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Beichtstuhl-Geheimnisse - wie die Kirche Kinder zu Sündern erzog

Beichtstuhl-Geheimnisse - wie die Kirche Kinder zu Sündern erzog

Christine Kammerer
06.03.2014, 09:33 Uhr
Beitrag von Christine Kammerer

Papst Franziskus hatte in jungen Jahren so eine Art Erleuchtungserlebnis im Beichtstuhl. Er erzählte später, er habe damals gespürt, dass er Priester sein musste, und nicht daran gezweifelt. Solche erhabenen Erlebnisse sind allerdings im Zusammenhang mit der Beichte wohl eher die Ausnahme. Viel häufiger kommt es vor, dass die Kinder von damals bis heute unangenehme, widersprüchliche und mitunter sogar traumatische Erinnerungen an ihre Beichtstuhl-Erfahrungen im Herzen tragen.

Ich jedenfalls erinnere mich noch heute daran, dass mich – angeleitet durch den Religionsunterricht - bereits Tage vor der Beichte das Gewissen plagte. Nicht etwa deswegen, weil ich besonders schlimme Dinge ausgefressen hatte, sondern weil mir nichts, aber auch rein gar nichts einfallen wollte, was ich dem Beichtvater hätte mitteilen können. Und so trug ich die Litanei meiner Sünden nach der naheliegenden Devise zusammen, die mir lange genug eingeflüstert worden war:

Irgendetwas hast du ganz sicher auf dem Kerbholz – bestimmt hast du deine Eltern geärgert, warst ungehorsam oder neidisch auf etwas, das deine Geschwister bekamen, du aber nicht!

Beten als Strafe
Wenn ich mich nur lange genug marterte, dann fielen mir meistens auch ein paar kleine Sünden ein, die ich beichten konnte. Denn das heilige Sakrament der Beichte abzulegen ohne einen Makel im Gepäck – das war schlicht unmöglich. In diesem Sinne jedenfalls hatten mich die frommen Nonnen an unserer Grundschule bereits zu einem kleinen Sünder im Geiste geformt.

Dann, auf dem Büßerbänkchen in der Kirche, wurden die Vaterunser und die Rosenkränze gedankenlos heruntergeleiert. Erst heute frage ich mich: Beten als Strafe? Es gab ja in Wahrheit nichts, was ich wirklich bereute, keinen Grund zur Zerknirschung. Aber auch das machte mir zu schaffen – war es verlogen, zu beichten, wo es nichts zu bekennen gab? Immerhin fand ich es nach der Beichte einigermaßen tröstlich, dass ich die Absolution erhielt und meine Missetaten nun getilgt waren. Ganz im Gegensatz zu den so bemitleidenswerten Protestanten, die ihre Sünden ein ganzes Leben lang mit sich herum tragen mussten.

Wir kleinen Teufel

Selbstliebe ist Hochmut. Wir aber waren zur Demut geboren. Schlimmer noch: Wir waren von Grund auf kleine Teufel und von unschuldiger Reinheit ungefähr so weit entfernt wie der gefallene Erzengel Luzifer vom lieben Gott. Die Kirche lehrte uns nicht, unsere positiven Seiten zu sehen oder wenigstens ein bisschen wertzuschätzen, dass wir uns täglich nach Kräften bemühten, gute Menschen zu sein. Nonnen und Priester schärften vielmehr unbarmherzig unseren Blick für unsere Fehler, selbst die, die nur leise durch unsere Gedanken gehuscht waren. Sie erzogen uns systematisch zu einem lieblosen, überkritischen Umgang mit uns selbst. Zu falscher Scham und Schuldgefühlen.

Sünde, Vergebung und ein bisschen Voyeurismus
Geheimnisse durfte es in dieser Welt nicht geben. Nicht vor Gott und dem Priester. Unser Fleisch war schwach und jede Hinwendung zum anderen Geschlecht sowieso sündhaft, selbst wenn sie nur in der Fantasie stattfand. Zuneigung und der Wunsch nach Nähe waren nicht etwa ein Anlass zur Freude, sondern nur ein Grund, sich zutiefst zu schämen und Buße zu tun. Wenn all das, was uns während der Pubertät bewegte, auch tatsächlich zur Beichte getragen wurde, müssen die Ohren des Beichtvaters mitunter förmlich geglüht haben!

