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Total verknallt und dann einen Korb - Jetzt erst recht oder können wir losla ...

Total verknallt und dann einen Korb - Jetzt erst recht oder können wir loslassen?

Von wize.life-Nutzer - Freitag, 22.05.2015 - 16:19 Uhr

Wir machen den Monat Mai zum Monat der Liebe - Eine Aktion der SB-Paten
Der Mai und die Liebe auf SB

Überall auf der Welt verlieben sich Menschen. Wir sind so programmiert. Es verlieben sich auch ältere Männer in viel jüngere Frauen, oder jüngere Frauen in ältere Männer. Der Eros ist eine Lebenskraft, die unser Leben durchzieht von Geburt bis zum Tod. In den „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“(1905) wies Sigmund Freud schon daraufhin, es sei ein Irrtum zu glauben, die Sexualität beginne erst mit der Pubertät (vgl. das Kapitel »Die infantile Sexualität«). Der amerikanische Autor Philip Roth erzählt in seinem Roman „Das sterbende Tier“ über einen alternden Literaturprofessor, der sich unsterblich in die Studentin Consuela verliebt. Der Roman wird rückblickend erzählt und eines Tages ruft Consuela ihren ehemaligen Professor an und erzählt, sie habe Brustkrebs, ihre Brust sei zerstört. Sie ruft ihn deshalb an, weil er ihren schönen Körper einst geliebt hatte. »Wir schwimmen in der Zeit, bis wir schließlich darin versinken und sterben«, heißt es im Roman und wenn wir in dem Zitat das Wort »Zeit« mit »Eros« austauschen, liegen wir bestimmt nicht verkehrt.

Wenn wir uns verlieben, möchten wir die begehrte Person besitzen. Auch wenn die Vorstellung irre ist, einen Menschen besitzen zu wollen, fühlen wir uns zu der geliebten Person maßlos hingezogem und sind nur glücklich, wenn wir dieser Person nahe sind. In diesem Begehren scheint unser Glück von der geliebten Person abhängig sein. Wenn wir in ihre oder in seine Augen schauen, verlieren wir uns in ihr, bzw. in ihm. Und dieses Verlorensein ist wörtlich zu nehmen. Schließlich brauchen wir die Geliebte Person für unser Glück, wenn die Liebe von der geliebten Person nicht angenommen wird, fühlen wir uns als die unglücklichsten Menschen auf der Welt, obwohl wir ein Dach über dem Kopf haben, obwohl wir genügend Essen und vielleicht sogar Arbeit oder eine gute Rente haben. Unser Glück ist aber zerstört. Woran liegt das? Es liegt an unserem gekränktem Ego. Auf einmal fühlen wir uns wertlos, nur deswegen, weil wir nicht geliebt werden. Im schlimmsten Falle versuchen wir die geliebte Person trotzdem zu erobern, auch wenn es aussichtslos ist. Im allerschlimmsten Falle führt das zu Stalking oder Mord und Totschlag. Es ist die Gier, die unstillbare Begierde, die uns zu Monstern machen kann. Buddha sagte schon vor 2500 Jahren, die Gier ist eine der Ursachen des Leidens. Das hat nichts mit Religion zu tun, sondern es ist eine Aussage, deren Richtigkeit oder Falschheit jeder selbst überprüfen kann. Wenn ein Kind in einem Supermarkt die Mutter anbettelt, sie möge Schokolade für sie kaufen und das Kind bekommt nicht die Schokolade, dann schreit es oder zeigt auf andere Weise seine Unzufriedenheit. Unter Liebesverlust durch die Mutter leiden Kinder genauso wie Erwachsene, wenn sie den Liebesverlust ihrer geliebten Person erfahren.

Sind wir Menschen wirklich auf Leiden programmiert oder geht das auch anderes? Es ist logisch, dass wir nicht alles bekommen können, was wir wollen. Das ist eine Erfahrung, die wir als Erwachsene machen. In dem Willen, etwas unbedingt haben zu müssen, liegt schon der Kern des Leides.

