Der Flug zum Himmel
Der Flug zum HimmelFoto-Quelle: Hieronymus Bosch (nach 1490), Galleria dell'Accademia Venezia, http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Hieronymus_Bosch_013.jpg

Jenseits-Erfahrungen – ist eine Kontakt-Aufnahme mit Verstorbenen möglich?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Viele Menschen berichten von intensiven spirituellen Erfahrungen mit der geistigen Welt. Sie hören die Stimme von Verstorbenen oder spüren deren fast greifbare Gegenwart in ihrem ganz realen, diesseitigen Leben. Gewiss sind darunter auch immer ein paar esoterisch angehauchte Sonderlinge, aber überwiegend handelt es sich um sehr vernünftige und ganz und gar bodenständige Menschen, die glaubhaft von solchen Begegnungen erzählen.

Oft stellen sich diese Erlebnisse spontan ein, zum Beispiel am Grab, im stillen Gedenken zu Hause und manchmal auch im Traum. Die Nachtod-Erfahrungen werden dabei von den Lebenden fast immer als sehr tröstlich und heilsam beschrieben. Sie erzählen häufig von einer „liebevollen Wärme“, die sie bei dieser Begegnung empfunden haben und die ihnen half, den schmerzlichen Verlust besser zu verarbeiten.

Tabu Trauer

Die meisten Menschen allerdings schweigen über solche Erlebnisse. Zum einen, weil das Thema Tod und Trauer in unserer Gesellschaft ohnehin mit einem starken Tabu belegt ist und von den „Überlebenden“ erwartet wird, dass sie sich in kürzester Zeit wieder vollkommen dem Diesseits zuwenden. Zum anderen aber auch, weil man Gefahr läuft, als halluzinierender Spinner abgestempelt zu werden. Und das, obwohl Untersuchungen zeigen, dass fast die Hälfte aller Personen, die ihren Ehegatten verloren haben, nach dessen Tode solche Begegnungen erleben.

Leben nach dem Tode – was wissen wir darüber?
Manche Menschen suchen auch aktiv das Gespräch mit dem Verstorbenen, zum Beispiel mit Unterstützung eines Therapeuten oder Seelsorgers. Und dann gibt es da auch noch die (in aller Regel selbst berufenen) „Medien“, die den mitunter verzweifelten Hinterbliebenen ihre Dienste anbieten – einige davon sogar per Chat im Internet. Sie rühmen sich ihrer besonderen Gaben und ihrer guten Kontakte zur geistigen Welt und versprechen ihren Kunden Trost. Sie preisen ihre Dienstleistung an, als ob sie das Patent auf eine Kommunikation mit dem Jenseits hätten und wissen angeblich Dinge, zu denen Sterbliche sonst keinen Zugang haben. Sie wissen zum Beispiel erstaunlich genau, wie sich die Übergänge vom Diesseits ins Jenseits vollziehen, was die Seelen dort treiben, wann man sie ansprechen und welche Fragen man ihnen stellen darf.

Blinder Glaube an „Seelengeleiter“ ist bedenklich
In diesem Umfeld ist große Vorsicht geboten, denn diese „Medien“ besitzen meist keine psychologische oder seelsorgerische Ausbildung. Sie können den Klienten also auch nicht professionell auffangen, wenn es infolge einer Begegnung zu persönlichen Krisen kommt. Die Kontaktaufnahme mit Verstorbenen, gerade mit engen Anverwandten wie Kindern oder Ehegatten, ist natürlich sehr oft von intensiven Emotionen begleitet und kann die Betroffenen – gerade wenn die Beziehung zu dem Verstorbenen noch nicht verarbeitet ist – außerordentlich stark verunsichern und große Ängste auslösen.

Wann immer also die Auseinandersetzung mit Verstorbenen zu starken seelischen Belastungen führt, das Loslassen auch nach angemessener Trauerzeit nicht möglich ist, die Hinterbliebenen sich mehr mit dem Himmel als mit der Erde befassen und die Begegnungen mit dem Toten weder als tröstlich noch als heilsam empfunden werden, ist es sicher sinnvoller, tatsächlich auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.