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Kubanische Frau beim Zigarre-Rauchen
Kubanische Frau beim Zigarre-RauchenFoto-Quelle: gemeinfrei

Was Frauen wirklich denken: Wohin mit mir im Alter?

Von Sonja Bissbort - Montag, 06.10.2014 - 08:26 Uhr

Pflegeheim, Altenheim, Seniorresidenz, Wohngemeinschaft, Einsamkeit? Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und einer Gesellschaft, die zunehmend singularisiert. Rund 16 Millionen Singles gibt es mittlerweile in Deutschland. Es scheint, wir werden zu einem Volk der Singles.

Das Familienmodell ist aufgebrochen: Waren früher die "Alten" in ihre Familie mehr oder weniger direkt integriert, so geraten sie heute mehr und mehr an den Rand der Gesellschaft. Alter grenzt sozusagen aus, macht einsam, als wäre man überflüssig. In manchen Ländern mehr, in anderen weniger.

Meine Urgroßmutter lebte lange Jahre in meiner Familie. Meine Großmutter wurde von meiner Mutter gepflegt.


Beide - Urgroßmutter und Großmutter - waren Teil meiner Kindheit, so selbstverständlich da wie meine Mutter, mein Vater, mein Bruder. Ich habe viele schöne Erinnerungen an die beiden. Wie wir zusammen im Garten Radieschen ernteten, Salat pflanzten, Kirschen pflückten. Wie wir Betten machten und Essen kochten.

Sonntag nachmittags war Spieltag. Da saßen alle um den großen Esstisch und wir spielten Mensch-ärger-dich-nicht oder Mau-Mau. Solange mein Großvater lebte, war er natürlich ebenfalls dabei. Auch die Großeltern väterlicherseits gehörten irgendwie dazu, auch wenn sie mehr für sich unternahmen.

Ebenso selbstverständlich war es, als Alter, Krankheit und Sterben kam, dass sie in der Familie umsorgt wurden, aufgehoben waren. Krankenhausaufenthalte waren die Ausnahme. Eine Heimlösung? Das wäre keinem in den Sinn gekommen.

Alter war Teil des Lebens. Die Zeiten waren andere.


Man lebte in der Nähe. Räumlich und wohl auch menschlich. In einem Gefüge von gegenseitigem Nehmen und Geben. Über die Generationen hinweg und ohne Vertrag. Die Kinder lernten von den "Alten" und die "Alten" lebten mit den Jungen, waren immer auch ein wenig die Puffer gegen die erziehenden Eltern. Da fand man als Kind Rückhalt für verwegene Ideen oder wenn man etwas ausgefressen hatte oder keine Lust auf Schulaufgaben hatte.

Ich habe keine Kinder.


Ich habe Patenkinder und Stiefsöhne, ich habe Freunde, nahe und sehr liebe, ich kenne viele Menschen und habe nette Nachbarn. Und doch - wie lebt man als Single im Alter? Wie wird das werden, wenn man nicht mehr so kann, wenn man Hilfe braucht, wenn die tägliche Arbeit wie Essenkochen oder Bettenmachen schwer fällt?

Wie ich dann leben möchte, weiß ich noch nicht. Es ist ja hoffentlich noch viel Zeit. Ein Platz im Heim ist nicht in meiner Vorstellung. Dazu war ich immer zu unabhängig und selbständig. Eine WG mit jüngeren, älteren und gleichaltrigen käme mir schon eher entgegen.

Am liebsten wäre es mir, so alt zu werden und auch zu sterben wie meine Freundin Margot.

