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Wehrlos

Von wize.life-Nutzer - Montag, 06.10.2014 - 21:42 Uhr

Er hatte völlig den Boden unter den Füßen verloren. Sein Leben schien sich gerade von einer Sekunde in die andere in einen Scherbenhaufen zu verwandeln – Haus, Familie, Ehe … alles kaputt!
Thomas war fremdgegangen. Und nun saß Beate ihm gegenüber, schaute ihn ernst an und fragte: „Warum?“
Er konnte ihr keine Antwort geben, schien fast paralysiert, weil ihm mit der Frage und ihrem Blick klar wurde, welche Konsequenzen er zu tragen hätte. Er sah es ihr an. Sie schien plötzlich auf einer „anderen Seite“ zu stehen, ganz weit weg von ihm.
Beate sagte eine Zeit lang nichts, schaute ihn dann noch einmal fest an, erhob sich, verließ das Zimmer und schloss leise die Tür.
Totenstill war’s im Raum, und doch dröhnte es in seinem Kopf so laut, dass er zu zerspringen schien. Wie taub saß er da, entsetzt, und nur langsam fand er sich wieder. Es dauerte lange, bis er sich erheben konnte, um sich ein Glas Wasser aus der Küche zu holen.
Beate stand am Küchenfenster, schaute hinaus. Thomas nahm ein Glas aus dem Schrank – und hatte schon vergessen, was er damit wollte. Ratlos stand er da und schaute sie an, ohne auch nur einen Schritt auf sie zugehen zu können.
„Warum?“, fragte sie wieder, von ihm abgewandt.
„Ich muss es dir mit ‚Angst‘ erklären …“, begann er leise einen Kopfsprung in sein Innerstes.
„Angst? Wovor?“
„Angst vor dir.“
„Angst vor mir? – Erklär‘ mir das.“
„Ich hab‘ Angst vor dir, weil ich dich zu sehr liebe.“
Sie drehte sich um und schaute ihn ernst an. „Weil du mich zu sehr liebst?“
„Es war einfacher mit ‚ihr‘, so unkompliziert. Ich konnte mich fallen lassen, ohne nachzudenken.“
„Und das geht nicht mit mir?“
„Doch ... Nein … Ich schaff’s einfach nicht. Und das hab‘ ich nicht gewusst …“
„Warum schaffst du’s nicht?“
„Weil ich dich zu sehr liebe. Und weil ich dich bewundere. Und weil du so schön bist …“, brach er ab, weil sich das wirklich wie Dummes Zeug anhören musste.
Sie sagte nichts und schaute ihn nur ruhig an. Und er redete weiter.
„Als ich dich kennen lernte, warst du irgendwie ‚rein‘ für mich – sowas wie eine Fee oder eine Prinzessin. Ich habe dich nicht nur geliebt, sondern auch bestaunt dafür, dass du ausgerechnet mich liebst. Es war wunderschön, mit dir zu schlafen, die ganzen Jahre. Das veränderte sich nur wenig durch die Geburt unserer Kinder. Du wurdest ‚Frau‘, und ich begann, dich zu bewundern.
Verstehst du das? Du bist für mich schon immer eine tolle Frau gewesen. Ich hab‘ gern mit dir geschlafen, es war immer schön. Und ich hätte mir nie vorstellen können, mit einer anderen Frau zu schlafen. Doch bei ‚ihr‘ war es irgendwie der Sex.“
„Das verstehe ich nicht.“
„Hm, wie soll ich’s dir erklären … Wir haben immer nur miteinander geschlafen. Das war Liebe. Manchmal hätte ich mir gern mehr gewünscht, aber ich hatte Angst, dich zu verletzen, abzustoßen oder … ich hab‘ mich einfach nicht getraut, darüber mit dir zu reden,“ seufzte er.
„Und was stellst du dir nun vor?“
„Ich weiß nicht. Nichts Wesentliches, und doch eine ganze Menge. Aber ich möchte es mit dir gemeinsam und nicht für mich …“
„Möchtest du einen Porno mit mir gucken?“
„Nein, nicht direkt. Vielleicht mal irgendwann …“, stand er ziemlich ratlos da, weil er im Grunde nicht wusste, wie er’s ausdrücken sollte. Die Angst war wieder da.
Sie wartete ab und sagte dann: „Du hast viel kaputt gemacht, mein Junge. Du kannst jetzt deine Sachen packen und gehen, wenn du willst. Oder du kannst kommen und mich ficken – dann jedoch auf die Art, auf die ich es will.“
Erstaunt schaute er auf und traf ihren ernsten Blick. Sie nahm ihr Weinglas, und im Vorbeigehen sagte sie: „Ich bin im Wohnzimmer.“
Es dauerte ein paar Minuten, bis er ihr folgen konnte. So hatte er sie noch nie erlebt und empfunden. Und als er die Tür des Wohnzimmers schloss, stand sie ihm gegenüber am Fenster mit ihrem Weinglas in der Hand und schien ihn zu beobachten. Es war, als wäre eine Glaswand zwischen Ihnen, es gelang ihm nicht, auf sie zu zu gehen.
