Wehrlos

Beitrag von wize.life-Nutzer

Er hatte völlig den Boden unter den Füßen verloren. Sein Leben schien sich gerade von einer Sekunde in die andere in einen Scherbenhaufen zu verwandeln – Haus, Familie, Ehe … alles kaputt!
Thomas war fremdgegangen. Und nun saß Beate ihm gegenüber, schaute ihn ernst an und fragte: „Warum?“
Er konnte ihr keine Antwort geben, schien fast paralysiert, weil ihm mit der Frage und ihrem Blick klar wurde, welche Konsequenzen er zu tragen hätte. Er sah es ihr an. Sie schien plötzlich auf einer „anderen Seite“ zu stehen, ganz weit weg von ihm.
Beate sagte eine Zeit lang nichts, schaute ihn dann noch einmal fest an, erhob sich, verließ das Zimmer und schloss leise die Tür.
Totenstill war’s im Raum, und doch dröhnte es in seinem Kopf so laut, dass er zu zerspringen schien. Wie taub saß er da, entsetzt, und nur langsam fand er sich wieder. Es dauerte lange, bis er sich erheben konnte, um sich ein Glas Wasser aus der Küche zu holen.
Beate stand am Küchenfenster, schaute hinaus. Thomas nahm ein Glas aus dem Schrank – und hatte schon vergessen, was er damit wollte. Ratlos stand er da und schaute sie an, ohne auch nur einen Schritt auf sie zugehen zu können.
„Warum?“, fragte sie wieder, von ihm abgewandt.
„Ich muss es dir mit ‚Angst‘ erklären …“, begann er leise einen Kopfsprung in sein Innerstes.
„Angst? Wovor?“
„Angst vor dir.“
„Angst vor mir? – Erklär‘ mir das.“
„Ich hab‘ Angst vor dir, weil ich dich zu sehr liebe.“
Sie drehte sich um und schaute ihn ernst an. „Weil du mich zu sehr liebst?“
„Es war einfacher mit ‚ihr‘, so unkompliziert. Ich konnte mich fallen lassen, ohne nachzudenken.“
„Und das geht nicht mit mir?“
„Doch ... Nein … Ich schaff’s einfach nicht. Und das hab‘ ich nicht gewusst …“
„Warum schaffst du’s nicht?“
„Weil ich dich zu sehr liebe. Und weil ich dich bewundere. Und weil du so schön bist …“, brach er ab, weil sich das wirklich wie Dummes Zeug anhören musste.
Sie sagte nichts und schaute ihn nur ruhig an. Und er redete weiter.
„Als ich dich kennen lernte, warst du irgendwie ‚rein‘ für mich – sowas wie eine Fee oder eine Prinzessin. Ich habe dich nicht nur geliebt, sondern auch bestaunt dafür, dass du ausgerechnet mich liebst. Es war wunderschön, mit dir zu schlafen, die ganzen Jahre. Das veränderte sich nur wenig durch die Geburt unserer Kinder. Du wurdest ‚Frau‘, und ich begann, dich zu bewundern.
Verstehst du das? Du bist für mich schon immer eine tolle Frau gewesen. Ich hab‘ gern mit dir geschlafen, es war immer schön. Und ich hätte mir nie vorstellen können, mit einer anderen Frau zu schlafen. Doch bei ‚ihr‘ war es irgendwie der Sex.“
„Das verstehe ich nicht.“
„Hm, wie soll ich’s dir erklären … Wir haben immer nur miteinander geschlafen. Das war Liebe. Manchmal hätte ich mir gern mehr gewünscht, aber ich hatte Angst, dich zu verletzen, abzustoßen oder … ich hab‘ mich einfach nicht getraut, darüber mit dir zu reden,“ seufzte er.
„Und was stellst du dir nun vor?“
„Ich weiß nicht. Nichts Wesentliches, und doch eine ganze Menge. Aber ich möchte es mit dir gemeinsam und nicht für mich …“
„Möchtest du einen Porno mit mir gucken?“
„Nein, nicht direkt. Vielleicht mal irgendwann …“, stand er ziemlich ratlos da, weil er im Grunde nicht wusste, wie er’s ausdrücken sollte. Die Angst war wieder da.
Sie wartete ab und sagte dann: „Du hast viel kaputt gemacht, mein Junge. Du kannst jetzt deine Sachen packen und gehen, wenn du willst. Oder du kannst kommen und mich ficken – dann jedoch auf die Art, auf die ich es will.“
Erstaunt schaute er auf und traf ihren ernsten Blick. Sie nahm ihr Weinglas, und im Vorbeigehen sagte sie: „Ich bin im Wohnzimmer.“
Es dauerte ein paar Minuten, bis er ihr folgen konnte. So hatte er sie noch nie erlebt und empfunden. Und als er die Tür des Wohnzimmers schloss, stand sie ihm gegenüber am Fenster mit ihrem Weinglas in der Hand und schien ihn zu beobachten. Es war, als wäre eine Glaswand zwischen Ihnen, es gelang ihm nicht, auf sie zu zu gehen.
„Wie hast du dich entschieden?“ fragte sie.
Er wusste nicht was er sagen sollte. Irgendwas schien ihn zu blockieren, und fast verzweifelt stieß er aus: „Ich will dich“.
Ihr Blick veränderte sich, schien weicher zu werden, und trotzdem blieb der Abstand bestehen.
„Denn sag’s mir!“
Er konnte es nicht. Ein „ich liebe dich“ wäre möglich gewesen, nicht viel mehr. Doch dann wurde Thomas langsam klar, dass sie ihn „bei den Eiern“ hatte. Nur kurz kam der Gedanke, das Zimmer wieder zu verlassen, aber er wusste, dass er keine andere Chance hatte, als es ihr zu sagen.
„Ich will dich ficken.“
Es hatte einen merkwürdigen Klang. So für sich hatte er diese Aussge immer mit Lust verbunden, aber nie mit Beate. Dabei hatte er oft schon davon geträumt, sie zu ficken, aber die Realisierung scheiterte stets daran, dass es ihm gefühlsmäßig nicht möglich war, sie egoistisch und schmutzig zu „benutzen“. Und nun stand er da …
„Okeeeh“, zog sie das E in die Länge und schien dabei tatsächlich zu lächeln – so ganz versteckt, in den Augenwinkeln. „Bist du bereit, dafür etwas zu tun?“
„Ja“, sagte er fest, froh darüber, dass sie ihm einen Ausweg bot.
„Alles?“
„Ja.“
„Wir werden ein wenig basteln, und dann fährst du los, einkaufen. Und heute Abend – nicht jetzt - …“ sah sie ihm schmunzelnd zwischen die Beine „... werden wir sehen, ob wir ficken können, ja?“
Sie kam auf ihn zu, hielt ihm die Hand entgegen, und als er sie nahm, sagte sie weich „Komm“, und zog ihn an der Hand aus dem Zimmer.