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Vernünftig oder nur vernunftbegabt ?

Von wize.life-Nutzer - Montag, 03.06.2019 - 22:56 Uhr

Vernünftig - oder nur vernunftbegabt?


1. In einem psychologischen Experiment mit zwei Personen - nennen wir sie A und B - wurden der Person A hundert Euro gegeben mit folgender Massgabe: A musste die hundert Euro mit B teilen. Wie genau er teilen wollte, blieb ihm überlassen. Er musste B ein Angebot machen. Er konnte B etwa die Hälfte anbieten oder ein Viertel oder auch nur einen einzigen Euro.
War B mit dem Angebot einverstanden, durften sie das Geld behalten. Aber: war B NICHT einverstanden, bekamen BEIDE NICHTS.
Wie sollte sich B nun verhalten, wenn man ihm nur einen einzigen Euro anbot? Vernünftig wäre doch, das Angebot anzunehmen, so hätte er wenigstens den einen Euro bekommen. Die meisten Versuchspersonen lehnten aber so niedrige Angebote ab und bekamen lieber gar nichts. Ist das vernünftig ??

2. Zwei Äffchen lebten in zwei Käfigen nebeneinander. Man brachte ihnen Kunststückchen bei und jedesmal, wenn sie diese richtig ausführten bekamen sie zur Belohnung ein Stückchen Gurke. Beide Äffchen waren zufrieden. Bis der Versuchsleiter eines Tages das erste Äffchen mit einer leckeren Traube statt der Gurke belohnte. Das zweite Äffchen bekam aber weiter ein Gurkenstückchen - und wurde darüber so wütend dass es das Gurkenstückchen aus dem Käfig warf. Ist das vernünftig ??

3. In der Bibel finden wir das Gleichnis vom Weinbauern. Dieser Winzer engagiert sich frühmorgens ein paar Arbeiter, wird mit diesen über die Bezahlung einig, sodass die Leute den ganzen Tag im Weinberg arbeiten. Als er aber sieht, dass es ihnen nicht gelingt, die Arbeit zu vollenden, ruft er eine Stunde vor Feierabend noch weitere Arbeiter hinzu. Und als es ans Bezahlen geht, bekommen diejenigen, die nur eine Stunde gearbeitet haben, genausoviel wie die, die den ganzen Tag gearbeitet haben - worauf letztere böse werden. Obwohl sie doch am Morgen mit dem Lohn für den ganzen Tag einverstanden waren. Ist das vernünftig ??

Die Theologen deuten diese Story so: die erbosten Arbeiter waren nicht etwa gerechtigkeitsliebend sondern sie waren neidisch. Der Winzer (hier als Metapher für Gott) kann schliesslich sein Geld verschenken an wen er will..
Aber ist das Äffchen mit dem Gurkenstückchen auch nur neidisch? Und die Person B, die den einen Euro lieber zurückweist, damit die Person A auch nichts bekommt?

Verführt uns der Neid dazu, etwas wegzuwerfen, nur weil andere etwas Besseres bekommen?

Vernünftig ist das doch nicht, oder?

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7 Kommentare

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Im weiteren Sinne passt dazu, was ich heute aufgeschrieben habe.
Es ist noch nicht so ganz "druckreif" - aber es geht in die Richtung "vernunftbegabt", nicht aber tatsächlich vernünftig:

Der Mensch an sich hat einen Verstand, der ihn (theoretisch) zur Vernunft befähigen könnte.
Der Mensch an sich hat die Fähigkeit, wirkliche Gefühle zu haben.
Und der Mensch hat einen Körper, der ihn befähigt, allerlei nützliche Dinge zu tun.

Aber statt vernünftig zu sein, sind wir lieber gefangen in Illusionen, Vorurteilen, antrainierten Sichtweisen, verheddern uns in Politik, Religion, Philosophie und anderen Unfug - und jede(r) glaubt, im Recht zu sein.
Statt wirkliche Gefühle zu haben, ergehen wir uns in allerlei Formen von Negativiät, Ärger, Neid, Mißgunst, Schadenfreude, Eifersucht, Arroganz, Selbstüberhöhung, Selbstwichtikeit oder billigem Amüsement.

Statt nützliche Dinge zu tun, erfinden wir ein Gerät nach dem anderen, das uns "Arbeit abnimmt", damit wir uns nicht anstrengen müssen. Oder um Arbeitskräfte und Geld einzusparen. Oder damit etwas schneller geht.
Und was tun wir mit der "gewonnenen" Zeit?

Tiere sind Tiere. Sie folgen ihrem Instinkt, ihren Trieben zur Paarungszeit und denken nicht über sich selbst nach.
Wir haben ein mächtiges Werkzeug mitbekommen, um vernünftig miteinander und füreinander und zum Wohle des Planeten und der Natur hier zu leben.
Wir nutzen es aber nicht und sind lieber wie Tiere - wobei wir aber glauben, über ihnen zu stehen und uns durch "Intelligenz" auszuzeichnen..

Es bleibt eigentlich nur eine Schlussfolgerung: Wir sind dumm.

