Beitrag von Sonja Bissbort

"Der Fall Bruckner" ist ein Film, der letzten Mittwoch einmal mehr ein Thema ins Bewusstsein rückte, was ab und zu für Schlagzeilen sorgt und dann wieder aus unserem Alltag verschwindet. Corinna Harfouch spielt eine Mitarbeiterin im Jugendamt, die keinen Dienst nach Schema F tut und dafür durchaus auch aneckt.

Der Autor des Films ist Leiter eines Berliner Kinderhauses und hat seine Erfahrungswelt in eine Geschichte übersetzt, die bewegt und unter die Haut geht. Auch wenn das Ende des Films versöhnlich-gut ist.

Im Alltag enden solche Geschichten oft dramatisch. Und traumatisch. Für Kinder.


Auch wenn man versucht sein könnte, den Film als Film abzutun, auch wenn wir Pressemeldungen als Schlagzeilen vergessen möchten: unser Alltag ist im Grunde voll davon. Wenn wir hinsehen und hinhören. Das übrigens ist auch eine wesentliche Botschaft des Films. Andere Jugendamtmitarbeiter, die nach Vorschriften handeln und nicht ihrer eigenen Erfahrung folgen, übersehen schnell Anzeichen und Signale, handeln zu spät oder gar nicht.

Eine Nachbarin kennt viele Kinderwahrheiten.


Eine Nachbarin von mir arbeitet ehrenamtlich in einer Kinderklinik. Da sie früher als Säuglingskrankenschwester tätig war, begleitet sie vielfach Kinder aus schwierigen Verhältnissen. Vornehm ausgedrückt.

Drogenabhängige Eltern lassen ihr Neugeborenes, das durch den Drogenmissbrauch schwer geschädigt ist und nie ein normales Leben wird führen können, auf der Station, ohne es zu besuchen. Es wird abgestellt, vergessen, entsorgt. So wie die beiden älteren Geschwisterlichen, die nun in Pflegefamilien aufwachsen.

Körperlich misshandelte Kinder jedweden Alters - so wie der kleine Joe im Film, der von seiner Mutter lange unentdeckt aufs Übelste geschunden wird und viele innere und schwere emotionale Verletzungen davon getragen hat - werden hier auf Station versorgt. Bis die äußeren Wunden verheilt sind. Dann geht es oft wieder zurück in ein Elternhaus, das keines ist.

Warum schauen so viele so oft weg?


Es ist nicht leicht, auf Kindesmisshandlung aufmerksam zu machen, sich für Kinder einzusetzen. Auch das zeigt der Film sehr authentisch auf. Die engagierte Jugendamtsmitarbeiterin gerät selbst schnell in die Schusslinie. Nicht nur die misshandelnde Mutter, eine erfolgreiche Architektin, und deren aalglatter Anwalt rücken ihr auf den Leib und bedrohen sie mit einem Prozess. Selbst in den eigenen Reihen des Jugendamts steht man nicht hinter ihr. Aus Angst vor der Presse, vor schlechten Schlagzeilen.

Vielleicht auch aus Angst vor Zivilcourage?


Ich frage mich, warum gibt es für alles Mögliche eine Prüfung: Wer Auto fahren will, muss einen Führerschein machen. Unternehmen werden nach allen möglichen Prüfverfahren zertifiziert, oft jeder einzelne Arbeitsvorgang. Die Brotverkäuferin greift Brot nur noch mit Handschuhen an. Und bei Menschen, die schwanger werden oder werden wollen? Die so viel falsch machen können und kleinen Menschen so viel Schlimmes zufügen können?

Was steht eigentlich höher - das Kindeswohl oder ein Recht auf individuelle Selbstbestimmung, das nicht von echter Verantwortung und Reife getragen wird?


Menschen, die sich in ihrer Freizeit um Kinder kümmern, müssen z.B. seit neuesten wenigstens ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Und Eltern?