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Der leise Tod

Der leise Tod

Von wize.life-Nutzer - Sonntag, 02.11.2014 - 17:19 Uhr

Schon viele Male war sie gestorben, wurde etwas zu Grabe getragen, was Wichtigkeit für sie besass. Es waren diese Tode, die unbemerkt vonstatten gingen, solche, die sich lautlos vollzogen und nur von ihr bemerkt wurden...

Beim ersten Mal, als sie starb, war sie noch verheiratet. Schon viel zu lange wütete der todbringende Virus in ihr. Immer und immer wieder missachtete sie den dreisten Wirt, der ihr das Zusammenleben so sehr erschwerte. Sein Name war Respekt. Respekt, den sie für ihre Person einforderte und den man ihr schon seit geraumer Zeit nicht mehr gewährte. Als man ihrer Bitte des bereingten Gespräches zum wiederholten Male nicht nachkam, sondern es sogar als lästige Lächerlichkeit abtat, packte sie ihre Koffer und verliess dieses traute Heim, in dem sie sich nicht mehr daheim fühlte.

Beim zweiten Mal, als etwas in ihr starb, befand sie sich bereits viele Jahre in einer neuen Beziehung. Schon länger spürte sie, dass etwas nicht stimmte. Ihre vorsichtigen Fragen, ob es im Leben des Anderen eine neue Liebe gäbe, wurden jedesmal vehement verneint. Durch einen dummen Zufall wurde sie eines Besseren belehrt. Masslos enttäuscht starb sie, von allen unbemerkt, den zweiten Tod, den Tod der Lüge. Dass dieses leise Sterben auch noch etwas anderes in ihr sterben liess, wusste nur sie alleine. Unbemerkt von allen war auch ihr Vertrauen gestorben.

Nun lebte sie wieder alleine, etliche Jahre. Was ihr blieb, war ihre spärliche Freizeit, mit der sie nicht so recht etwas anzufangen wusste, da sie die Kommunikation mit einem ihr vertrauten Menschen vermisste. Sicher gab es befreundete Kolleginnen, mit denen sie sich ab und an traf, doch in Dingen, die ihr Herz betrafen, fühlte sie sich alleine. Diesmal war die Einsamkeit das todbringende Elixier. Sie atmete zwar noch, war zweifelsohne auch noch hier, aber Leben verstand sie anders.

Als sie ihn dann vor Jahren traf, begann sie sich endlich wieder zu spüren. Sie genoss die Wärme, die von im ausging und in ihren stundenlangen Gesprächen öffneten sich bei ihr nach und nach Türen, die sie lange verschlossen hielt. Fast unbemerkt von ihr, fand sich auch wieder das Vertrauen ein. Es war ein sehr langer Weg dorthin, doch sie bereute keine Sekunde, ihn gegangen zu sein. Nun will sie leben, im Hier und Jetzt und jede Minute ihres neuen Lebens geniessen, denn genau so leise, wie die Tode kamen, kam die Liebe zu ihr zurück...

Foto: Oliver Mohr/www.pixelio.de

25 Kommentare

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Genauso habe ich es auch erlebt.
Nur ganz lebe ich noch nicht.
Hoffe hoffe darauf
Die Zeit heilt "fast" alle Wunden, B., glaube mir!
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Von solchen Todesarten so anschaulich und doch behutsam zu schreiben, ist eine Gabe, liebe Monika. Leider werden viele Frauen sich in dem einen oder anderen "Tod "erkennen. Mich hat vor 2 Jahren der endgültige Tod zum Abschied gezwungen. Es wäre schön wieder mit einem Partner nicht nur virtuell in Verbindung zu sein, aber nicht mehr um jedwellchen Preis.
Ja, Kunigunde...es wäre schön, aber die Chemie müsste auch stimmen!
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Wunderbar und einfühlsam finde ich hier in diesem Text Gefühle beschrieben, die auch ich kenne... sehr intensiv, aber leise und schwerwiegend. Und dass trotz allem Neues möglich ist, bedacht und ohne Hast, ist ein sehr gut erfasster hoffnungsfroher Gedanke! Sehr schön!!
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Wenn man diese Tode ein zweites mal erlebt, tun sie noch mehr weh
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Als meine Frau mich vor ca. 28 Jahren verließ, brach eine Welt für mich zusammen.
Was ist aus unseren damaligen Träumen und den tollen Zielen, die wir hatten, geworden?
Wie wird es mit den beiden Söhnen gemeinsam weitergehen?

Die Enttäuschung insgesamt war sehr groß und auch ich, ein Mann, starb innerlich viele Tode.

Eins habe ich daraus gelernt – niemand wird noch mal mit meinen Gefühlen so umgehen, wie es meine Ex mit mir machte.

Ich habe weiterhin ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Kindern und den drei Enkelkindern.
Ein gutes Verhältnis zu meiner Ex konnte und wollte ich nicht wieder aufbauen.
Auch sie lebt heute alleine und ist eine tolle Oma. Ihr falscher Stolz lässt sie aber nur in unseren gemeinsamen Erinnerungen leben.

Ich bin heute mit dem, wie ich als Single lebe, glücklich – dazu gehören auch viele Freunde, mit denen ich gerne viele Dinge gemeinsam unternehme.
Nein danke sage ich vielen Freundinnen, die mehr möchten – alles Weitere habe ich gehabt und sie mögen sich in meinem heutigen Lebenslauf einreihen, wenn sie möchten:

Heute komme erst ich und dann die Enkel / Kinder und Benni, mein Hund.............
Recht so, wie Du es hältst, Siegi! Alles Liebe für Dich!
Danke Monika - Dir in Deinem alten / neuen Glück alles Gute
@ Siegi: Du lebst sicher so, wie Du Dich entschieden hast, mit Dir selbst in Zufriedenheit... vielleicht aber versagst Du Dir doch etwas sehr Schönes, etwas das jeder Mensch braucht und nur in einer Zweierbeziehung gelebt werden kann! Natürlich ist das ganz individuelle Gefühl entscheidend, aber sich bewusst zu verschließen und Neues von vorn herein "abzuwehren", anstatt Neuem gegenüber (auch Gefühlen) offen zu bleiben, kann auch Verlust an Lebensglück bedeuten. Ich wünsche Dir, dass Du dennoch, so wie Du lebst, glücklich bist!
Es ist ja nicht so, dass ich - bevor ich Privatier wurde - keine festen Freundschaften in den Jahren hatte.
Doch auch mit meiner letzten festen Partnerin konnte ich mir nicht mehr eine gemeinsame Zukunft vorstellen.
Auch sie wollte ihr Leben leben und beide Vorstellungen passten dann nicht mehr zusammen, denn sie meinte, von sieben Tagen sechs Tage lieber beim Arzt wg. - es könnte ja sein - sitzen zu müssen.
Und ich suche Gemeinsamkeiten mit einer angenehmen Haus- und Garten-Wirtschaftlerin, harmonische Zweisamkeit und intelligente Gespräche bei Kerzenschein und einem Glas Wein - sowie Interesse für meinen Hund und Kurzreisen in die Naturschönheiten in unserem Land.
Ob ich solcher Frau (die auch gerne ihr Hobby haben kann, so wie ich meine Fotografie mit meiner Lumix habe) noch mal begegnen werde ?? .
Wenn Du sehenden Auges durch's Leben marschierst, findest Du eine solche Frau bestimmt... nur Mut und alles Gute! Schließlich trifft einen die Liebe ja plötzlich...
Meinen Fotos kann man ansehen, dass ich als Fotograf mit sehenden Augen durchs Leben marschiere.
Schreibst Du aus Erfahrung??
Ja, meine Erfahrung war ähnlich Deiner (mit Deiner letzten festen Beziehung) - man begegnet immer wieder interessanten Menschen. Auch verlieben kann man sich wieder... Dass Du mit offenen Augen fotografierst, glaube ich Dir. Nur, wenn Du das Umfeld nur "durch die Linse" wahr nimmst, bemerkst Du u.U. nicht, wenn dein Glück neben Dir steht...
Ach was ! Ich bin sehr glücklich mit meinen derzeitigen Freundschaften .
Hallo Siegi, ich brauche bei Deinen Gedanken nichts mehr zu kommentieren, weil ich Dich verstehe. Jeder hat ein anderes Lebenskonzept und ich bin auch der Meinung, dass man so leben soll, wie wir es selbst fühlen. Mit aller Macht einen Partner suchen, um nicht allein zu sein, davon halte ich auch nichts.

Wenn es sein soll, wird es geschehen. Aber, wenn man mit sich im Reinen ist und ein gutes Umfeld hat, lebt man vielleicht glücklicher allein als in einer neuen Partnerschaft, wo jeder die Verletzungen seines Lebens einbringt.
Danke für Deinen Beitrag und Deine richtige Einschätzung meiner - von mir beschriebenen - Situation.
Wenn sich an meinen Vorstellungen etwas ändern sollte, dann wird es geschehen. Ich halte keinen lieben Menschen bewusst auf Distanz - erkläre nur, was ich so bedenke.
Ich habe derzeit eine sehr nette Freundin, mit der ich sehr viel Spaß gemeinsam in unserem SB Freundeskreis erlebe - und das ist auch gut so - auch wie es ist und wohl auch sein soll .
Danke für Deine Antwort. Ich glaube, dass das Lebenskonzept, so wie Du es führst, für Menschen in der zweiten Lebenshälfte das idealere ist. Keiner schränkt den anderen ein, jeder kann nebenbei sein Leben so führen, wie er möchte und wie es seinem Charakter entspricht.

Jeder erlebt den anderen in einer ganz besonderen Stimmung. Zuviel Nähe ist für den einen schön und richtig, für einen anderen Menschen einschränkend. Ich würde dieses Lebenskonzept auch vorziehen oder lieber alleine bleiben.
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Ich bin alle diese Tode in einer einzigen Ehe gestorben.
Jetzt lebe ich allein mit meinen Kindern, aber ich lebe wieder!

Toll beschrieben, Monika!
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toll. endlich jemand, den ich nachvollziehen kann, der mit meinen Worten spricht, mit denen ich selbst aber kaum noch umgehe . . .
Merci Ulrike!
lass wieder von Dir hören
Unbedingt Ulrike! Schönen Abend noch wünsch ich Dir.
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