Die Christen, "Licht der Welt"? (Gedanken zu Mt 05.13-16)

Beitrag von wize.life-Nutzer

Jesus spricht in diesem Abschnitt aus dem 5. Kapitel des Matthäus-Evangeliums drei Grundbedürfnisse des Menschen an:

Nahrung: Sie soll nicht nur die Funktion der Kalorien­zufuhr erfüllen, sondern sie soll auch gut schmecken, z.B. durch die Zugabe von Salz, die Appetit macht.

Leben in der Stadt: Das hat eine andere Lebensqualität, eine andere Vielfalt und Entwicklungsmöglichkeit als in der verstreuten Einsamkeit eines unbewohnten Landes.

Licht! Es erweitert den Lebensraum des Menschen über die Zeit des Tageslichtes hinaus. Licht gibt Sicherheit und Bewegungsmöglichkeit in der Dunkelheit.

Diese Grundbedürfnisse sollen im übertragenen Sinn die Jünger Jesu, also wir alle (!) für die Welt gewährleisten.
Das gehört untrennbar zu unserer Berufung und Sendung.
Wie geht das eigentlich?
Wenn Jesus uns als das „Salz der Erde“ bezeichnet, dann schreibt er denen, die IHM nachfolgen, exklusive und nicht von anderen so einfach kopierbare Charaktereigenschaften zu. Salz der Erde, darunter verstehe ich eine Art des Zusammenlebens, die einfach schön und harmonisch, lebenswert und selbstlos ist.
Wenn wir uns in der Welt umsehen, dann sehen wir genau das nicht. Wir sehen eine Welt voller Habgier und Machtanspruch, voller Ungerechtigkeit und Unterdrückung.
Wir sehen eine „geschmacklose“ Welt, die zutiefst erlösungs­bedürftig ist und viele Menschen leiden lässt.
Schaffen wir es eigentlich, hier in Stralsund dem Leben in der Stadt „Geschmack“ zu geben, den Geschmack der Freundlichkeit und des wohlwollenden Miteinanders?
Bestimmt gibt es viele Situationen und Momente, wo wir es erleben, dass unser Leben den „Geschmack“ der Liebe und des guten Umgangs hat. Aber es bleibt verständlicherweise noch vieles zu tun, weil wir eben auch die Kehrseite jenes geschmack­vollen Lebens kennen, was nach Veränderung ruft.
Wenn wir Christen es nicht schaffen, ein selbstloses Miteinander und Füreinander zu leben und vor zu leben, dann gibt es sonst niemand, der das auf Dauer leisten kann und will.
Und wenn wir Christen, die wir uns immer wieder zu einem solchen liebevollen Umgang ermahnen und ermutigen, eben diesen Lebensstil nicht praktizieren, dann erfahren wir den Spott und Hohn vom Rest der Welt. Wir werden im wahrsten Sinn des Wortes „weggeworfen“ und auf der Straße der Medien und der öffentlichen Meinung „zertreten“.
Und immer dann, wenn es uns gelingt, „Salz der Erde“ zu sein, dann bekommen auch andere „Appetit“, sich unseren Überzeu­gungen anzuschließen, unsere Weltsicht zu teilen.
Entsprechend ist es auch mit dem Bild von der Stadt auf dem Berg. Man sieht sie schon von weitem und man kann sie nicht übersehen. Seit jeher haben Menschen ihre Städte wenn möglich auf Hügeln oder Berghängen gebaut. Das bietet eine Reihe von Vorteilen gegenüber Siedlungen im Tal.
Diese Vorteile lassen sich leicht auch auf die spirituelle Dimension unseres Lebens übertragen. Eine Stadt auf dem Berg hat festen Grund, kann nicht so einfach bei Regen überflutet werden und lässt sich besser verteidigen, denn der Feind kommt immer vom Tal.
Wenn wir Christen von Jesus als eine „Stadt auf dem Berg“ be­zeichnet werden, dann sieht Jesus in diesem Vergleich sowohl die Vorteile zu einem gesicherten Überleben in stürmischen Zeiten als auch die Attraktivität dieses Lebensraumes für andere Menschen, die auf der Suche nach guten Lebensbedingungen sind.
Suchende Menschen wollen uns finden und werden uns finden, wenn wir wirklich „auf dem Berg“, also auf der Höhe unserer Berufung sind.

Und der dritte Vergleich, den Jesus anstellt:
Wir sind „das Licht der Welt“. Das klingt gerade so, als ob niemand anderer im Besitz dieses Lichtes ist als nur wir. Sind wir uns dessen bewusst? Wir haben etwas in Händen und in den Herzen, was sonst niemand in dieser Weise hat! Natürlich gibt es unter den Menschen, die ohne Gott leben, auch ehrliche und an­ständige, zuverlässige und liebevolle Menschen.
Aber diese gute Eigen­schaften haben immer dann Grenzen, wenn es an die Substanz des eigenen Lebens, an die Aufgabe eigener legitimer Interessen geht.
Nur diejenigen, die ihr Leben geben und dazu noch für ihre Feinde (!), haben jene Liebe, die die Jünger Jesu kennzeichnet.
Und eben diese Liebe ist das „Licht“, das Jesus in die Welt gebracht und uns anvertraut hat. Dieses Licht gibt Orientierung in dunklen Zeiten, gibt Zuversicht in unsicheren Zeiten. Dieses Licht leuchtet sogar über den Tod hinaus. Es ist ein Licht, das durch uns hindurch strahlt, weil es von Gott kommt.

Was können wir uns nun von diesen Worten Jesu mitnehmen auf unserem Weg.
** Ein klareres Selbstbewusstsein. Nicht weil wir „die Guten“ wären, sondern weil Jesus uns aus Milliarden Menschen ausgewählt hat, Salz, Stadt und Licht zu sein für diese Welt. Dieses Selbstbewusstsein setzt natürlich auch eine große Entschiedenheit voraus, wirklich so leben zu wollen.

** Eine hohe Wertschätzung gegen über unseren Glaubens­schwestern und -brüder. Auch wenn ich es vielleicht nicht direkt sehe oder mitbekomme, der andere ist in seiner Um­welt, in die ihn Gott gestellt hat, Salz, Stadt und Licht.

** Jesus will, dass die Welt unsere guten Taten sieht.
Das hat nichts mit Überheblichkeit oder Selbstgefälligkeit zu tun. Die Welt soll jene gute Taten sehen, die wir bestimmt nicht aus eigenem Interesse tun, sondern weil wir Seinen Auftrag und unsere Berufung ernst nehmen.

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