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Drei Häuptlinge der Schwarzfuß-Indianer

Die Einladung

Von wize.life-Nutzer - Mittwoch, 29.04.2015 - 10:50 Uhr

Die Einladung

Es interessiert mich nicht, womit du deinen Lebensunterhalt verdienst.
Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.

Es interessiert mich nicht, wie alt du bist.
Ich will wissen, ob du es riskierst wie ein Narr auszusehen, um deiner Liebe willen, um deiner Träume willen und für das Abenteuer des Lebendigseins.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen.
Ich will wissen, ob du den tiefsten Punkt deines Lebens berührt hast, ob du geöffnet worden bist von all dem Verrat, oder ob du zusammengezogen und verschlossen bist aus Angst vor weiterer Qual.

Ich will wissen, ob du mit dem Schmerz - meinem oder deinem - dasitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder ihn zu mindern oder ihn zu beseitigen.

Ich will wissen, ob du mit der Freude - meiner oder deiner - da sein kannst, ob du mit Wildheit tanzen und dich von der Ekstase erfüllen lassen kannst, von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen, ohne uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft, oder die Grenzen des Menschenseins zu bedenken.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du erzählst, wahr ist.
Ich will wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst, um dir selber treu zu sein.
Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.
Ich will wissen, ob du vertrauensvoll sein kannst und von daher vertrauenswürdig.

Ich will wissen, ob du Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du dein Leben aus Gottes Gegenwart speisen kannst.
Ich will wissen, ob du mit dem Scheitern - meinem oder deinem - leben kannst und trotz allem am Rande des Sees stehen bleibst und zu dem Silber der Vollmonds rufst: “Ja!”

Es interessiert mich nicht zu erfahren, wo du lebst und wie viel Geld du hast.
Ich will wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und der Verzweiflung, erschöpft und bis auf die Knochen zerschlagen, und tust, was für die Kinder getan werden muss.

Es interessiert mich nicht, wer du bist und wie du hergekommen bist.
Ich will wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst.
Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem du gelernt hast.
Ich will wissen, was dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt. Ich will wissen, ob du allein sein kannst und in den leeren Momenten wirklich gern mit dir zusammen bist.

Oriah Mautain Dreamer, Indianischer Stammesältester

Dieser Text, in den unterschiedlichsten Lebenslagen möglichst laut gelesen, egal, ob in heller Freude, im Überschwang oder tränenerstickt, lässt Nähe, Menschlichkeit, Verständnis, Angenommensein spürbar werden.
Ich wünsche Euch Einblicke

