wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?

Seid vollkommen...! (Gedanken zu Mt 5.38-48)

21.02.2014, 21:13 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Zuerst einmal bin ich überzeugt, dass wir uns alle als anständige und zuverlässige Leute halten, die bemüht sind, nach Kräften Gutes zu tun. Das ist schon mal sehr gut und eine gute Voraus­setzung, im Sinne Jesu zu leben.
ABER: Das ist ja noch gar nichts Besonderes, das tun auch die „Heiden“, sagt Jesus. Dazu müssten wir nicht unbedingt Christen sein. Anständige und gute Menschen gibt es nicht nur unter denen, die nicht glauben, sie gibt es auch unter den Mitgliedern der verschiedensten Religionen.
Ist also Christsein, zusätzlich zum ordentlichen Lebenswandel, vor allem das, was sich im Kopf abspielt? Dass man also Glau­bens- und Katechismuswissen hat und vielleicht noch ein biss­chen „Gefühle“, die manchmal sogar ergreifend sein können?
Das Wort „Gefühl“ kommt in der ganzen Bibel kein einziges Mal vor! Also sind womöglich Gefühle auch nicht charakteris­tisch für unseren Glauben und für das Leben der Nachfolge Jesu?
Es gibt ein deutsches Nachrichtenmagazin, das ist bekannt geworden mit einem Slogan des Chefredakteurs, der medien­wirksam immer wiederholte: „Fakten, Fakten, Fakten“.
Im heutigen Evangelium zählt Jesus Beispiele auf, die mich daran erinnern: Das gelebte Christsein zeigt sich in FAKTEN, FAKTEN, FAKTEN...
Und so zählt Jesus einige davon auf, die typisch sind für Menschen, die sich in seiner Nachfolge bemühen:
Fügt uns jemand Böses zu? Keinen Widerstand leisten...
Will dir jemand etwas wegnehmen?
Gib ihm mehr als er sich nehmen wollte...
Stiehlt dir jemand Kraft und Zeit?
Schenk ihm sogar das Doppelte...
Wenn alle nur ihre Freunde lieben? Liebe du auch die, die dir feindlich und missgünstig gesinnt sind.
Auf einen Nenner gebracht: Die sog. „Feindesliebe“ ist das Alleinstellungsmerkmal der Christen. Sie ist es, die Christen von allen andern guten Menschen weltweit unterscheidet. Ja, die Feindesliebe qualifiziert uns zu Jüngern Jesu. Mehr noch, die Feindesliebe macht unsere Gotteskindschaft „vollkommen“!
Das ist der Schlusssatz aus dem Abschnitt des heutigen Evangeliums: Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.
Was mutet uns Jesus da eigentlich zu, wenn er uns auffordert, „vollkommen“ zu sein, wie es unser Vater im Himmel ist?
Weiß er denn nicht, wie armselig und ängstlich wir um unser Dasein besorgt sind und wie weit wir davon entfernt sind, aus Liebe unser Leben aufs Spiel zu setzen?
Natürlich weiß das Jesus.
Dafür hat er lange genug auf der Erde gelebt. Deshalb hat für mich das Wort von der Vollkommenheit einen anderen Akzent, als es beim oberflächlichen Lesen zu haben scheint.
Vollkommenheit im christlichen Sinn ist nicht eine Perfektion oder Fehlerlosigkeit. Wenn Jesus sagt, der Vater lässt die Sonne aufgehen über Gerechte und Ungerechte, dann heißt das, er lässt sie jeden Tag neu aufgehen. Er hört nie auf damit...
Auf uns übertragen heißt das:
Unsere „Vollkommenheit“ besteht im tagtäglichen Neuanfang. Jeden Tag müssen wir uns neu sehen als Menschen, die unterwegs sind auf dem Weg zu Gott...
Jeden Tag müssen wir bei Null anfangen, ohne an die verunglückten Beziehungsmomente und Nöte von gestern zu denken und uns davon nicht konditionieren zu lassen...