74 Kommentare

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Bin erst heute auf diesen Artikel gestoßen. Interessant! Vieles kann ich (auch) nicht gutheißen. Beichte KANN, aber niemals MUSS sein. Wer etwas bereut, muss i.d.R. auch keine Menschen als Vermittler haben. Man kann direkt seine Schuld Gott bekennen.
Ob jedoch immer alles Schuld ist, was gelehrt wurde, bleibt - verständlicherweise - eine berechtigte Frage.
Vieles gäbe es meinerseits noch anzufügen, aber da ich nicht zu jener Kirche gehöre, möchte ich sie nicht schlecht machen, auch wenn ich vieles gewiss weder akzeptiere noch für biblisch halte.

Nur EINE wichtige Frage bleibt mir: Nimmt man mal das (Klein-)Kindalter aus, wo man Kindern vor allem eine positive Lebenshaltung und das Grundvertrauen prägen muss, bleibt für mich die Frage nach dem (korrekten) Unrechtbewusstsein.
Ist das evtl. gewichen? Kleine Betrügereien, z.B. gegenüber Versicherung oder Finanzamt, sieht man als normal an; ohne schlechtes Gewissen zerstört man Ehen anderer u.v.a.
  • 18.03.2014, 21:03 Uhr
Trotz falscher Wege und Methoden bleibt die Frage, ob nicht hier und da das Kind samt Bad ausgeschüttet wird.