Sie war Mitte 80 und ich Mitte 30, als wir uns kennen lernten. Nach dem Tod ihres Mannes lebte sie über 30 Jahre allein, reiste, unterhielt ihr Haus, nahm interessiert am Leben teil, war politisch offen, neuen Ideen und der Welt gegenüber aufgeschlossen. Sie sah mit großem Vergnügen Sportsendungen. Sie hatte keine Kinder, "nur" Neffen und Nichten. Eine Nichte fand sie eines Morgens. Die alte Dame saß in ihrem Fernsehsessel, der Fernseher lief noch. Sie war sehr friedlich mit einem Lächeln im Gesicht eingeschlafen. Zwei Wochen vor ihrem Tod hatte sie mir zu meinem Geburtstag gratuliert und gesagt, als hätte sie etwas geahnt:

"Lebe jeden Tag sehr bewusst. Ich habe das nicht immer getan. Ich habe mir vieles nicht erlaubt und dachte, zuerst komme die Pflicht."

23 Kommentare

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wenn man seit fast 50 jahren verheiratet ist wie ich dann sollte sex wohl tabu sein
Warum das denn Marion
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Ja gibt es
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Mir gefällt die Frau auf dem Foto auch !!
Ich denke : Nach jahrelangen Zwängen und Gängeleien, macht sie im Alter genau das - was sie will : Sie protestiert äußerlich ....
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Ich finde dieses Foto (Kubanerin) toll... ich weiß nicht, ob sich diese Frau wohl fühlt, aber es zeigt wenigstens mal ein anderes Modell, nicht grau gekleidet über einem Rollator gebeugt.

Ich habe auch 2 erwachsene Kinder. Aber jetzt schon sind die jeweiligen Schwiegereltern dominanter und präsenter. Das ist auch in Ordnung für mich. Allerdings mache ich mir schon Gedanken darüber, wie es ist, wenn ich nicht mehr alleine leben kann. Auf meine Kinder zähle ich da nicht wirklich (wie so manch andere hier)

Alten WG generell ja. Aber mal ehrlich, wer will schon seine Wohnung aufgeben, solange es noch geht. Da müssten schon gute Freunde einziehen, oder Menschen die einen begeistern. Aber wird es sowas geben?

Meine Mutter (78) wird grundsätzlich giftig, wenn es um den Umzug ins Seniorenheim geht... ehrlich? versteh ich auch.

