Ulrich Schaffer: Meditationen über die Liebe und Ehe

Beitrag von wize.life-Nutzer

Eigentlich ist es mehr mein Lieblingsautor als ein Lieblingsbuch. Für diesen Beitrag habe ich das Buch mit dem Titel "wachsende Liebe" heraus gesucht. Es ist schon etwas älter und ein wenig zerfleddert, aber seine Texte haben m.E. noch heute ihre Gültigkeit.
Er beleuchtet in seinem Buch drei Arten einer Ehe. Zum einen die traditionelle,konservative Ehe, in der die Rollen und Pflichten klar festliegen. In der zweiten Art der Ehe ist alles offen und erlaubt.Beide Partner geben einander volle Freiheit nach Belieben zu handeln. Es gibt keine festgefahrenen Rollen, aber es gibt auch keine echte, tiefe Entscheidung zum anderen hin. Die dritte Ehe ist schwieriger zu definieren und steht auch im Fokus dieses Buches. Es gibt in ihr keine Rollen, aber doch gibt es tiefe, bindende Entscheidungen zueinander.Das Zeichen dieser Ehe ist eine enge Zusammengehörigkeit von Freude und Schmerz, weil im vollem Erleben des Partners immer Begeisterung und Enttäuschung, Glücksgefühl und Trauer eng beieinander liegen. In dieser Ehe ist Raum für die ganze Skala der Gefühle, Das Buch ist kein Handbuch zur Ehe, sondern mehr eine Einladung mitzudenken...
Nachfolgend ein paar Textauszüge:

schwere stille

wir sind durch eine schwere stille getrennt
die wir nicht überwinden können
auch schaffen wir es nicht
über unseren eigenen schatten zu springen
beginnen zu brüten
und einander mit negativen gedanken zu beschweren

ich will ausbrechen aus diesem dreh
aus diesem sog nach unten
ich will das erste verbinden wort sagen
und die erste bewegung zu dir hin machen
und unseren dialog wieder eröffnen
ich hoffe auf eine antwort von dir
und auch wenn sie nicht kommt
will ich weiter offen bleiben
bereit sein für deine teilnahme
aber ohne druck auf dich auszuüben


anerkennung

fast jeden tag muss ich lernen
daß die anerkennung die du mir geben kannst
nie ein echtes selbstwertgefühl ersetzen kann
daß mein gefühl unzureichend zu sein
nie durch deine freundlichen worte
behoben werden kann
daß das schuldgefühl das ich mit mir trage
mir nicht genommen wird
durch deine ermunterungen

wenn ich meine sicherheit bei dir suche
und wenn ich meinen wert und meine identität
von deiner anerkennung abhängig mache
mach ich mich zu einem anhängsel von dir
und entwürdige dich und mich und unser verhältnis
weil wir zu dingen werden
die besessen werden und besitzen
dann sind wir nicht mehr menschen
die ihre eigenen entscheidungen treffen

ich mache dich nämlich dann verantwortlich
für etwas was nur ich tun kann
ich beschwere dich
durch meine schuldgefühle
und gefühle der unzulänglichkeit
nur damit ich sie nicht voll tragen muss

Lust auf mehr?
ISBN3-7893-7076-2

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