„Wie hast du dich entschieden?“ fragte sie.
Er wusste nicht was er sagen sollte. Irgendwas schien ihn zu blockieren, und fast verzweifelt stieß er aus: „Ich will dich“.
Ihr Blick veränderte sich, schien weicher zu werden, und trotzdem blieb der Abstand bestehen.
„Denn sag’s mir!“
Er konnte es nicht. Ein „ich liebe dich“ wäre möglich gewesen, nicht viel mehr. Doch dann wurde Thomas langsam klar, dass sie ihn „bei den Eiern“ hatte. Nur kurz kam der Gedanke, das Zimmer wieder zu verlassen, aber er wusste, dass er keine andere Chance hatte, als es ihr zu sagen.
„Ich will dich ficken.“
Es hatte einen merkwürdigen Klang. So für sich hatte er diese Aussge immer mit Lust verbunden, aber nie mit Beate. Dabei hatte er oft schon davon geträumt, sie zu ficken, aber die Realisierung scheiterte stets daran, dass es ihm gefühlsmäßig nicht möglich war, sie egoistisch und schmutzig zu „benutzen“. Und nun stand er da …
„Okeeeh“, zog sie das E in die Länge und schien dabei tatsächlich zu lächeln – so ganz versteckt, in den Augenwinkeln. „Bist du bereit, dafür etwas zu tun?“
„Ja“, sagte er fest, froh darüber, dass sie ihm einen Ausweg bot.
„Alles?“
„Ja.“
„Wir werden ein wenig basteln, und dann fährst du los, einkaufen. Und heute Abend – nicht jetzt - …“ sah sie ihm schmunzelnd zwischen die Beine „... werden wir sehen, ob wir ficken können, ja?“
Sie kam auf ihn zu, hielt ihm die Hand entgegen, und als er sie nahm, sagte sie weich „Komm“, und zog ihn an der Hand aus dem Zimmer.

37 Kommentare

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Im Moment danach fühlte ich mich nun als "Beate" und selbst nach fast 15 Jahren von meinem damaligen Eheaus muß ich feststellen, wir haben nicht geredet damals, nach 20 Jahren Ehe.am 31.10. wären wir 34 Jahre verheiratet gewesen,ich vergesse keinen Hochzeitstag,nur warum???
Vielleicht deshalb, weil deine Ehe immer noch ein Symbol ist für das, was du dir wünscht?
Dies wäre sehr, sehr gut möglich.
"verlangt" was für ein Wort
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Da reden Zwei spät, fast zu spät - aber sie reden!! Und der Mann macht immerhin den Versuch, mit dieser Erklärung einen Ausweg aus dem ehelichen "Dilemma" anzuregen... auch wenn diese Krise zuvor gar nicht bemerkt worden war. Offenbar hat auch die Frau in ihrer Verletztheit verstanden... und er bleibt nach dieser Reaktion erstaunt zurück! Aber vielleicht hat ja die Frau ähnliche Wünsche an das eheliche Bettgeschehen und sie bisher auch nur unterdrückt. Ein wirklich interessant und lebensnah geschriebener Text...
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Ernsthaft? Er hätte besser die Klappe über das Fremdgehen gehalten, und nicht diesen Blösinn seiner Frau erzählt.
Offensichtlich ist er ein wenig anders, als Männer bei dir sein dürfen
und offensichtlich ist sie ein wenig anders als ich es wäre
Ich denk' mal, dass das richtig ist *g*
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Das kommt davon, wenn Paare nicht reden, gerade was das Sexleben betrifft.
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ooo das kann ich gut verstehn,aus respekt vergißt man die eigenen wünsche,ei ei,das tötlich.sie hat eine tolle reaktion.ihm zeigen,was ne harke ist. deine gedanken sind herrlich robert.
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Die Reaktion von ihr erschließt sich mir nicht ganz. Ich denke nicht, dass sich bei einem so kurzen Gespräch alle Probleme so schnell lösen lassen.
Sie sind ja auch nicht gelöst.Sie sind angesprochen.
Es ist allerdings auch nur 'n Teil einer längeren Geschichte. Aber an der Pinnwand ging's ums Fremdgehen, und ich wollte damit mal eine Möglichkeit zeigen, die tatsächlich oft ein Grund dafür sein soll. Viele Männer trauen sich an ihre Frauen nicht heran
Das ist richtig. Das gleiche Problem hatte ich exakt vor 40 Jahren. Nur in der umgekehrten Richtung. Als ich es ihm sagte, hat er mich nie wieder angefasst. Und so ist diese Ehe zerbrochen.