Es sollte aber auch klar sein, dass Dummheit nicht vor ihren Folgen schützt.
Jürgen,

Was sind "wirkliche Gefühle" ??
Gibts auch unwirkliche Gefühle? Oder sind Gefühle von Natur aus nicht immer "unwirklich" also subjektiv?

Warum sind "wirkliche Gefühle" so wichtig für dich ?
Das ist eine gute Frage. Gefühle, in meiner Terminologie eher Emotionen, gibt es in allen Bereichen des menschlichen Funktionierens. Im Körper, in den Gefühlen und auch im Intellekt.
Viele dieser emotionalen Reaktionen auf Eindrücke, von außen und auch von innen, sind angelernt.
Insofern sind sie nicht "echt" - auch wenn sie andererseits natürlich weitreichende Folgen für uns und unsere Umwelt und Mitmenschen haben können. Was die Sache nur schlimmer macht.

Wenn etwa Zorn in unserem emotionalen Funktionieren uns dazu verleitet, jemand anderem Schmerz zuzufügen.
Prinzipiell könnten wir eine Instanz in uns entwickeln oder entwickelt haben, die über dem Zorn steht, so dass der Zorn nicht uns beherrscht, sondern ich den Zorn.
Ähnlich ist es mit Neid, Mißgunst, Selbstmitleid, Furcht usw.
Je nachdem, in welchem Umfeld man aufwächst, lernt man bestimmte Emotionen über sich herrschen zu lassen, einfach weil alle anderen um einen herum es auch tun.
Es spielen viele Faktoren hier eine Rolle.

Echte Gefühle, wie z.B. Trauer, wirkliche Freude, Mitgefühl u.ä. sind nicht angelernt, sondern haben eine natürliche Quelle in uns. Aber auch der Umgang damit sollte gelernt werden.

Es ist nicht ganz einfach, dieses menschliche Funktionieren zu beschreiben und es ist tatsächlich schwierig, hier die Spreu vom Weizen zu trennen.
Möglich wird es eigentlich nur, wenn man anfängt, solchen emotionalen Zuständen nicht die Führung über sich selbst zu gestatten.
Dann entwickelt sich nach und nach ein "Geschmack" dafür, was wirklich ist und was nicht.

Es ist we das Pflegen eines Gartens: wenn man ständig den Blumen, den Kräutern usw. Aufmerksamkeit zukommen lässt und dafür sorgt, dass das "Unkraut" nicht das Schöne und Nützliche überwuchert, dann gedeiht der Garten.
Leider hat "Unkraut" die Eigenart, ohne unser Zutun zu gedeihen und sich auszubreiten. Deshalb ist es so leicht, zu einem "zugewucherten Garten" zu kommen.
Da wir das aber nicht sehen wollen, reden wir uns den zugewucherten Garten schön und schreiben dem Unkraut nützliche Eigenschaften zu, oder sagen einfach "so bin ich eben".

So viel mal dazu an dieser Stelle.

Eine Anekdote aus dem Zen beschreibt die Sache ebenfalls:

Der Schüler fragt seinen Zen-Meister:
"Meister, was unterscheidet uns eigentlich voneinander?"
Der Meister antwortet:
"Ich habe zwei Diener, deren Sklave du noch bist: die Gier und den Zorn."
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Schwierige Frage....wen ich B wäre würde ich auch ablehnen, weil 99x mehr ist wirklich nicht gerecht...wer so habgierig ist wie A dem geschiet es nur recht wenn er dann garnichts kriegt
Na ja, Waltraud,

Einen Euro kann man schon mal opfern um einem anderen, den man für ungerecht hält, eins auszuwischen.

Aber nehmen wir mal an, A bekäme eine Million. Und er würde auch 99% für sich behalten wollen, d.h. für B blieben "nur" zehntausend Euro übrig.
Würdest du es nicht für verrückt halten, auf zehntausend Euro zu verzichten, bloss um der Gerechtigkeit willen?

Kann es dir nicht eigentlich piepegal sein, wieviel "A" bekommt?

Angenommen A bekäme elftausend Euro und würde dir zehntausend davon anbieten. Würdest du das auch ablehnen?

Letzendlich kommt es doch nur darauf an, wieviel Geld DU erhältst und nicht darauf, wieviel der "A" für sich behält.

Wärst du nicht freundlich auf das Angebot eingegangen, wenn A dir einen Euro schenken wollte - wenn du gar nicht wüsstest, dass er einen viel größeren Teil für sich behält?

Die theologische Interpretation des biblischen Gleichnisses vom Weinbauern lautet ja auch: die murrenden Arbeiter sind bloss neidisch.

Bist du auch bloss neidisch, weil der "A" mehr bekommt als du?

Ist Neid nicht ein unschöner Charakterzug? Dem man tunlichst nicht folgen sollte??

Also was ist jetzt vernünftiger?
ja so kann man es auch sehen, geb ich dir recht...ich kenne aber mich und ich weis das ich nie neidisch bin, aber sehr grossen gerechtigkeitssinn habe...
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Gute Frage!
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