Da zu möchte ich zwei Gedichte der Weltliteratur vorstellen. Erstens, das „Heidenröslein“ von Johann Wolfgang von Goethe, und zweitens einen japanischen Haiku von Matsuo Bashō.

Heidenröslein

Sah ein Knab ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell, es nah zu sehn,
Sah's mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Knabe sprach: „Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!“
Röslein sprach: „Ich steche dich,
Dass du ewig denkst an mich,
Und ich will's nicht leiden.“
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.


Und der wilde Knabe brach
's Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Musst es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Der Knabe bewundert die Rose so sehr, dass er sie unbedingt haben will, d.h. er bricht die Blume ab, sodass sie viel früher verwelkt, als von Natur aus vorgesehen. Als „Dank“ versetzt ihm die Rose einen Stich. Dieser Stich ist die Metapher für das menschliche Leiden, wenn jemand nicht davon abkommt, unbedingt etwas haben zu müssen. Wir können es auch anders formulieren. Durch den Egoismus des Knaben, hat er der Rose ihren Stängel gebrochen. In der Blumenvase wird sie einige Tage noch überleben und dann sterben. Der Knabe fügt also durch seinen egoistischen Trieb nicht nur sich selbst Leid zu, sondern anderen auch.

Wenn ich aufmerksam schaue
seh' ich die Nazuna
an der Hecke blühen

Die Nazuna, eine kleine unscheinbare Blume, die das literarische Ich entdeckt, weil es aufmerksam in der Welt wandelt und in der Blume das Wesen der Welt entdeckt und die Schönheit der Natur bewundert. Dieses Ich hat es nicht nötig, die Blume herauszureißen, sondern es atmet die Schönheit ein und fühlt sich Eins mit der Blume, denn alles Leben in der Welt ist ineinander verwoben in dem großen Kosmos. Das Entwurzeln einer Blume wäre nur ein lächerlicher Irrgang eines engstirnigen Egos.

Loslassen ist eine Lebenskunst. Loslassen heißt aber auch Freiheit. Wir machen unser Glück nicht von etwas abhängig, sondern sind das Glück selbst. Für den griechischen Philosophen Platon beginnt der Eros in der Begierde zu schönen Körpern, der irdischen Aphrodite, entfaltet sich zu dem höchsten Ziel, in der geistigen Wahrnehmung des „Schönen an sich“, der himmlischen Aphrodite. Diese himmlische Aphrodite ist das unwandelbare Schöne, was allem Schönen zu Grunde liegt. Dier Erfahrung dessen, macht nach Platon erst das Leben lebenswert. Platons »Symposium« ist die erste metaphysische Deutung der Erotik in der Weltliteratur.

Vergänglich sind nur die Dinge, auch unser Verliebtsein. Sie verlieren sich irgendwann zur Bedeutungslosigkeit und schwirren dann nur noch in unseren Erinnerungen.

Der Romantitel „Das sterbende Tier“ bezieht sich auf Verse des irischen Lyrikers William Butler Yeats:

Verzehr mein Herz
krank vor Begehren und
Gefesselt an das sterbende Tier

Am kommenden Pfingstmontag (25.05.) wollen wir im Themenchat über diese Thematik reden. Bis dahin, liebe Grüße, maddin

133 Kommentare

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Das Loslassen ist immer mit Schmerzen verbunden. Ob durch Tod oder Liebe.
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Dies ist eine Ermessensfrage. Jeder muss seine eigenen Fehler erleben und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Es gibt kein Patentrezept, wie, was und . . . geschehen kann. Gleichglang ist schwer, aber Gegensätze ziehen sich an, nur wie lange???
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Wenn ich verliebt bin, mit allen körperlichen Erscheinungen und diese Liebe wird nicht erwidert, dann ist es Zeit in die Sauna zu gehen und einen Sprung in das kalte Tauchbecken zu machen. Ein radikaler Schnitt mit einem scharfen Messer ist besser, als auf der stumpfen Klinge rumzureiten. Das Ergebnis ist Lebensfreundlicher.
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Loslassen ist sehr schwer…vor allem, wenn noch Liebe da ist…so ergeht es einem doch auch,wenn ein geliebter Mensch stirbt.
Aber wenn ich nicht mehr geliebt werden, dann muss ich loslassen…aus Respekt vor mir !
kann man Liebe loslassen wie ein brennendes Streichholz???
Habe ich nie gemacht…aber der Tod trennte uns !
wie bei mir....
nicht nur der Tod trennt einen - sondern jegliche Form einer Liebesbeziehung die nicht mehr existiert... für den anderen Partner ist das genau so schlimm als wenn ein Ehepartner stirbt.... und auch dass ist LOSLASSEN (müssen)
ja da gebe ich Dir recht.
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Nur so nebenbei - wirklich "lieben" kann ich das ganze Jahr über - ist weder jahreszeitabhängig noch auf einen bestimmten Monat bezogen - außerdem verwechsele ich Liebe und Liebelei nicht - oder wie Elisa schrieb - "........... bestenfalls körperliches Feuer." !!!