Allerdings: ein christlicher Glaube und ein Evangelium, das nicht froh und frei macht, bleibt für mich ein fraglicher Inhalt. Das geht m.E. auch für Jesus nicht, der gesagt hat: "ich will euch erquicken" (Matthäusevangelium 11, Vers 28)
  • 18.03.2014, 21:05 Uhr
  • 18.03.2014, 21:07 Uhr
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Ja, Peter Kohls, Du hast recht. Das hat nur unterschiedliche Bedeutung: In der kath. Kirche ist die Beichte zu einem Sakrament, zu einem Akt des Glaubens, hochstilisiert worden - so jedenfalls habe ich es verstanden. In der ev. Kirche ist die Ohrenbeicht eine Offerte des Seelsorgers. Ich denke nicht, daß das Sündenbekenntnis im gemeinsamen Gebet mit dem Prinzip der Beichte in Einklang zu bringen ist.
Die regelmäßige gemeinsame Handlung unterliegt m.E. zu sehr der Routine, um dem Seelenfrieden des Einzelnen helfen zu können.
  • 10.03.2014, 15:00 Uhr
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Mich hat der folgende Satz erschüttert;
Ganz im Gegensatz zu den so bemitleidenswerten Protestanten, die ihre Sünden ein ganzes Leben lang mit sich herum tragen mussten.
Wurde im Religionsunterricht der Schule nichts über die Beichtmöglichkeiten in der evangelischen Kirche unterrichtet?
Auch dort gibt es die Ohrenbeichte und das gemeinsame Sündenbekenntnis im Gottesdienst.
  • 10.03.2014, 13:16 Uhr
Christine Kammerer
Wie ich bereits sagte: tiefschwarz katholisch - über andere Religionen hat man uns eigentlich gar nichts vermittelt, es war ja eine konfessionell "regierte" Grundschule und Evangelen galten einfach als "Ketzer" und waren somit für uns gewissermaßen tabu, was selbst eine gleichaltrige Freundin noch deutlich zu spüren bekam, als sie sich mit einem Protestanten zusammentat und fortan in etwa so behandelt wurde, als wäre sie mit einem Aussätzigen zusammen... (ich komme mir grad ein wenig so vor als wäre ich am Hindukusch aufgewachsen, aber es war nur ein kleines Dorf in der hintersten Ecke von Nordbayern )
  • 10.03.2014, 16:52 Uhr
Meine Frau hat in Vechta ähnliches erlebt. Mit evangelischen zu sprechen war eine Sünde. Auch ich könnte einiges dazu erzählen.
Aber es ist zum Glück heute vieles anders.
  • 10.03.2014, 18:03 Uhr
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Danke, Connie, das ist ein hilfreicher Beitrag. -
Wenn ich also recht verstehe, dann haben wir als Verursacher der angeprangerten Zustände den Klerus, der sich immer fragwürdigere Regeln gab, je weniger sich die Familien dagegen wehrten. Diese wehrten sich nicht, aus welchen Gründen auch immer (Mangel an Bildung z.B., oder auch Lethargie). Erwachsene konnten den Druck abfedern, sie gaben ihn als erzieherische Maßnahme weiter an die Kinder, wo sie letztgültig haften blieb.Das gab den Familien eine gewisse "Ordnung", einen Teil ihres Friedens.
Die Weiterungen, Connie, die Du in Abs. 3 geschrieben hast, kann ich so nicht akzeptieren, darüber müssen wir dann noch sprechen.
Der Gesellschaftlioche Wandel unserer Zeit hat die Verhältnisse umgekehrt.
Statt Kinder im althergebrachten Sinne zu erziehen, machen wir sie zu frühreifen Erwachsenen ohne Maßstäbe. Mangel an Bildung oder Lathargie ?
Wer ist denn jetzt Schuld ? Wieder die Priester ? Sind Eltern also immer unschuldig ???????????
  • 10.03.2014, 12:42 Uhr
Dann, lb. Connie, sind wir uns einig. Die Verantwortung sollte m.E. immer und überall an erster Stelle stehen, vorzugsweise aber gegenüber den Kindern. Und Du hast vollkommen recht, es ist die Gesellschaft, die ihre Rahmenbedingungen schafft. Wenn wir beim Thema bleiben, dann ist es dort die katholische Kirche. Und dann kommt Dein Kernsatz, "in Abhängigkeit ihrer persönlichen Voraussetzungen". Dann hätten wir hier also den Rettungsanker für die Eltern gefunden ? Nein - denn immer noch stehen die Kinder in der Opferrolle. Die Rangfolge in diesem Thema heißt: Verursacher = Klerus / Mittler = Eltern / Opfer = Kinder. Wenn wir es bezogen auf die Gegenwart betrachten, dann ändert sich lediglich die Position des Verursachers = Staat, der für die Rehmenbedingungen verantwortlich zeichnet - aber nicht in der Lage ist, diese auch gesellschaftlich akzeptabel zu gestalten.
Wieso also schimpfen die einstigen Opfer auf die Priester ?
  • 10.03.2014, 14:51 Uhr
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An die Urheberin des Themas an dieser Stelle.
Ich wundere mich, wie Sie ein Thema so vorbelasten und dann zur Diskussion stellen können.. Für mich gleicht das einer Hetzkampagne, von der ich annehme, daß sie so nicht beabsichtigt war. Man muß ja auch daran denken, daß sich die Gesellschaft und damit auch die Kirche gewandelt hat. Und wenn Sie derart negativ über die Kirche, über das Sakrament der Beichte und über die Priester herziehen, dann berührt das nicht allein Gleichgesinnte (die Ihnen selbstverständlich voll beipflichten), sondern auch Suchende. Und denen zeigen Sie dann einen Weg, der sie zwangsläufig in den Irrgarten führt. Und Sie können formulieren, wie sie wollen, die Kirche ist Menschenwerk. Und so wie Sie, wie wir alle, hat auch dieser Teil der menschlichen Gesellschaft seine guten Seiten. Fahnenträger sind auch nur Menschen. Und ein Intellekt ohne Seele
ist wie ein Baum ohne Blätter.
  • 10.03.2014, 09:31 Uhr
Christine Kammerer
Es ist ganz klar und für jeden ersichtlich eine subjektive Darstellung der Dinge, Erinnerungen aus meiner Kindheit und Jugend, die ich hier zur Diskussion stelle. Ich bin mir dabei vollkommen im Klaren, dass ein solcher Standpunkt polarisiert, aber es steht natürlich jedem frei, einen anderen zu vertreten, den werde ich dann ganz sicher auch nicht verteufeln. Denn genau das ist es auch, was mich persönlich interessiert - wie haben die anderen das empfunden?

