Schläge in der Erziehung
Schläge in der Erziehung

Erziehungsmethoden im Wandel der Zeit: gestern hart und unnachgiebig - heute überbehütet

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Noch in den 50ern war das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern streng hierarchisch und autoritär. Um die Bedürfnisse der Kinder scherte man sich wenig. Gehorsam war eine Selbstverständlichkeit. Die Kinder hatten sich den Regeln unterzuordnen und davon gab es jede Menge - geschriebene, aber auch viele ungeschriebene Gesetze, die hauptsächlich durch das Umfeld und die Religion diktiert wurden.

Es gab Dinge, die man tat und solche, die man nicht tat – ob es nun Sinn machte oder nicht. Aber vor allem durfte man diese Regeln - wie unsinnig sie auch immer waren - keinesfalls in Frage stellen.

„Ohne Strenge wird kein Kind groß“
Andernfalls bekam man die Konsequenzen unmittelbar zu spüren – nicht selten am eigenen Leib. Auflehnung gegen die Gebote der Erwachsenen wurde nicht geduldet und hart bestraft. In einem Erziehungsratgeber aus den 50ern steht geschrieben:

„ Es gibt aber entschieden auch etwas derbere Naturen, die die Überlegenheit ihres Erziehers nur dann anerkennen, wenn sie sie auch einmal körperlich zu spüren bekommen.“

Prügel und Demütigungen
Die Prügelstrafe an deutschen Schulen wurde erst 1973 verboten – in Bayern sogar erst 1980. Zu Hause änderte sich zunächst wenig. In vielen Familien waren Schläge nach wie vor an der Tagesordnung. Auch wenn viel über gewaltfreie Erziehung geredet wurde - ein offizielles Züchtigungsverbot ließ bis ins Jahr 2000 auf sich warten. Und neben Schlägen gab es eine ganze Reihe psychischer Grausamkeiten, mit denen Kinder für ihre Missetaten abgestraft wurden: Liebesentzug, Ausschließen aus der Gemeinschaft, Isolation. Am empfindlichsten trafen dabei oft jene Strafen, die mit Herabsetzung und Demütigung verbunden waren, zum Beispiel wenn man als Kind vor der gesamten Klasse als dumm oder minderwertig hingestellt wurde.

Antiautoritäres Erziehungs-Chaos

Der antiautoritäre Erziehungsstil in den 70ern folgte fast zwangsläufig als Reaktion auf die unnachgiebige Härte, die viele Eltern in ihrer eigenen Kindheit erlebt hatten. Doch die Idee dahinter wurde häufig vollkommen falsch verstanden: Die Kinder erzogen sich nun gewissermaßen selbst – oder eben auch nicht. Das „Nein“ wurde aus dem Vokabular gestrichen und natürlich entscheiden Kinder, die sich selbst überlassen werden, hauptsächlich nach dem Lustprinzip. Man ließ die kleinen Egoisten einfach gewähren - zum Leidwesen ihrer Mitmenschen, die sich sämtliche Launen und Unartigkeiten gefallen lassen mussten, weil den Kindern nun gar keine Grenzen mehr gesetzt wurden.

Überfordert durch Überförderung
Heute beginnen viele Eltern gleich nach der Geburt mit der Karriereplanung. Das Kind muss vom ersten Tag an so gut wie möglich gefördert werden. Es macht als Baby schon Gymnastik, die musikalische Früherziehung kann nicht früh genug beginnen und über die richtige Schule wird bereits entschieden, bevor das Kind überhaupt sprechen kann. Es soll ja im harten Konkurrenzkampf da draußen möglichst erfolgreich sein.

Die Kinder werden regelrecht überbehütet von überbesorgten Eltern, die immer nur das Beste für sie wollen. Doch gut gemeint verkehrt sich wie so oft ins Gegenteil: durch die extreme Fürsorge werden die Kinder eher unsicher und unselbständig.