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Eine Orientierungshilfe für die Wohnungsauflösung nach einem Todesfall in de ...
Eine Orientierungshilfe für die Wohnungsauflösung nach einem Todesfall in der FamilieFoto-Quelle: akf - Fotolia

Eine Orientierungshilfe für die Wohnungsauflösung nach einem Todesfall in der Familie

Service Tipp
Beitrag von Service Tipp

Mein Name ist Peter Kentsch und ich verfasse diesen Beitrag, weil ich anderen Personen in einer ähnlichen Lage eine Orientierungshilfe bieten möchte. Unser geliebter Vater ist vor kurzem verstorben. Sein Tod kam unerwartet und da er bereits verwitwet war, kümmern meine Frau und ich uns nun um die Auflösung seiner Wohnung. Welche Erfahrungen wir diesbezüglich gemacht haben und worauf bei einer Wohnungsauflösung nach einem Todesfall in der Familie meiner Meinung nach zu achten ist, möchte ich nun schildern.

In der Zeit der Trauer hat keiner Nerven für organisatorische Belange


Die wenigsten Menschen haben im Fall des plötzlichen Todes eines Familienmitglieds die Nerven und die Kraft sich um organisatorische Belange, wie die Auflösung eines Haushaltes, zu kümmern. Der Schock sitzt zu tief und um den Verlust zu verkraften, braucht es Zeit. Dennoch sind die nächsten Verwandten gefragt, soll die Wohnungsauflösung bestmöglich über die Bühne gebracht werden. Die Organisation der Bestattung möchte ich an dieser Stelle ausklammern, da in diesem Fall ein Bestatter eine große Stütze sein kann und möchte mich hier mich voll und ganz auf die Auflösung des Haushaltes konzentrieren.

Die Planung der Wohnungsauflösung nach dem Todesfall


Unser Vater verstirbt an einem Dienstagabend, nachdem er, wegen eines Schlaganfalls, ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Als erstes informiere ich meine Schwester und meinen Schwager über den Trauerfall. Der Schock sitzt tief und gerade ich kann in diesem Moment nicht daran denken, wie es nun weiter gehen soll. Meine Frau schmerzt der Verlust ebenso, dennoch war sie schon immer das Organisationstalent der Familie. Da unsere Mutter schon vor fünf Jahren von uns ging, lebte unser Vater die letzten Jahre allein. Wir wollen die kleine Mietwohnung nicht übernehmen, das war schon vorher klar. Meine Frau regt also an, dass wir uns baldmöglichst um die Kündigung des Mietvertrages und die Auflösung des Haushaltes kümmern müssen. Unser Vater hat kein Testament hinterlassen. Damit die rechtlichen Belange direkt von Anfang an geklärt sind, einigen wir uns innerhalb der Familie darauf, dass meine Frau und ich einen Erbschein beantragen. Die Zweifel meiner Frau, dies würde unnötig viel Geld kosten, kann ich zum Glück aus der Welt schaffen. Mein Vater hat uns nicht allzu viel hinterlassen und im Ratgeber von Ergo.de erfahren wir, dass ein Erbschein bei Erbschaften bis zu 20.000 Euro nur mit 72 Euro zu Buche schlägt. Wir einigen uns darauf, dass meine Frau und ich den Erbschein beantragen und uns anschließend um alle rechtlichen Formalitäten kümmern. Meine Schwester und mein Schwager wohnen 500 Kilometer entfernt, weshalb wir sie damit nicht belasten wollen.

Die Kündigung des Mietvertrages und die Organisation der Wohnungsauflösung


Direkt am folgenden Tag setzen wir uns mit dem Vermieter der Wohnung in Verbindung. Natürlich kann er auf die dreimonatige Kündigungsfrist bestehen und weiter Miete von uns fordern. Doch er kannte meinen Vater und ist von seinem Tod ebenfalls betroffen. Uns Hinterbliebenen zu Liebe verzichtet er auf weitere Mietzahlungen, sofern wir die Wohnung innerhalb von zwei Wochen räumen und renovieren, sodass er neu vermieten kann. In welchem Zustand genau die Wohnung übergeben werden muss, erfahren wir in einem informativen Artikel der Süddeutschen Zeitung.
Wie viele ältere Menschen, hat auch mein Vater im Laufe der Zeit einiges an Hausrat zusammengetragen. Wir besichtigen die Wohnung und einigen uns schnell darauf, dass ein professionelles Entrümpelungsteam beauftragen. Online vergleichen wir Preise und lesen Bewertungen und entscheiden uns schließlich für einen vertrauenswürdig wirkenden lokalen Anbieter. In zahlreichen Foren lesen wir, dass es ratsam ist, vor der Entrümpelung die Immobilie zusammen mit dem Anbieter zu besichtigen und einen Pauschalpreis zu vereinbaren. So laufen wir nicht Gefahr am Ende mehr zahlen zu müssen, als erwartet.

