Leben ist Veränderung
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Leben ist Veränderung

Beitrag von wize.life-Nutzer

Vierzig Jahre sind vergangen, seit ich diesen Weg das letzte Mal ging und ein gutes halbes Jahrhundert ist es her, als ich damals alljährlich meine Sommerferien als kleines Mädchen bei Onkel und Tante verbrachte. Es war eine unbeschwerte Zeit, mit Sonne und Lachen, bei liebevollen Menschen, die kinderlos waren und mir jeden Sommer für ein paar Wochen ein Paradies des Wohlfühlens boten.

Der Waldweg hinter dem Anwesen hatte sich nicht verändert, auch roch es noch wie zu jener Zeit, nach feuchten Tannenzapfen, welche die Sonne noch nicht zu trocknen vermochte, da sie nur spärlich den Weg durch die dichten Tannen fand.

Gleich angrenzend an den Wald und den schmalen Weg befand es sich, das Haus und der große Garten, der damals Onkel und Tante gehörte. Nun waren sie schon lange gestorben und fremde Leute waren längst hier eingezogen, dort, wo einst mein kleines Paradies war.

Ich lugte durch die dicht bewachsene Hecke, um einen Blick auf den Garten zu gewinnen. Was ich dort sah, liess mein Herz schneller schlagen und trieb mir die Tränen in die Augen. Der große Garten, einstmals der große Stolz meines geliebten Onkels, bestand nur noch aus Unkraut, das hochgewachsen und unkontrolliert sich seinen eigenen Weg bahnte. Dort, wo damals die schönen Rosen standen, welche mein Onkel mit großer Hingabe züchtete, waren jetzt nur noch meterhohe Disteln zu sehen. Von den sorgsam angelegten Beeten des Nutzgartens war keine Spur mehr zu entdecken und auch der romantisch angelegte Steingarten mit den kleinen Treppchen und dem hübschen Torbogen aus wilden Rosen war gänzlich verschwunden. Trostlos und vernachlässigt präsentierte sich mir der Garten, in dem ich die sorglosesten Stunden meines Lebens verbrachte.

Im Geiste sah ich noch einmal meinen Onkel, der mit blauer Arbeitshose am Rosenstock stand und die "Adenauer-Rose" veredelte. Ich sah, wie meine Tante auf der schön gefliesten Terrasse herumwuselte und den Frühstückstisch deckte, mit frischen Brötchen und selbst gemachter Marmelade. Und ich sah mich, wie ich mit den Beinen an der eigens für mich gebastelten Turnstange, mit dem Kopf nach unten hing, dort, wo ich in dieser Stellung lange Minuten ausharrte, bis mich die Tante zum Frühstück rief. Und in meine Nase stahl sich noch einmal der Duft von unzähligen, wundervoll duftenden Rosen, deren Veredelung der ganze Stolz meines Onkels waren.

Es vergingen vielleicht nur fünfzehn Minuten, als ich dort, hinter der Hecke, regungslos stand. Ich musste einsehen, daß längst ein neues Zeitalter eingetreten war und diese schöne Zeit nur noch in meiner Erinnerung existierte, denn das Leben ist Veränderung, stündlich und unaufhaltsam...


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