SZ online vom 15. Juli 2014
SZ online vom 15. Juli 2014Foto-Quelle: screenshot

Die dumme Hausfrau und das Ansehen der Hauswirtschaft

Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern

„Beate Zschäpe ist keine dumme Hausfrau“ - millionenfach stand dies als Überschrift in deutschen Zeitungen zu lesen. Alle Hausfrauen wurden damit öffentlich für dumm verkauft und niemand regte sich auf.

Alle hauswirtschaftlich ausgebildeten Fachkräfte (nach dreijähriger Ausbildungszeit in einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf) und auch Meisterinnen der Hauswirtschaft und Betriebswirtinnen für Verpflegung und Versorgungsmanagement sind nach Meinung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege zu dumm, um eine Weiterbildung zur Leitung einer stationären Einrichtung zu absolvieren. Personen aus dem kaufmännischen Bereich, der öffentlichen Verwal- tung und dem Gesundheitswesen sind dafür sehr wohl geeignet (siehe auch Beitrag in Ausgabe 1/2014).
Um Missverständnisse zu vermeiden, es geht nicht um Stellenbesetzung, sondern um Zulassung zu einer Weiterbildung.
Protestbriefe, Gespräche im Ministerium, Unterstützung durch Landtagspräsidentin Barbara Stamm brachten folgendes Ergebnis: Auf Antrag des Trägers einer stationären Einrichtung können hauswirtschaftliche Fach- und Führungskräfte eine Befreiung von Mindestanforderungen von der zuständigen staatlichen Fachstelle für Pflege und Behinderteneinrichtungen erhalten.
Junge Leute werden für dumm verkauft – ihnen wird erzählt, Hauswirtschaft sei ein Beruf mit Zukunft und in unserem Land herrsche ein Mangel an Fachkräften – und wenn sie Geld und Zeit für eine Weiterbildung investieren wollen, sind sie vom Wohlwollen eines Arbeitgebers abhängig und ihm in Zukunft untertan – und kaum einer regt sich auf!

Plädoyer aus dem Förderkreis der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Haushaltsführungskräfte AEH im DEF, erschienen in der Verbandszeitschrift def aktuell 3/2014, S. 18