Abschiede
AbschiedeFoto-Quelle: Monika Oumard/www. pixelio.de

Abschiede

Beitrag von wize.life-Nutzer

Der erste Abschied, der mir so richtig bewusst wurde, ist schon viele Jahre her. Er fand auf einem kleinen Bahnhof statt. Es war der Ort, an dem ich meine großen Ferien verbrachte, bei Onkel und Tante. Damals flossen viele Tränen, angesichts der Tatsache, dass ich 365 Tage warten musste, ein ganzes langes Jahr, bevor ich wieder hierher zurückkehren konnte, an den Ort, an dem ich die glücklichste Zeit meiner Kindheit verbrachte. Auch bei all den späteren, so zahlreichen Abschieden, hatte ich immer noch das Bild dieses kleinen Bahnhofes in meinen Gedanken, ein Bahnhof, wie auf einer alten Fotografie, vergilbt und in schwarz-weiß.

Manchmal zaubert die Erinnerung an einen glücklichen Moment ein kleines, flüchtiges Lächeln auf meine Lippen. Im Herzen kann ich ihn bewahren, diesen Moment des Glücks, auch wenn er im Jetzt nur noch Erinnerung ist. Wie oft kommt es vor, dass man sich auch an unglückliche Tage erinnert und nicht selten tropft eine Spur aus salzigem Nass über unsere Wangen, denkt man an damals. Doch all diese Momente hatten eins gemeinsam, sie endeten immer in einem Abschied.

Einige Dinge bewahre ich auf, in einer kleinen, hölzernen Truhe...Schätze aus einem vergangenem Leben. Die dunkelrote Rose, Relikt einer Liebe, die den Widrgkeiten des Lebens nicht standhielt. Ein kleiner Kinderschuh erinnert mich an die ersten Gehversuche meines ältesten Sohnes, einige Zeitungsausschnitte an die Fußballerfolge meines Jüngsten. Das Sterbebildchen daneben erzählt von meiner besten Freundin, die mit 18 Jahren einen Autounfall erlitt und schon so früh sterben musste. Die zwei glatten, selten geformten Kieselsteine erinnern mich an meine frühe Kindheit. Es gab nichts Schöneres für mich, als auf dem Bauch in der Sonne zu liegen und mit den Steinchen zu spielen. Jedes dieser Dinge erzählt vom kleinen oder großen Abschied.

So oft im Leben geht es ans Abschiednehmen. Man muss liebgewordene Dinge oder Menschen loslassen, auch wenn es schmerzt. Es ist der Lauf der Zeit und unvermeidbar, denn die Zeit bleibt niemals stehen, verändert sich unaufhörlich. So viele Abschiede hinterlassen Spuren in unserem Herzen und einige leider auch Wunden, die nie ganz verheilen. Abschiede gehören zum Leben, wie der Tod. In unserer Erinnerung jedoch, können wir all das bewahren, was uns wichtig erscheint, vielleicht auch in der Hoffnung, dass sich bei allem Vergänglichen immer wieder neue Wege für uns auftun, um zu wachsen und zu lernen.

Foto: Monika Oumard/www. pixelio.de