Die Suche nach persönlichen Erinnerungsstücken


Einige Tage vor dem Entrümpelungstermin gehen meine Frau und ich zusammen in die Wohnung meines Vaters und sehen uns intensiv nach persönlichen Gegenständen um, die behalten werden sollen. Alte Fotoalben und kostbare Erinnerungsstücke sollen schließlich nicht dem Entrümpelungsteam zum Opfer fallen. Zudem entscheiden wir uns zwei antike Kommoden mitzunehmen und die alte Kleidung meines Vaters der Altkleidersammlung zu spenden. Auch nach verstecktem Geld suchen wir die Wohnung ab. Zwar hat mein Vater nie etwas von verborgenen Reichtümern gesagt, aber als mir meine Frau erzählt, ihre Großmutter habe 10.000 Euro in ihrer Matratze versteckt und fast hätten sie diese damals einfach auf den Sperrmüll geworfen, bin ich doch alarmiert. Bis auf ein paar Scheine in einer alten Bibel finden wir jedoch nichts.
Meine Schwester hat die Idee, die Kosten für die anstehende Renovierung wieder hereinzuholen, indem wir vor der Entrümpelung eine Annonce für eine Haushaltsauflösung in die Zeitung setzen. Mir ist zwar etwas unwohl bei dem Gedanken, dass sich wildfremde Menschen durch die Hinterlassenschaften meines Vaters wühlen, aber ich gebe schließlich nach. Zum angegebenen Termin erscheinen wirklich einige Leute und sogar Bekannte aus der Nachbarschaft. Meine Frau übernimmt die Verhandlungen, weil ich mich wirklich unwohl dabei fühle, ein Preisschild an die Erbstücke meines Vaters zu hängen. Bilderrahmen, alte Polstermöbel und Küchengeräte stoßen auf besonders viel Anklang. Am Ende des Tages kommen so 234 Euro zusätzlich in die Haushaltskasse, die wir für die Renovierung nutzen wollen.

Der Tag der Entrümpelung und die Renovierung


Nun ist der Tag der Entrümpelung gekommen. Meine Frau und ich warten schon früh auf das Entrümpelungsteam, welches glücklicherweise pünktlich anrückt. Nach zwei Stunden ist der ganze Spuk auch schon vorbei und wir stehen in einer vollkommen leeren Wohnung mit kahlen Wänden – ein komisches Gefühl. Doch Zeit zum Durchatmen bleibt leider keine. Schon sind wir wieder auf dem Weg zum Baumarkt, um weiße Farbe, Fugenkitt und Co zu besorgen. Glücklicherweise erklärt sich der Sohn einer Nachbarin bereit uns für ein wenig Taschengeld beim Streichen zu helfen. So sind wir nach zwei Tagen Arbeit fertig und können die frisch renovierte Wohnung an den Vermieter übergeben.

Das Fazit


Letztendlich sind wir mit unserer Vorgehensweise recht zufrieden. Ich muss jedoch anmerken, dass die Organisation der Wohnungsauflösung und das anschließende Renovieren viel Kraft gekostet haben. Wäre meine Frau nicht gewesen, hätte ich wahrscheinlich nicht so konsequent und gut durchdacht gehandelt. Doch ich bin froh, alles so zeitnah organisiert zu haben. Vor allem über die Erinnerungsstücke, welche ich vor der Entrümpelung noch aus der Wohnung geschafft habe, freue ich mich sehr. Auf diese Weise ist unser Vater auch weiterhin immer bei uns.
Allen, die gerade mit solch einem schwere Verlust zu kämpfen haben, kann ich nur raten, selbst einzuschätzen, wie viel zusätzliche Belastung sie sich zutrauen. Im Zweifelsfall sollte immer professionelle Unterstützung angefordert werden. Lediglich auf die Sicherung von Stücken mit Erinnerungswert würde ich vor der Wohnungsauflösung unter keinen Umständen verzichten.

Über den Autor: Peter Kentsch ist 48 Jahre alt und von Beruf Kfz-Mechaniker. Seine Frau und er leben in Gütersloh.