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Weinendes Mädchen

Waren wir früher auch so verweichlicht?

Von wize.life-Nutzer - Freitag, 03.07.2015 - 15:57 Uhr

Als ich neulich die Nachrichten gelesen habe, wurde ich ein wenig wütend. In manchen Kitas in Mecklenburg-Vorpommern dürfen Kinder keine selbstgebackenen Kuchen mehr mitbringen. Die Erzieher haben Angst, dass sich die lieben Kleinen an der Süßware den Magen verderben. Zusätzlich ging die Geschichte um, dass eine besorgte Mutter die Bundesjugendspiele abschaffen wollte. Der Grund: Ihr Sohn hatte schlecht abgeschnitten.

Na das klingt doch alles wunderbar. Wie so mancher SB-Nutzer vorgeschlagen hat: Warum verpacken wir unsere Kinder nicht gleich in Plastikfolie, so dass ja nichts Böses ihre zarte Haut berührt? Aber halt, steht Plastikfolie denn nicht auch in Verdacht, giftige Stoffe zu übertragen? Dann vielleicht doch lieber Watte. Aber nein, die könnte ja kitzlig sein.

Übertriebener Beschützerinstinkt


Seine Kinder zu beschützen mag zwar eine Sache sein, aber was manche Eltern heute so abziehen, geht wirklich zu weit. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir so verweichlicht erzogen wurden. Ganz im Gegenteil: Ich habe an Spielzeug mit Asbest genuckelt, unverdünnten Apfelsaft getrunken und bin auch Fahrrad ohne Helm und Knieschützer gefahren. Mein Vater hatte mich in den Trainingsstunden nur kurz angeschoben und dann losgelassen. Danach musste ich selbst schauen, wo ich bleibe. Und wenn ich hingefallen bin und angefangen hatte zu heulen, dann hieß es nur, ich solle mich nicht so anstellen. Eine Minuten später ging es wieder aufs Rad. Und siehe da: Ich lebe heute immer noch.

Heute wäre so etwas undenkbar. Vermutlich würde irgendein Möchtegernkinderfreund meinen Vater wegen Missbrauchs vors Jugendamt zerren. Unsere tollen studierten (aber kinderlosen) Pädagogen wurden dann feststellen, dass die Methoden meines alten Herren zu drakonisch für ein zartes Geschöpf wie mich wären.

Das Leben ist kein Ponyhof


Aber das ist noch nicht alles: Ich beobachte auch häufig, wie Eltern ihre Sprösslinge von der Schule abholen und ihnen sofort die Schultasche abnehmen. Meine Frage ist nun: Wieso kann das Kind die Tasche nicht selbst tragen? Das haben wir früher doch auch gemacht. Den Weg Heim und zur Schule sind wir auch immer selbst gegangen. Und uns hat es nicht geschadet. Ganz im Gegenteil: Wir haben gelernt, etwas Verantwortung zu übernehmen, Selbstständig zu sein und auch, dass das Leben kein Ponyhof ist.

Um auf die Bundesjugendspiele zurückzukommen: Ich war da nie wirklich gut, aber das war kein Beinbruch. Ich Mir wurde klar, dass man im Leben nicht immer gewinnen kann und ich habe so meine Schwächen erkannt und an ihnen gearbeitet. Nur so kann sich ein Mensch weiterentwickeln und verbessern.

Ganz ehrlich: Ich habe ein wenig Angst, um die heutige Generation. Ich habe Angst, dass eine Generation von Kindern aufwächst, die ohne ihre Helikopter-Eltern nicht eine eigene Entscheidung treffen kann und im echten Leben letztendlich keine Chance hat.

Was meint Ihr, liebe Mit-Senioren. Übertreibe ich hier etwas oder habt Ihr auch den Eindruck, dass die zukünftige Generation verzogen wird?