Also gibt´s hier gute Ideen, wie und ab wann man vorplanen kann?
Sonja Bissbort
Ja, das Bild macht Mut, anders alt zu werden. Lebe tollkühn, habe ich mal gelesen, vielleicht können wir auch so altern? Ein lila Hütchen aufsetzen und Tarantella tanzen - das tun z.B. die Eltern meiner italienischen Freunde und deren Freunde, wenn auf Sizilien uns festa ist. Da werfen über 80jährige ihre Krücken bzw. Gehstöcke weg und dann wird getanzt und das Leben gefeiert. Ich habe dies nicht aus Erzählungen, sondern selbst erlebt.
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Eine Senioren-WG halte ich auch für mich möglich, da ich nicht weiß, ob ich im hohen Alter noch Partner bzw. Familienangehörige haben werde. In der WG hat jeder sein Zimmer, um sich zurückzuziehen und kann am gemeinsamen Leben teilnehmen, wenn er will, ist also niemals allein im Falle eines Falles
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Ja, die gute alte Zeit. Da lebten die Großfamilien noch beieinander und für gewöhnlich blieb ein Kind im Haus und übernahm die Pflege falls es nötig war. So geschehen in unserer Familie, doch jetzt leben die Kinder weit weg und müssen selber noch arbeiten um ihre kinder zu versorgen. Da bleibt nur das Altersheim, im besten Fall das betreute Wohnen. Sicher hoffe ich noch lange in meiner Wohnung bleiben zu können, aber innerlich kann ich mich damit abfinden, falls es soweit ist.
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Wohin im Alter, wenn man 'nicht mehr so kann'? Für mich ist das Altersheim keine Option, weil ich weiß, wie es dort zugeht, im allgemeinen. Ich weiß natürlich, dass es auch wirklich gute Heime gibt, die hinreichend Mitarbeiter aufweisen können, damit gute Versorgung gewährleistet ist.
Warum aber ist die Entwicklung Richtung Singledasein stark? Sind es Bindungsängste, oder Opositon gegen verstaubte Lebensformen? Taugt die Blut-Familie nichts ist die Wahlfamilie besser? Vielleicht sind das Fragen, die man sich selber einmal stellen muss, um zu sehen, wohin die Reise geht. Was ist mein Ziel? Was will ich bewerkstelligen? Fakt ist, dass mit meinem Handeln auch eine Konsquenz verbunden ist. Auf diese Art und Weise kann ich ein gutes Stück weit, wenn nicht sogar ganz, auch meine Zukunft bestimmen.
Ich denke, dass ich im Notfall (Krankheit) alle Hilfe, die ich dann benötige, erhalten werde. Aber meine Gedanken richten sich auf Gesundheit, Wachheit, lebendiges Leben.
Das mit dem Krankenhaus stimmt so nicht ganz. Das hat vor allem rechtliche Hintergründe. Der Hausarzt wird sofort verständigt, wenn z.B. der Bewohner gestürtzt ist. Eigentlich muss er kommen und ihn untersuchen. Nun hat der Arzt aber in den wenigsten Fällen Zeit. Es wird besprochen zwischen ihm und der Fachkraft, in wie weit die Verletzung oder ob überhaupt eine sichtbare Verletzung vorhanden ist. Ist die Bewegung eingeschränkt, hat er Schmerzen, wie ist der Bewusstseinszustand usw. Selbst in seiner Praxis kann der Hausarzt oft nciht hinreichend untersuchen. Also muss der Bew. ins Krankenhaus. Wenn das versäumt wird, ist das höchst ungünstig.
Liebe Renate, klingt leider nicht gerade menschlich, sondern nach einem "Fall Bewohner", hm, keine guten Aussichten.
So sit es aber. Das ist die Realität. Es sit eine Unterlassung, wenn der Hausarzt nicht informiert wird. Die Angehörigen müssen im übirgen auch sofort informiert werden. Im Grunde ist so gut wie jeder Schritt der Pflege rechtlich unterlegt. Die eigene Entscheidung einer Pflegekraft ist so gut wie nicht gefragt.
Wenn sich z.B. ein Bewohner oder auch Patient mit einem Rasierer schneidet, die Wunde blutet und Du klebst ein Pflaster darauf, muss Du das dokomentieren. Jetzt habe ich bereits einen Fehler gemacht! Entweder habe ich die Wunde tatsächlich ncht desinfiziert, oder ich habe es nciht dokomentiert. Was nicht dokomentiert wurde, sit nicht geschehen. Pech für mich, wenn sich nun die Wunde infiziert... Ich habe keinen Nachweis, dass ich alles richtig gemacht habe. Achso, der Hausarzt ist auch hier zu informieren, damit er im Nachhinein sein Einverständis und zwar schriftlich gibt, dass ich ahbe so handeln dürfen.
Nein, Spaß macht derartiges Arbeiten nicht!
Wow .....
Ja, so ist das. Aber, auf der anderen Seite stehen u.U. vor allem Angehörige, die ihre Leute ut versorgt wissen wollen, das zu Recht. Und es gibt, glaube im Durchschnitt 7000 Prozesse jählich, in denen Heime wg. mangelnder Pflege angeklagt werden. Es ist und bleibt eine Gradwanderung.
Das ist aber eine traurige Bilanz, die man ziehen muss, -
Wo steht das noch mal : Die Würde des Menschen ...blablabla ... mir wird richtig schlecht ...
Ein großes und weites Thema, Vera! Die Pflegekräfte, die allermeist ihr Bestes geben -Zeit und Gesundheit- stehen leider ganz oft auf verlorenem Posten.
Hut ab vor den Pflegekräften !!
Wenn diese eine bessere Bezahlung erhielten, brauchte man sich auch keine Sorgen um den Nachwuchs in dieser Richtung zu machen ...
Bessere Bezahlung, mehr Kollegen und Einhaltung des Arbeitszeitgestzes. Und noch einiges mehr, Vera. Das kann dauern!
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da gibt es sicherlich gute Möglichkeiten, sofern man nur ein "wenig" Hilfe braucht, und für den schwierigen Fall, gibts auch gute Einrichtungen, aber das ist für den Normalo, ja kaum zu bezahlen. Ich finde es schrecklich, das gerade im Umgang mit Menschen, soviel gespart wird, soviel verlangt, und die Menschen die dort arbeiten, unterbezahlt sind.Egal ob Pflegeheim für Alte Menschen, oder Behinderte...aber zum Glück gibt es da noch viele ehrenamtliche, die lockern das ganze ein wenig auf.
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liebe sonja , wenn du wirklich im alter auf hilfe angewiesen bist und zwar mehr als die stunde am tag , die ein Pflegedienst leisten kann , bist du nirgendwo freier als in einem heim : du zahlst und die leisten ! kein bitten und keine angst vor dem bitten , sondern eine klare regelung ! du bist auch angstfreier und das ist schon die halbe miete ! guck sie dir an , diese modernen heime , sie haben hotelcharakter ! wenn es dir mühe macht , vom wohnzimmer in die küche zu laufen , reicht dir auch das eine zimmer und du kannst leute treffen und die pfleger sind in der grossen mehrheit nett !
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liebe sonja, es berührt mich sehr, dein erzählen.

