Ich hatte einen Traum
Ich hatte einen Traum

Ich hatte einen Traum

Beitrag von wize.life-Nutzer

Im Dezember 2013 unternahm ich einen Selbstversuch: 1 Monat kein wie immer geartetes Plastik nach Hause zu nehmen. Gleich vorweg: mein Experiment dauerte exakt 18 Tage, dann habe ich vollkommen entmutigt mit einem Gefühl der Einsamkeit aufgegeben. Über diese Erfahrung wollte ich heute kurz berichten. Dann ist während den Vorbereitungen zu diesem Vortrag etwas äußerst Seltsames passiert, ich hatte einen sehr intensiven Traum.
Dieser Traum beschäftigt sich mit dem heutigen Thema und soll uns allen helfen, ein wenig bewusst zu machen, dass wir nur Gast auf Erden sind, und uns auch so zu verhalten haben.
In meinem Traum befinden wir uns im Jahr 2033, meine Enkelin feiert den 20. Geburtstag. Ich sitze etwas abseits der großen Gesellschaft und trotzdem bekomme ich dank meines neuen Hörgerätes vieles von den Gesprächen mit. So werde ich Zeugin einer Unterhaltung zwischen meiner Enkelin und einer Freundin.
Ich höre, dass meine Enkelin mich vorstellt: Schau, das ist meine Oma, die hat die Umwelt gerettet. Die Freundin schaut sie beeindruckt und gleichzeitig fragend an. Ja, das kam so. Meine Oma stammt aus einer Generation, die noch keine Umweltverschmutzung kannte. Die Waren, die die Umwelt verschmutzten, mussten erst erfunden werden. Das hat dann ihre Generation gründlich getan.
Sie nannten das Wachstum, Wirtschaft. Angefangen hatte es noch ganz harmlos. Es wurden die Güter noch gemütlich und mit viel Spaß in den Firmen produziert, in den Büros wurde gescherzt, Blumen, Hippiekleidung und ein paar Joints waren wichtig, joint venture kannte man noch nicht.
Und stell dir vor, man kannte kein Internet, kein Handy, wenn dein Freund in Wien studiert hat, hast du ihm einen Brief geschrieben, mit der Post – damals gab es noch Ämter, die sich nur mit dem Verschicken und Austeilen der Post beschäftigt haben - geschickt, zwei Tage später hat er ihn gelesen, irrsinnig umständlich jedenfalls.
Meine Oma hatte in ihrem Büro eine elektrische Schreibmaschine. Sie versucht mir immer wieder zu erklären, wie das Teil funktioniert hat, aber das ist mir dann doch zu antiquiert, da höre ich nur mehr mit einem Ohr zu und lächle sie verständnisvoll an. Sie war halt so stolz darauf! Trotzdem, die Leute merkten damals schon, dass sie rückständig sind. Also wurde erfunden, produziert, erfunden, produziert.
Die Generation meiner Oma beschäftigte sich sehr intensiv mit Erfindungen, es waren teils gute dabei, der größte Teil war Müll! Dieser Müll wurde an Personen verkauft, die ihn nicht brauchten. Damit das funktionierte wurde Marketing erfunden. Marketing schafft es, Begehr nach etwas zu wecken, das man nicht braucht und Glück vorzugaukeln, das ein totes Material niemals erzeugen kann.
Es wurde nur Müll produziert, Erfindungen, wie man den Hunger in der Welt lösen könnte, gab es vielleicht auch, aber die fanden keine Abnehmer. Da steckte kein Gewinn dahinter, kein Marketing, also ab mit diesen Ideen in den Müll.
Natürlich merkten die Menschen bald, dass sie mit dem Müll, den sie gekauft hatten, nicht glücklich wurden, aber sie waren bereits süchtig. Weg mit dem alten, lass uns einen neuen kaufen, einen größeren, schöneren, vielleicht macht der uns dann endlich glücklich. Und so geschah es auch. Die Menschen kamen mit dem Erfinden und Produzieren nicht mehr nach, die Arbeit wurde immer mehr, weil immer mehr Müll gekauft wurde. Also wurden Maschinen erfunden, die die Arbeit der Menschen schneller, verlässlicher und ohne Krankenstände erledigten. Diese Geräte tratschten nicht, machten keine Kaffee- und Rauchpausen, flirteten nicht, kurz sie verschwendeten keine Zeit und hat keinerlei soziale und kommunikative Bedürfnisse. Allerdings zahlten sie auch keine Steuern.