142 Kommentare

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Es ist heut eine andere Genration und da kommt es schon mal vor, dass die Erziehung nicht so läuft, wie es sein soll.
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Leider ist das immer häufiger der Fall. Die überbeschützenden Helikoptereltern erweisen der Gesellschaft einen Bärendienst. Aus diesen Kinder werden anspruchsvolle Egomanen, die wenig Ausdauer, Einsatzwillen und Einfühlungsvermögen haben. Sie taugen wenig eine Gesellschaft vor der Degeneration zu bewahren. Wir werden in Zukunft immer mehr ausländische Fachkräfte brauchen.
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Früher konnten wir Kinder uns nicht erlauben den Großen unsere Meinung zu sagen, sonst hatte ich gleich gesagt bekommen wenn große reden, haben wir nichts zu sagen. Heute wiederum müssen die Großen praktisch wir uns von den Kleinen sagen lassen wo es lang geht.
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In der Tat, das Leben ist keine Ponyhof. Die Kinder, die heute in Großstädten leben müssen, kann ich nur bedauern. Mein Enkel hat eine Schultasche, die wesentlich schwerer ist als mein Handgepäck für´s Flugzeug. Sein Schulweg führt über mehrere sehr stark befahrene Straßen mit ebensolchen Kreuzungen. Geht er allein muß man befürchten, daß ihn eine bestimmte Sorte von Männern anspricht. Er geht um 7.25 Uhr morgens aus dem Haus und kommt nachmittags um 16.45 Uhr nach Hause. In den Schulen sind gestreßte Lehrer, die sich auch noch für Inklusionsklassen vorbereiten müssen und zu Hause selber 2-4 Kinder haben. In vielen Klassen hat fast jedes Kind eine andere Nationalität, weil wir Deutschen ja keine Kinder mehr haben. Auch darauf müssen Eltern und Kinder Rücksicht nehmen. Ich hoffe, daß viele SB-Teilnehmer viele Enkel haben und sich tüchtig um diese kümmern und mit diesen befassen können. Ich habe leider nur einen und wenn ich kann, hüte ich ihn mit Begeisterung. Jedoch wünschte ich mir mehr Freiheit für ihn, leider in einer Großstadt kaum möglich. Jedenfalls nicht mehr heutzutage wenn beide Eltern arbeiten müssen, um die Miete bezahlen zu können.
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Da kann ich Dir nur beipflichten. Glücklicherweise, wurde nicht mit dem Sagrotanlappen hinter mir hergewischt. Ich habe Obst von Bäumen und Sträuchern gefuttert...keine Ahnung, ob da was gespritzt war.
Bundesjugendspiele....immer unter dem letzten Drittel.
Ich hatte jede Menge Blessuren : in den Daumen geschnitten beim Basteln von Kastanienmännchen u.s.w., aber ich hatte weder Kinderkrankheiten , noch andere schwerwiegende.
Mein Körper hat die Chance bekommen, Antikörper aufzubauen.
In jüngeren Jahren 2 km zum Schwimmbad im Nachbarort gelaufen und später dann mit dem Fahhrad (ohne Gangschaltung) 8 km nach Bad Soden ins Schwimmbad gefahren und das ganz alleine.