Und es sollte auch klar sein, dass es praktisch vollkommen unmöglich ist, in Beiträgen dieser Länge alle Facetten eines Themas wiederzugeben, geschweige denn jedem gerecht zu werden. Den Anspruch erhebe ich auch gar nicht. Ich kann es nur anreissen und dann der Community überlassen, was sie draus macht. Im Übrigen steht es hier auf SB jedem frei, neben den Kommentaren auch eigene Beiträge zu strittigen Themen zu schreiben, die das abhandeln, was nicht zur Sprache gekommen ist.
  • 10.03.2014, 11:19 Uhr
Hallo, Heiner, finden wir hier nicht einen Mangel in der Eltern-Kind-Beziehung ? Wenn ich Dich recht verstehe, dann hast Du eine fraglos sehr böse Erfahrung gemacht. Das tut mir leid. Damit komme ich aber zugleich zurück auf die Frage nach Deiner damaligen Reife.
War das nicht eine Trotzreaktion, ein Die-haben-mir-weh-getan-mit-denen-habe-ich-nichts-mehr-zu-tun ? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, sich einem entspr. Menschen anzuvertrauen ? mit ihm zu reden ? Der Atheismus ist letztgültig auch nur eine Glaubensfrage, weil er an den Intellekt gebunden ist, den die Philosophie des Mensch-seins ebenso in Frage stellt.
  • 10.03.2014, 15:14 Uhr
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Auch ich hatte als Kind praktisch keine Sünden, war aber verpflichtet irgend etwas zu beichten. Also erfand ich Dinge, die ich dem Pfarrer vortrug, der mich dann, nach X Vaterunser und so weiter, von dem Übel freisprach.