22 Kommentare

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Danke fürs Einstellen ! Dieser Text begleitet mich nun schon fast 20 Jahre
Gerne doch. Mir ist er ca. 2001 'begegnet'
Er hat was magisches...
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Danke für diesen berührenden Beitrag! Man sollte ihn immer wieder lesen und verinnerlichen.
Nicht nur 'man' Tu das. Ich denke sehr oft an diesen Text. Es kommen immer wieder Situationen, die 100ig passen.
Okay, Du hast recht...ich werde ihn immer wieder lesen... habe ihn mir ausgedruckt. Manches darin ist mir auch schon in den Sinn gekommen...und immer wieder in den Hintergrund geraten. Gut, dass diese Gedanken sich nun schwarz auf weiß ins Gedächtnis rufen lassen.
Ganz meine Meinung! Der Text eignet sich hervorragend zum Weitergeben an Geburtstagen, Hochzeiten, an Traurige und so weiter. Viel Freude Dir.
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Ein wunderbarer Text, der mich sehr berührt hat und ich noch oft er lesen werde. Danke dafür!
LG. Ingeborg
Ich habe ihn lediglich weitergereicht. Schön, dass er Dir gefällt. Ich wünsche Dir viel Freude damit.
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Wunderschön und sehr berührend...
Stellenweise erkenne ich mich selbst darin.
Ich hatte mich auch immer gewundert, woher mich dieser Mensch kennt.
Es freut mich, dass Dir der Text gefällt.
Eigentlich hatte ich den gleichen Gedanken: Woher kennt dieser Mann mich? Wollte es aber so deutlich nicht schreiben.
Ein wundervoller Text. Ich danke dir, Renate!
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Wunderschöner Text! Ich kenne ihn auch schon sehr lange und habe ihn oft verschenkt. Schön, dass Du ihn hier eingestellt hast, Renate.
Gerne, habe lange drüber nachgedacht, ob ich das machen soll.
Als Geschenk eignet sich der Text wunderbar!
Ich kann Dich verstehen, Renate. Wegen des Satzes "...Ich will wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst...." habe ich beim Verschenken immer dazu geschrieben, dass ich's nicht persönlich meine. Wäre bei allen aber vermutlich auch ohne diesen Hinweis gut angekommen. Manchmal macht man sich einfach viel zu viele Gedanken, oder ... ?
Ja, da stimme ich Dir zu. Warum sollte nicht der/die andere mit Dir in der Mitte des Feuers stehen? Falsche Zurückhaltung, ganz oft. Wenn Du mit Deinem Erzfeind auf eine einsame Insel kämest, was wäre dann?
Ich denke öfters mal drüber nach, weil mir bei weitem nicht alle Menschen sympatisch sind, wie weit reicht bei mir die Offenheit, wie weit würde sie reichen, notfalls?
Schau Dir z.B. die Montagsdemos an. Ein Ziel, das verbindet. Ansonsten läuft man wieder auseinander. Bloß nichts verbindliches.
Ich glaube, wir sollten viel öfter über unseren eigenen SChatten springen. Das gilt auch für mich.
Ja, Renate, das sehe ich auch so. Diese unbedingte Unverbindlichkeit, bis hin zur Einsamkeit in großer Menge, ist eine seltsame Zeiterscheinung. Gegründet wurde sie mit der Abschaffung der Großfamilie und der Einführung des Sigledaseins. Da wurde für die vermeintliche Unabhängigkeit/Freiheit viel an sozialer Kompetenz aufgegeben.
Heutzutage suchen Wissenschaftler nach den Gründen der Langlebigkeit bei Hundertjährigen im Trinkwasser oder in der Ernährung. Dabei sind die meisten einfach nur eingebunden in ein funktionierendes Familiensystem, wo einer sich um den anderen kümmmert, was diese Menschen einfach glücklich macht. Natürlich kommt lebenslange Mäßigkeit und ein arbeitsreiches Leben dazu, aber das Gros macht die Verbindlichkeit innerhalb des Sozialsystems aus.

Wer traut sich denn noch, offen und ehrlich zu sagen, was er denkt und welche Gefühle ihn bewegen? Ist selten geworden. Drum ist "Dein" Text durch seine Direktheit so erfrischend und man kann sich sofort mit ihm identifizieren.
Da könnte wirklich was dran sein, Sigrid. Wurde das noch nie untersucht? Seltsam. Die schlauen Wissenschaftler denken doch sonst an alles.
Erstaunlicher Weise wollen alle Unabhängigkeit und es gibt soundsoviele Singeles, die 'glücklich' seien. Doch die Singlebörsen sind voll von ihnen. Vermutlich wollen doch gar nicht so viele gerne alleine sein.
Wenn man z.B. in Facebook schaut, wie viele 'Freunde' manche Leute haben... schon erschreckend. Familienersatz, sonst nichts.

Deinen Hinweis finde ich sehr wertvoll, danke dafür.
Freut mich, dass ich einen Gedankenanstoß geben konnte.
Ich persönlich glaube auch nicht an Millionen glücklicher Singles. Da hast Du sicher recht mit dem Familienersatz.
In den Lauf der Zeit müssen wir uns fügen, wenn wir nicht ständig gegen den Strom schwimmen mögen. Die Kinder unserer Generation sind die "unabhängigen Hängeköpfe" (weil sie ständig den Blick auf ihr Smartphon senken) und unsere Generation will den Kindern auf gar keinen Fall zur Last fallen. Ein bisschen "krank" auf beiden Seiten.
'unabhängige Hängeköpfe' Sehr gut, das gefällt mir!!!!!!
Schon ein bisschen krank, haste recht. Ver-rückt.
hi hi hi
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habe den Text schon sehr lange.
er berührt mich jedesmal aufs Neue, wenn ich ihn lese.
das geht mir genauso.
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