Ja, damals hat man auch nicht so viel über Sex geredet. Von mir war es sehr mutig. Ich hatte gerade die Oswald Kolle Aufklärung gelesen und der sagte, dass man miteinander reden müsste. Aber das brachte leider gar nichts.
Jetzt will ich wissen wie es weitergeht, was ihre Wünsche waren und wie sie es umgesetzt haben..
Hast du nicht? Auf Seite 76 geht's weiter
Dorothea, ich weiß zwar nicht, was Robert mit Seite 76 meint, aber du sollst wissen, dass ich ihn dann verlassen habe. Ich hatte in meiner Theatergruppe einen 20 Jahre jüngeren Mann kennen gelernt, der mir all das gab, was ich in meiner Ehe so vermisste, Liebe Zärtlichkeit und Selbstbestätigung. Wir haben 17 Jahre glücklich und zufrieden zusammen gelebt, bis uns dann das Alter einholte. Ich war 60 und merkte, dass mein Sexverlangen doch rapide nachließ. Und nachdem ich bemerkte, dass er es sich woanders holte, beendete ich unsere Beziehung. Ich wollte nicht, dass ich irgendwann leiden musste. Und ich hatte je gewusst, welches Risiko ich einging.
17 Jahre ist eine lange Zeit und wenn du glücklich warst, schaust du sicher gerne zurück. Wenn dein sexuelles Interesse wieder erwacht, kommt jemand, mit dem du nochmal glücklich wirst, ganz bestimmt...
Ich bin jetzt seit einem Jahr wieder mit einem Mann zusammen, nachdem ich 12 Jahre alleine gelebt habe. Und diese Partnerschaft ist nicht allein durch Sex geprägt. Wir sind ja nun auch alle ruhiger geworden im Alter. Er ist Witwer und ich schätze ihn sehr wegen seiner Verläßlichkeit und Fürsorge.
Ich denke , dass das Alter andere Prioritäten setzt.
Verläßlichkeit und Fürsorge ist toll aber Sex ist auch wichtig, jedenfalls für mich noch. Alles zusammen wäre für mich perfekt, aber da es das nicht gibt, bleibt es so wie es ist.....
Dir, liebe Brigitte, wünsche ich alles Gute für eure Partnerschaft.
Bravo Brigitte oder für Euch beide,
ist es nicht wunderbar, dass da etwas
so Großes, etwas so Schönes passiert
ist? Ich denke man hält eine Liebe ganz
anders fest, wenn man älter ist.
Viel Glück wünscht
Danke Dorothea, danke meine liebe Bele, ja es ist etwas Schönes, was einem da passiert. Es war nicht immer einfach im letzten Jahr, aber nun wissen wir beide, was wichtig im Leben ist und was wir wollen. Man muss schon vorsichtig miteinander umgehen, um nichts kaputt zu machen. Und das ist gut so. Auch im Alter sollt man noch an sich ein wenig arbeiten.
Und der Sex kommt auch nicht zu kurz, obwohl ich da andere Maßstäbe setze als er. Aber man kann ja nicht alles haben. Lach
schöne Tage
Danke, dir auch. Morgen wollen wir mal nach Cuxhaven. Kennst du die Nordsee?
Cuxhaven hat mir sehr gut gefallen, überhaupt die ganze Ecke dort oben und in Kiel habe ich mich richtig verliebt obwohl es keine "Schönheit" ist.
In Cuxhaven haben ich mal vor vielen
vielen Jahren einen Urlaub gemacht,
Wattwanderungen im Herbst (was für
Kenner) nach 10 Tagen war ich urlaubs-
reif, ich bin immer im Stehen eingeschlafen
Jau, das geht nicht nur in die Beine
Aber es macht Spass und ja, macht auch müde. Ich jedenfalls freue mich auf morgen. Liebe lGrüße an euch beide und ich grüße Cuxhaven von euch.
Danke liebe Brigitte, viel Spass im Norden
Brigitte, müde - gar kein Ausdruck, wir mussten
den Urlaub abbrechen. Wir hatten das dann im
Sommer noch einmal versucht, weil die kleine
Wohnung so bezaubernd war, 3 Wochen haben
wir bei Regen ausharren müssen. Das war denn
nicht mehr mein Urlaubsziel, Du verstehst
Egal, bei Dir scheint alles anders zu laufen-
wie gesagt : Schöne Tage
Ich komme gerade zurück aus einem regenverhangenen Saalenburg. War trotzdem schön. Wir sind von sahlenburg mit der kleinen Strandbahn bis Duhnen gefahren. Und Essen war lecker.
sag ich doch, Du bist verliebt,
alles ist schön
Könnte sein, dass du es richtig siehst.
Ist das nicht wunderbar?!
Ich freu mich so für Dich
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