Letztendlich habe ich einen Koffer voller Sünden gebeichtet, die ich niemals begangen habe. Also habe ich sowohl Diesseits als auch Jenseits noch einiges gut.
  • 08.03.2014, 14:43 Uhr
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Es ist wirklich schade, daß das Thema "Beichte" anscheiend schon als beendet betrachtet wird. Dabei ist es noch längst nicht in all seinen Facetten erfaßt.
Hier wurde z.B. teils sogar fürchterlich über die beanstandeten Praktiken der Geistlichkeit geschimpft und immer wieder klingt es durch, "ich mußte zur Beichte". Wieso denn "mußten" sie alle ? Wer hat ihnen den Zwang auferlegt ?
Und dann die Kardinalfrage: Hattet Ihr denn kein Elternhaus, hattet ihr niemanden, mit dem Ihr über Eure Beicht-Probleme sprechen konntet ? Waren Eure Eltern stumm, hattet Ihr keinen Draht miteinander ? Mit Verlaub: Ich finde es ziemlich unausgegorden, wenn sich jemand hinstellt, um über die Kirche zu schimpfen, dieweilen er doch das Priestertum meint. Wenn sich jemand hinstellt, um über Fehlhandlungen der Priester gegen Kinder zu lamentieren, aber sein Elternhaus mit keinem Wort erwähnt. Hattet Ihr kein Vertrauen ? - keine Oma, keinen Opa ? - Der Protestant wundert sich !
  • 07.03.2014, 12:31 Uhr
Eltern waren doch zumindest in meiner Kindheit - und das fast überall - die treibenden Kräfte, für die die Kinder, wenn sie nicht völlig unterwürfig waren, nur "böse Sünder" waren, die der "liebe" Gott ohnehin schon in seinem Schwarzbuch stehen hatte.
Ich habe mir Gott sei Dank beizeiten ein dickes Fell zugelegt - aber leider gibt es so etwas auch noch heute, z. B. bei den Zeugen Jehovas.
  • 08.03.2014, 10:46 Uhr
Ja, Heidi, da hast Du wohl (im doppelten Sinne) ins Schwarze getroffen. Waren die Eltern von der Richtigkeit des priesterlichen Treibens überzeugt, dann haben sie das auch auf ihre Kinder übertragen. Die Praktiken des Priestertums hatten und haben die Gesellschaft durchdringen können - und somit lief das Schiff aus dem Ruder. Wie heißt es doch so schön, "wie die Alten sungen, so zwitschern..."
Es würde mich aber dennoch interessieren, ob sich in der Gesellschaft (bei den Eltern, bei den Kindern) irgendwo ein Widerstand gemeldet und bekundet hat. Wir damaligen Kinder wurden doch zum Denken erzogen. Ist dabei etwas fehl gelaufen ?
War in der kath. Kirche, mit dem beichten "müssen", nur der blinde Gehorsam gefragt ? Konnte man dem Priester nicht sagen, "Herr Pfarrer, ich bin mir heute keiner Sünde bewußt" - oder war die Sünde als Bestandteil des Daseins sozusagen "indoktriniert" ?
  • 08.03.2014, 11:30 Uhr
Fortsetzung von 11.30 h
Um nun aber zum Gang des Themas zurückzukommen: Hier wurde fürchterlich über die Priester geschimpft. War resp. ist das denn berechtigt, wenn doch das Elternhaus sich nicht gerührt hat ? Sind die Priester nur Prügelknaben, weil die Eltern versagt haben ?
Es wundert mich sehr, daß hier noch keine Stellungnahme aus dem Klerus vorliegt !
  • 08.03.2014, 11:35 Uhr
Bei mir war es übrigens nicht die kath. Kirche - ich bin in einer sehr strengen Freikirche groß geworden - und ich finde, die sind noch schlimmer, auch heute noch.
Freies Denken????? Ein Kind hatte (und auch heute noch) zu parieren, sonst nichts.
Übrigens, alle Welt regt sich auf, wenn ein Kind von den Eltern mal einen Klaps bekommt ---- aber wie viel seelische Grausamkeit auch heute noch gerade von obigen Gemeinschaften, bes. von den Zeugen Jehovas an ;Kindern ausgeübt wird, das scheint keinen zu interessieren.
  • 08.03.2014, 13:34 Uhr
Doch, Heidi, das interessiert. Das Echo ist nur deshalb so gering, weil auch die Nachrichten sehr spärlich sind und sich daher auch kaum jemend mit den Lehren z.B. der "Zeugen Jehovas" befaßt hat.
Selbst in den relevanten Akademien ist nur wenig darüber zu hören.
Und was nun den berühmten "Klaps auf den Hintern" eines Kindes angeht, die Geschichte halte ich ohnehin für blöd. Aber das hat mit gezielter und verfehlter Kindererziehung zu tun, das ist ein anderes Thema.
  • 08.03.2014, 15:05 Uhr
Christine Kammerer
@Gerd, die Beichte ist ein Sakrament - man muss tatsächlich zur Beichte gehen (wenn man nicht in die Hölle kommen will )