Jeden Tag sollten wir uns, die wir uns Christen nennen, in irgendeiner Weise zum Ausdruck bringen: Wie schön, dass es dich auch heute gibt...
Jeden Tag müssen wir aus unserer Beziehung zu Gott heraus verstehen, was unser Auftrag und unsere Berufung HEUTE ist, Sein Wille, ganz konkret!
Also: Was würde Jesus heute an unserer Stelle tun...
Dass wir dabei Fehler machen, Bedenken zu überwinden haben, zögerlich sind, einander immer wieder verzeihen müssen, das gehört ganz selbstverständlich zu unserem Menschsein. Das weiß Gott! Denn Er hat uns ja schwach und gebrechlich erschaffen.
In dieser Schwachheit können wir stark sein, sagt Paulus.
Stark im Neuanfangen, tagtäglich.
Ja, die Christen sind echt „unkleinkriegbar“...
Jeder braucht Hilfe – täglich!
Jeder kann Hilfe geben – täglich!
Wie schön, dass wir uns immer wieder neu genau darin entdecken können und uns fragen dürfen:
Was brauchst Du heute, das gerade ich dir geben kann?
So ist das Christsein ein wirklich spannendes Leben, immer auf der Suche: Wer braucht mich heute? Und immer vom Geist Gottes geführt: Von wem bekomme ich heute, was ich brauche, was mir gut tut?
Wenn Gott „Verstecken“ spielt, und ich glaube, das macht er sehr oft, dann genau so. Wir müssen einander finden, denn nur so finden wir Gott und Seine Liebe zu uns, die wir nicht nur gefühlsmäßig erfahren, sondern ganz konkret.
Eben mit FAKTEN, FAKTEN, FAKTEN...
Ich wünsche Ihnen frohe Entdeckungen beim göttlichen Versteck-Spiel...

12 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Es ist viel, das sich Christen in der Nachfolge Jesu vornehmen (...sollen? ...wollen?), wenn sie sich ohne zu wehren schlagen lassen, wenn sie "Böses" widerstandslos hinnehmen und den Sinn ihrer Tage darin sehen, sich physisch und psychisch ausnehmen zu lassen. Ich sehe darin eine Selbstverleugnung, die nicht erstrebenswert ist.

Ich bewundere Menschen, die "den Anderen lieben wie sich selbst". Sie halten ihre Wange nicht hin, weil sie ihren Körper achten. Sie lassen nicht zu, dass andere über ihre Zeit verfügen, weil sie selbst entscheiden, womit sie diese füllen. Sie setzen Herz und Verstand ein um die Dinge um sie herum zu beurteilen und haben den Mut, sich und andere gegen Unrecht zu schützen.
  • 24.02.2014, 11:19 Uhr
Im Einzelfall kommt es darauf an, die Spirale der Gewalt zu stoppen und nicht, wie auch missverstanden werden kann, sein eigenes Leben aufzugeben...
  • 24.02.2014, 11:56 Uhr
Im Einzelfall kann ein deutliches "Stopp! Mit mir nicht!" nachhaltiger beenden, als sich ausnehmen zu lassen. Und wenn man sich Kraft und Zeit stehlen lassen soll, hat das in meinem Verständnis schon etwas damit zu tun, dass man sein eigenes Leben aufgeben soll. Man hat nur Kraft, wenn man Zeit hat um aufzutanken.
  • 24.02.2014, 19:23 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Das die Feindesliebe das "Alleinstellungsmerkmal" der Christen ist, scheint mir hier auch nur in den Wind geschrieben. So achten Buddhisten jedes Leben, auch das von Tieren. Sie unterscheiden nicht und trennen nichts. Allein schon der Gedanke, die Christen seien hervorzuheben, weil sie angeblich etwas besonderes sind, führt nur zur Spaltung und bringt uns Menschen nicht weiter.
  • 22.02.2014, 08:32 Uhr
Es gibt einen qualitativen Unterschied zwischen einer philosophie der Gewaltlosigkeit (wie bei den Buddhisten) und dem Auftrag zur Feindesliebe (wie bei den Christen), die durch Jesus konkret vorgelebt wurde...