Ich beneide die Kinder heute nicht. Sie bekommen kaum die Chance, selbständig zu werden und wohnen ja oft vor lauter Betüttelung als Erwachsene noch zu Hause.
Man muß aber auch sagen, daß die Gesetze auch nicht ganz unschuldig daran sind. Bei mir hat kein Hahn danach gekräht, wenn ich mir im Sommer im Alter von 10 Jahren beim Obstpflücken Geld verdient habe, denn Taschengeld, sowas gabs nicht. Ich habe in einem Cafe bedient und serviert mit 12 Jahren, das wäre heute garnicht möglich. Ich habe Zeitschriften ausgefahren bis zu 15 km mit dem Fahrrad.
Das ist ja heute garnicht mehr erlaubt.
Ich wäre auch nie auf die Idee gekommen, meine Mutter zu verklagen, weil sie mir ein paar gewischt hat. Die Zeiten haben sich stark geändert und nicht unbedingt zum Vorteil.
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Sehr richtig Klaus! Lernen durch eigene Erfahrung - so hat es die Natur vorgesehen! Kleinere Unglücke müssen vom Kind selbst erfahren werden... die großen hält man von ihnen fern!
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Es ist ein Trugschluss, dass das Beschützen der Kinder die Hauptaufgabe der Eltern ist. Oberste Priorität sollte sein, die Kinder aufs Leben vorzubereiten. Dazu gehören auch altersgemäße kontrollierte Risiken. "Kontrolliert" heißt, dass wir als Eltern kleinere Malheure hinnehmen aber Katastrophen vermeiden.
Als Beispiel: Ein begleiteter Zeltausflug in die Wildnis ist ok (ab etwa 8 Jahren), Schnupfen, nasse Füsse, Essen aus der Dose, Hunger und Frösteln, weil es erst Frühstück gibt, wenn genügend Holz fürs Lagerfeuer gesammelt wurde. Das alles würde ich noch zu den Abenteuern zählen.
Und für alle größeren Katastrophen hat die Begleitung ein Handy und kann Hilfe herbeirufen.
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ich glaube nur in der Stadt hier bei uns auf dem Land leben die Kinder noch so.wie wir Früher
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manche ja, manche nein. Kommt wohl immer auf die Eltern an ist kann nicht verallgemeinert werden.
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Leider beobachte auch ich,das die Kinder sich heut zu Tage nicht ausprobieren dürfen.Beim hinfallen mit Roller,Fahrrad,Inleinern passiert es nun mal,das es auch zu Verletzungen führt.Die Eltern sich nicht die Zeit nehmen,den Kinder nicht die Zeit geben viele Sachen aus zu Probieren.Beim Einkauf die Kinder mit einbinden.Auch 3 jährige,sind in der Lage,wenn sie immer mit eingebunden sind aus einem Regal ein Produkt heraus zu holen,wenn Eltern sie lassen.
Es liegt aber nicht nur an den Eltern !!!!! Die Mitmenschen müßten auch wieder mehr Tolleranz gegenüber brüllenden Kindern zeigen.Manche geben ihren Unmut nun mal lautstark zum Ausdruck,wenn sie zum Beispiel nicht das bekommen was sie haben möchten.Es ist nervig ja,aber nur durch die standhaftigkeit der Eltern,Großeltern oder anderer begleitender Personen lernen die Kinder,das es nicht immer nach dem niedlichen kleinen Geschöpf gehen kann oder muß.
Meine Kinder und auch inzwischen die Enkelkinder,haben Sand gegessen,mal beim Pfützen springen das Wasser in den Mund bekommen,ein Stück Wurst was runter gefallen war trotzdem gegessen.
Keiner war je ernsthaft da durch erkrankt.Im Gegenteil,sie waren immer Gesund,hatten die wenigsten ausfälle in Kindergarten und Schule.Bei jeder Witterung zu Fuß,Roller,Rad zum Schwimmtraining oder später auch zu Kanutraining.Die seltenste Zeit wurden sie mit dem Auto gefahren,weil der Papa dafür keine Zeit hatte und ich keinen Führerschein.
Eine Frage, warum müssen Kinder in der Kaufhalle schreien, wenn sie nicht das bekommen, was sie möchten?
Auch bei uns gibt es nicht alles, was mein Enkelsohn haben möchte. Es wird mit Bestimmtheit ein "nein" gesagt und damit ist die Sache erledigt. Er weiß es aber auch, dass hysterisch zu werden überhaupt nicht hilft.
Er hat mich öffentlich noch nie blamiert!
Ich denke, auch das ist eine Frage der Erziehung!
Kinder schreien in der Kaufhalle, weil sie wissen, dass die Eltern nachgeben, wenn sie lange und laut genug schreien. Hat seinerzeit bei mir nicht geklappt: sagte ich nein, dann war und blieb es ein nein. Zu Hause angekommen stellte ich in Aussicht, dass es beim nächsten Einkauf etwas "Schönes" gibt, wenn nicht gebettelt oder gebrüllt wird. Ich hatte in Zukunft, bis auf einige "Ausreisser", immer einen ruhigen Einkauf. Die Kinder müssen nur wissen, wo sie bei den Eltern dran sind. Dann klappt es auch. Und die Eltern müssen auch mal ein schreiendes Kind aushalten und nicht den Mund mit Schokolade vollstopfen, damit der Nachbar nichts hört.
Das Kind schreit nur weil es weißt, dass es Erfolg haben wird! Wenn es keine Richtlinie in der Erziehung gibt, dann geht es durcheinander.
Mein Sohn beklagt sich bei mir, dass mein Enkelkind, wenn er irgendwelche Ausgaben erfüllen muss, er mit ihm mindestens 1 Stunde diskutiert, dass er am Ende total genervt ist.
Ich verstehe es einfach nicht, wenn er bei uns ist, dann wird der Tagesplan abgestimmt. Er akzeptiert den auch, Diskussionen kenne ich keine.
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