Zum "Loslassen" möchte ich folgendes bemerken .......

........ nach meiner dritten Scheidung hatte ich schon etwas Übung und konnte sehr leicht loslassen - so das nebenbei auch meine Herzrythmusstörungen verschwunden waren, bestätigt für mich nur, das loslassen ganz sicher auch was mit "Freiheit" zu tun hat - frei zu sein und ohne "Altlasten" etwas neues zu beginnen, zu wagen !!!
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Äh, also ich beziehe mich mal auf den Titel (alles andere ist mir zu lange und der Knabe der das Röslein bricht - also entjungfert- betrifft uns ja nicht mehr):
Also wenn ich total verknallt war und einen Korb bekam habe ich das akzeptiert (war auch nie verletzt). Allerdings habe ich immer versucht eine Freundschaft bezubehalten, weil man verknallt sich nur in Menschen die etwas besonderes sind. Nur weil die Person mich nicht liebt heisst das nicht das ich sie nicht verehren und bewundern darf. Und heute ist mein bester Freund (immer platonisch) genau einer der Männer die mir einen Korb gaben. Aber mein Herz hatte mich nie getäuscht, es ist ein charakterlich wunderbarer Mensch und auch wenn ich nicht seine Partnerin werden durfte bin ich allemal glücklich ihn zum Freund zu haben. Nur das ich halt heute so etwas wie "geschwisterliche Liebe" für ihn empfinde. Jedenfalls habe ich Menschen nie verstanden die behaupteten jemand zu lieben und wenn diese Liebe nicht erwidert wurde den gleichen Menschen plötzlich hassten. Für mein Verständnis war da dann auch nie Liebe im Spiel, bestenfalls körperliches Feuer.
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Alles gut und schön. Jedoch jenseits der 60 ist Sexualität doch nicht mehr so furchtbar hauptsächlich. Schließlich gilt es in der letzten Strecke einen guten und verlässlichen Partner für die sicherlich jetzt nicht immer ganz einfachen Jahre zu finden. Und natürlich sollte er oder sie auch Lust auf Schmusen etc. und was sonst noch so anfällt haben. Aber das zum absoluten Hauptthema zuf machen, finde ich gerade im Alter mehr als einfältig und vor allem unbedacht. Was nutzt mir ein solches Erlebnis, wenn ich dann, wenn es darauf ankommt, wieder allein bin. Gar nichts!!!!
Ich würde dich dabei nicht allein lassen, du wirst dabei sehr glücklich werden
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Und wieder ein Beitrag aus der Sex- und Beziehungsmottenkiste! Liebe Leute, tauft Euch um - aus seniorbook wird teeniebook - ein Lebensberater für allzu jung gebliebene Demente! Das kann doch alles einfach nicht mehr wahr sein! Jeden Tag eine neue Beziehungsposse!!!
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Ich glaube das es wichtig ist andere Menschen ihre entscheidung zu respektieren.Darum würde ich sofort loslassen
ja Rente da hast du recht,
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Dieses Thema wird interessant da viel junges Volk dazu gekommen ist aber auch alten kann dies noch passieren!
und einige viele haben etwas versäumt weil Sie sich wie die Gesellschaft es wollte aus einer Freundschaft nicht mehr heraus kamen!
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