  • 24.02.2014, 11:54 Uhr
Martin, genau das wollte ich gleich schreiben, als ich den Artikel oben las. Ich sehe den Buddhismus übrigens durchaus als Religion - und nicht als Philosophie.
  • 24.02.2014, 16:22 Uhr
Ja, Buddhismus ist eine Religion, obwohl Buddha keine Religion gründen wollte, aber als Religion hält sich manches länger.
  • 24.02.2014, 17:53 Uhr
Ok, wir wollen uns nicht darüber streiten, was eine Religion ist. Im Buddhismus gibt es jedenfalls keinen Gott sondern nur das ewige "Prinzip Buddha". Und da sind wir wieder beim Prinzip der Gewaltlosigkeit... (das man auch als Philosophie bezeichnen könnte).
  • 24.02.2014, 21:42 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Fakten sind: Jesus selbst hat nichts von dem, was er angeblich sagte, selbst aufgeschrieben, bzw. sind keine Aufzeichnungen von ihm bekannt geworden. Alles was er angeblich sagte, haben Leute aufgeschrieben, die ihn nie selbst gesehen hatten. Das was die aufgeschrieben hatten, wurde viele Male umgeschrieben, um interpretiert und den Bedürfnissen einer Kirche angepasst. Das sind die Fakten, alles andere ich in der Tat Glaube. Ein Glaube, der entweder durch frühkindliche Erziehung indoktriniert ist, und fest sitzt, oder auch, viel seltener später aufgrund des Bedürfnisses nach Spiritualität erworben wurde. Natürlich gibt es Menschen, denn so ein Glaube in irgendeiner Form hilft. Mir persönlich hat die Befreiung von diesem Glaubenszwang geholfen. Jetzt bin ich offener für alles, was in der Welt geschieht, weil ich das als Mensch wahrnehme, nicht mehr als unmündiger Sünder vor dem Herrn!
  • 22.02.2014, 02:21 Uhr
Im Orient waren mündliche Überlieferungen zuverlässiger als das, was man heute in der Zeitung lesen kann. Nicht umsonst heißt es: "Papier ist geduldig..." Heute muss man sich immer fragen, wer etwas schreibt und mit welcher Absicht...
Es ist leider richtig, dass es Zeiten gab, in denen der Glaube an Gott ein Erziehungsmittel war, oder noch schlimmer: Ein Mittel zur Sicherung der eigenen Macht. Diese Zeiten haben wir aber längst hinter uns. Ob eine Gesellschaft ohne spirituelle Werte besser ist, wage ich sehr zu bezweifeln.
  • 22.02.2014, 07:19 Uhr
@Konrad Heil: Was soll an einer mündlichen Überlieferung zuverlässiger sein? In beiden Fällen kann man Tatsachen verdrehen, eine eigene Sicht der Ereignisse einflechten oder eine Geschichte einfach blumiger gestalten. Eine schriftliche Überlieferung lässt sich zumindest nachlesen, während der Weg mündliche Überlieferungen oft nicht mehr nachvollziehbar ist.
  • 24.02.2014, 11:24 Uhr
Bei der mündlichen Überlieferung im damaligen Orient war das nicht ein Erzählen von ein paar Leuten irgendwo in den Dörfern. In den Familien das Glaubensgut und die eigene Identität zu überliefern, das war erstens eine kulturelle Überlebensfrage und zweitens unterlag das der "sozialen Kontrolle". Alle erzählten sich das Gleiche und dann war es "richtig". Und was sich alle gegenseitig über Jahrhunderte hinweg zu Hause und in den kultischen Feiern erzählten, das wurde irgendwann aufgeschrieben. Aber diese Schriften weichen auch geringfügig von einander ab, wie auch heute die Berichte der Zeitungen (obwohl schriftlich!) von einander abweichen...
Der Kern der Glaubenswahrheit ist aber zweifelsfrei erhalten geblieben. Gott sei Dank!
  • 01.03.2014, 16:00 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren