Schriftsteller und Köchin

Beitrag von wize.life-Nutzer

Diskussion

In meinem LiteraturGesprächskreis wurde ein Buch über Kafkas letztes Lebensjahr besprochen.
Als er schon sehr krank war – Tuberkulose – lernte er eine 15 Jahre jüngere Frau kennen, die ihn bis zu seinem Tod pflegte. Diese Dora war Köchin und er ein schon etwas bekannter Schriftsteller.

Ich vertrat die These und vertrete sie weiterhin, dass eine Beziehung zwischen einem Schriftsteller und einer Köchin keinen Bestand auf Dauer hat, in der Regel. Es könnte seltene Ausnahmen geben, aber im allgemeinen ist das Bildungsniveau zu unterschiedlich. Die Frauen in der Literaturgruppe haben dem nicht zugestimmt. So habe ich die Argumentation erweitert und gesagt, dass auch eine Beziehung zwischen einer Professorin und einem Müllmann kaum Aussicht auf Erfolg hat. Es geht also nicht um eine feministische Argumentation. Auch geht es nicht um Köche und Müllmänner oder um Schriftsteller und Professoren, es soll dadurch lediglich die Bildungslücke anschaulich gemacht werden.

Was wäre passiert, wenn Kafka seiner Freundin Dora aus der Verwandlung vorgelesen hätte: Als Georg Samsa eines morgens erwachte, stellte er fest, dass er sich in einen großen Käfer mit einem dicken Leib und spindeldürren sechs Beinen verwandelt hatte?
Dieser Text irritiert bis heute Literaturwissenschaftler und was hätte Dora dazu gesagt? Und hätte sie etwas sagen können zu expressionistischer Malerei oder zu klassischer Musik?

Ihr mögt meine Meinung elitär oder arrogant nennen, aber es ist die Lebenswirklichkeit, dass zu große Bildungsunterschiede eine Beziehung auf Dauer nicht aushalten. Wohl gemerkt: es geht um Bildung nicht um Intelligenz.
Oder wie ist Deine Meinung dazu?