die gute alte zeit.
ja, da verlief manches anders und doch scheint ja der mensch auch den wunsch gehabt zu haben sich aller familienfesseln zu entbinden.
sonst gäbe es nicht so viele singles.
sie werden auch ihr alter anders gestalten, als es bisher üblich war.
viele beginnen schon mit anderen lebensmodellen, zb. wohngemeinschaften, andere modelle werden folgen.
doch wirkliche versorgung bei gebrechlichkeit dürfte nur möglich sein in entsprechenden einrichtungen. keine familie oder ersatzfamiie könnte eine solche pflege mehr leisten, was ja in der hauptsache mit der berufstätigkeit der frau zu tun hat. welche frau kann es sich leisten ihre berufstätigkeit einzustellen, um ihre eltern zu pflegen? von den männern ganz zu schweigen.

in den alten-wg`s denkt man über gemeinsame pflegedienste nach, ich las mal davon. das ist möglicherweise dann auch für einige finanzierbar, die es sonst nicht könnten.
aber auch die einrichtungen, in denen alte menschen betreut und gepflegt werden sind nicht durchgehend zu verachten. ich hörte da auch schon viel positives.
besonders angenehm finde ich den gedanken trotzdem nicht mal dort zu sein, aber vielleicht ändert man ja auch seine einstellung mit den jahren.
Sonja Bissbort
Ja, da hast Du sicher recht. Es war nicht alles nur gut, was früher war. Und wir leben heute und nicht gestern. Ich frage mich nur, wenn wir für alles zahlen müssen, wenn wir mal nicht mehr aus eigener Kraft können, können wir das dann noch bezahlen? Schon heute explodieren die Pflege- und Heimkosten. Und das Alter wird wie so vieles andere zum Geschäft. Nehmen wir nur die Gesundheit(skorten). Sie treiben so manche Stilblüte. Keine andre Nation ist so "krank" und schluckt so viele Medikamente wie die Deutschen und keine andre Nation hat einen so hohen Gesundheitsetat. Und nirgendwo sonst verdienen die Pharmariesen so viel Geld. Tja, es ist wohl wie mit allen Dingen im Leben: die richtige Balance wäre es. Nicht alles Alte weg, nicht alles Neue her )
LG an Dich und vielen Dank für Deinen anregenden Kommentar
Sonja
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