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Haben wir es noch in der Hand?

Von wize.life-Nutzer - Freitag, 29.01.2016 - 03:44 Uhr

Es gab einmal klare Strukturen im Familienleben - und vor Allem eine klare Rollenverteilung. Mutter war der Ruhepol zu dem man immer kommen konnte, wenn schlechte Nachrichten aus der Schule auf dem Tagesplan standen und Vater war Derjenige, der Entscheidungen traf. Jedenfalls glaubte er das und spätestens beim nächsten Besuch der Schwiegereltern war klar, dass es nur eine kurzfristige Illusion war. Trotzdem war sein Wort eine Art Alltagsgesetz und es wurde nur selten rebelliert. Erziehung war autoritär und es hat mehr oder weniger alles funktioniert.

Doch die Zeiten ändern sich und damit wurde auch die Frage des Respekts verschoben. Heutzutage bleibt Eltern nur ein ein kurzes Zeitfenster, in dem man wirklich noch Einfluss darauf hat, was der Nachwuchs für die Zukunft mit bekommt. das Leben scheint schneller abzulaufen und schon bald ersetzen Google und Wikipedia die elterlichen Antwortgeber. Mama ist nur noch doof, weil sie so wenig weiß und Papa hat die wirklich wichtigen Antworten nach Pizza und Sex auch gegoogelt. Wie der Alltag bestritten wird, erfahren die lieben Kleinen von Ballerspielen wie Counter-Strike und netten Mitschülern, die Anderen ihre Handys klauen. Der Name "Kevin" scheint bei vielen Lehrern inzwischen kein Name mehr zu sein, sondern eine Diagnose.

Das Prinzip "Vorleben" hat ausgedient, denn dafür bleibt einfach keine Zeit mehr. Zu sehr wird der Alltag vom wirtschaftlichen Überleben geprägt und in nicht wenigen Fällen haben Eltern nach den ersten drei Lebensjahren ausgedient. Spätestens dann, wenn das Wort NEIN den Weg in den kindlichen Sprachgebrauch gefunden hat. Die Unzufriedenheit der Eltern überträgt sich wie von selbst auf das Wesen des Kindes, denn die feinen Antennen der Kids für Dinge, die einfach nicht in Ordnung sind, funktionieren zum Leidwesen der Eltern hervorragend.

"Nein" ist aber auch wichtig für Kinder, denn dieses kleine Wort stärkt das Selbstvertrauen ungemein. Es kommt nur besser ausserhalb der Familie an, denn oft genug versuchen Eltern den kindlichen Widerspruch im Keim zu ersticken. Damit entfremden sich Kids langsam und die Stimme der Eltern ist kaum noch maßgeblich. Ich halte nicht viel von antiautoritärer Erziehung, denn wenn Kinder lernen, sich gegenüber den Eltern in allen Bereichen durchzusetzen, wird auch diese Eigenschaft ein ständiger Begleiter im zukünftigen Leben des Kindes sein. Eine Generation von Regelbrechern und Sozialanarchisten ist uns auf diese Art sicher.

Manchmal scheitert es wirklich nur an Zeit und Geduld um Kindern zu erklären, warum Dinge so und nicht anders laufen und man sollte Kids auch niemals unterschätzen. Sie verstehen sehr früh auch die komplizierten Dinge des Lebens, wenn man sie vernünftig und kindgerecht erklärt. Das lässt auch das Vertrauen wieder aufleben und man hat es etwas länger in der Hand, was letztendlich aus den Kleinen wird. Das ist wirkungsvoller, als Gewalt in jeder Form. Eine Ohrfeige tut physisch kaum weh, hinterlässt aber besonders in Wiederholungsfällen tiefe Gräben die sich nicht wieder schließen lassen. Darum sollten Eltern auch mal die Größe haben, sich u.U. beim Kind zu entschuldigen, wenn derartige Fehler gemacht werden. Auch DAS ist Persönlichkeitsbildung...

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5 Kommentare

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Wichtiges kurz zusammengefaßt.
Wichtiges? Sehr Wichtiges!
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Ich glaube, wenn Eltern begreifen dass der Prozess der Trennung des Kindes von den Eltern und damit das Selbständigwerden des Kindes mit dem Durchschneiden der Nabelschnur beginnt, dann würde ihnen auffallen, dass sie nur Begleiter beim Gang in die Selbständigkeit sein können. Begleiter sein, heißt ihnen zur Seite zu stehen, ihnen dabei zu helfen ihre Selbständigkeit zu erlangen. Dazu gehört auch sie erfahren zu lassen, dass sie allein die Verantwortung für ihr Tun haben, ob im kleinen Rahmen oder später im großen Rahmen. Es geht dabei nicht um die einzelne Regel, sondern um die Fähigkeit Verantwortung für sich zu erkennen.

Sie zu begleiten bedeutet auch ihnen die Folgen zu erläutern, die ihr Tun haben kann, d.h. ihnen bei zu bringen vorausschauend zu denken ohne zu erstarren. Das bedeutet auch, die Kinder und Heranwachsenden so früh wie möglich an selbständiges Tun heranzuführen, sie gewähren zu lassen. Das Unglück wird man als Eltern nicht verhindern können, dessen muss man sich bewusst sein.

Ich möchte, wenn meine Kinder das entsprechende Alter haben, dass sie sagen:"Schön war's! Aber jetzt möchte ich gehen!".
Das "ich möchte jetzt gehen", so wie ich es beschrieben habe, bedeutet für mich, dass mein Kind sich selbständig fühlt und mich nicht mehr braucht, um sein Leben zu führen. Ich finde, das ist ein tolles Signal!
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Kindererziehung ist sehr schwer, man braucht sehr viel Durchhaltevermögen und Konsequenz, aber vor allem sehr viel Liebe, dann fallen auch alle Zuwendungen weniger schwierig aus.. und reden reden reden denn Kinder sind kleine Partner und wir sollten alle Problem soweit es irgend möglich ist miteinander bewältigen.

Schlagen tuen nur hilflose Menschen !!!!
Kleine Partner ? Könnte man so sehen. Aber die Rangordnung darf sich trotzdem nicht verschieben und das passiert nur all zu oft.
Schlusssatz passt 100%
Da hast Du Recht.. ich meinte jetzt man sollte es in der Erziehung so sehen.. natürlich sollten die Eltern eine bestimmte Grenze einhalten, den das Kind hat Gehorsam zu lernen u.s.w. aber keine Diktatur, wie das bei mir noch der Fall war ( bei meinem Vater ) ich wurde von ihm alles nur nicht selbständig erzogen, durfte keine eigene Meinung haben.. das geht garnicht... ich bin für das goldene Mittelmaß..
und ganz ehrlich, ich muß mich wundern auch mein Sohn erzieht seine Tochter so und meine andere Schwiegertochter mit 3 Kindern auch und holt sich Hilfe bei meinem gottseidank noch lebenden Sohn, wenn sie es benötigt...

Peter darüber bin ich sehr glücklich, das hätte in die Hose gehen können... als mein Großer überraschend verstorben ist, brachte sich der Kleine und seine Frau voll ein....ich denke auch das liegt etwas an der Erziehung....
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