Die Schreibmaschine meiner Oma wurde durch einen Computer ersetzt, der tausendmal schneller und sicherer rechnen konnte, als sie. Viele Leute, die an solchen Schreibmaschinen gearbeitet haben, konnten daheim bleiben und mit den Arbeitern aus der Fabrik, die durch Industriemaschinen ersetzt worden sind, die Freizeit genießen.
Das mit dem Genießen funktionierte allerdings nicht so recht, weil sie ja süchtig nach Müll waren und sie den jetzt nicht mehr in gewohnter Weise kaufen konnten. Und weil die Maschinen keine Steuern zahlten, hatte der Staat viel weniger Geld, konnte daher auch den Leuten daheim nicht mehr so gut helfen. Dafür konnten sich skrupellose und clevere Leute mit schönem großen Müll in ihren Häusern noch mehr Müll kaufen und schauten auf die mit dem kleinen Dreck vorm Haus herab. War auch nicht lustig für die Kleinmistbesitzer.
Mittlerweile gab es nur mehr Müll, wohin das Auge blickte. Es gab keine Chance zB dem Plastikmüll zu entgehen. Reiste man ganz weit in fremde Länder um vor dem Müll davonzulaufen, musste man mit Entsetzen feststellen, dass der Dreck schon da war. Daheim versteckt, verschifft und hier deponiert, bei Menschen, die statt gerettet zu werden mit Müll zugeschüttet wurden.
Meine Oma fing an, sich zu schämen und verrückt zu werden. Es begann anfangs harmlos, eben mit einer äußerst seltsamen Kein-Plastik-Heimtrag-Diät. Mit Fleisch Verweigerung, Kuchen gab es nur mehr mit Eiern von glücklichen Hühnern. Und dann wurde es dramatisch, meine Oma wurde Predigerin. Sie klagte alles und jeden an, der Müll kaufte, Müll produzierte, Müll versteckte. Jeden jammerte sie an, dass es unverantwortlich sei, ihrer Enkelin Emma so eine Welt zu hinterlassen. Sie wurde den Leuten lästig, bald suchte jeder schnellstens das Weite, wenn meine Oma nur in der Entfernung auftauchte.
Aber weil sie derart hartnäckig war, sorgte sie auch für Gesprächsstoff und tatsächlich einer nach dem anderen empfand auf einmal überhaupt keine Freude mehr an seinem Müll. Immer öfter fragte sich einer: Brauche ich das wirklich? Ist dieser Müll tatsächlich so wichtig für mich, dass ein anderer dafür trotz Hungerlohn hungern muss? Es entstanden Diskussionsrunden und wie bei einem rollenden Schneeball wuchs eine Lawine der Zweifel an der Sinnhaftigkeit am Wachsen des unendlichen Müllberges. Und einen nach dem anderen beschlich dieselbe Verrücktheit wie bei meiner Oma und er schämte sich. Oma predigte immer weiter, jedem, der es hören wollte oder auch nicht. Und sie fand Mitprediger, die wiederum Mitprediger fanden, alle schämten sich und wollten keinen Müll mehr. Bis zu den Firmen bzw. den Mitarbeitern der Firmen, bis zu den Politikern.
Plötzlich schauten alle den riesigen, schier nicht bewältigbaren Müllberg an und wussten, jetzt ist Matthä am Letzten, jetzt gilt es nur mehr, gemeinsam dieses Müllgebirge zu bezwingen und eine Rückkehr in ein Leben zur Rettung der Umwelt und diese vom Gift zu befreien Und weil sich alle einig waren, ist das auch gelungen.Berge sind von Gott geschaffen, Müllberge von den Menschen, das steht uns nicht zu, wir sind nur Gast auf Erden und dürfen keinen Müll hinterlassen.
Und so hat meine Oma als Müll-Guru die Umwelt gerettet, darum können wir heute so unbeschwert eine Geburtstagsparty machen. Eine tolle Oma, nicht!
Und ich, ich bin leider aufgewacht und schäme mich immer noch!

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