Ich finde auch, wird hier überwiegend aus erwachsener Sicht kommentiert, aber es geht ja eigentlich darum, wie Kinder das empfinden. Dazu kommt vielleicht auch die Tatsache, dass ich in einem nordbayerischen Dorf im finstersten Katholizismus erzogen wurde, da konnte man sich dem allen kaum entziehen, selbst wenn die Eltern (wie meine) liberaler waren - hätte man die Kinder nicht taufen lassen oder von der Kirche und den Ritualen ferngehalten, dann wäre man auch sozial vollkommen ausgegrenzt gewesen...
  • 10.03.2014, 09:02 Uhr
@Christine, ich bin in einem ostbayerischen Dorf (geb.1943) ungetauft aufgewachsen.
Meiner Wahrnehmung nach haben meine Schulkameraden/innen nicht unter dem Beichtzwang gelitten. Kirchliche Regeln wurden zwar streng eingehalten aber eher, weil es in der Dorfgemeinschaft Sitte war.
Überprüfbar durch die Gemeinde war der Empfang der Kommunion, die wiederum die Absolution, die Freistellung von Sünde durch Beichte vorausgesetzt hat.
Wollte man sich dieser "Schau" nicht aussetzen, so versagte man sich einfach dem Kirchgang.
Das war nach 1945 in der Kath.K., nach meiner Wahrnehmung eher eine lässliche Sünde, die milde geahndet wurde.
Anders bei den Evangelen.
Die ev.Pastoren habe ich als gewaltbereit, apodiktisch ( i.S. keinen Widerspruch duldend) und streng, eben lutherisch, empfunden.
  • 10.03.2014, 09:48 Uhr
Kinder sind ja unterschiedlich - es kann schon sein, dass ein robuster Lausbub das eher verkraftet hat als ein sensibles Mädchen.
Wobei es natürlich auch robuste Mädchen und sensible Buben gibt.
  • 10.03.2014, 10:37 Uhr
Bezeichnend die Antwort eines Laububen auf die pfarrerliche Frage wo es ihm denn besser gefallen würde. Im Himmel oder in der Hölle: Freilich in der Hölle weil (draußen schneite es) es dort wärmer wäre und "wei uns mehrer san" im Sinne von "mehr macht stärker"
Wobei Du, Heidi, eine robuste warst und Dir nix hast g´falln lassn
  • 10.03.2014, 10:48 Uhr
Christine Kammerer
So hat das eben jeder sehr subjektiv erlebt, vor allem als KInd, meine Erinnerungen gehen etwa auf das Alter von 8, 9 Jahren zurück - ich hatte damals noch nicht die Wahl, einfach nicht hinzugehen...
  • 10.03.2014, 10:57 Uhr
@ Manfred Reul / @ Christine Kammerer / @ Heidi Planetenfrau
Also, liebe Leute, jetzt wird es richtig spannend. Es ist mir absolut neu, daß sich auch evangelische Pastore apodiktisch hielten. So etwas habe ich -eng an die ev.-luth. Kirche gelehnt- niemnals erlebt, ich gehörte zum CVJM. Und ich bin immerhin groß geworden in einer Zeit, da einerseits das Kreuz und andererseits das Hakenkreuz winkten. Zwang habe ich von keiner Seite erfahren und mir sind auch derartige Bilder von Altersgenossen nicht
bekannt geworden, obwohl wir durchaus streng erzogen wurden, Ich betone: "erzogen", nicht dressiert. Im Vordergrund standen dabei immer Merkfähigkeit und Denkfähigkeit, d.h. wir waren auch kritikfähig und in der Lage, uns mit Eltern oder anderen relevanten Personen auszusprechen. - Was Ihr darlegt, ist das in unserer Zeit wieder sehr verbreitete "das ist nun mal so". Das aber heißt Lethargie.
  • 10.03.2014, 10:59 Uhr
Da hattest du aber sehr viel Glück, Gerd.
  • 10.03.2014, 11:59 Uhr
Christine Kammerer
@Gerd: Ich bin nicht ganz sicher, aber wenn ich das richtig verstehe, dann wird jetzt der Schwarze Peter zu den Kindern geschoben nach dem Motto: Selber Schuld, wenn ihr euch nicht gewehrt habt...! Was ist mit Kindern, die nicht das Glück hatten, in ein Elternhaus hineingeboren zu sein, in dem so viel Mut, Toleranz und Offenheit herrschte? Was in den tief katholischen Regionen vor 50 Jahren keineswegs selbstverständlich war... (übrigens hätte die Geschichte mit dem Hakenkreuz vermutlich auch anderen Verlauf genommen, wenn alle so wehrhaft gewesen wären...)
  • 10.03.2014, 12:06 Uhr
#Gerd, die Formulierung "Zwischen Hakenkreuz und Kruzifix" zur Beschreibung der 1950ger Generation finde ich sehr treffend.
Zur damaligen Situation:
In der illustrierten Zeitung Revue waren die Tatsachenromane von Will Berthold, "Mitgfangen-mitgehangen" und "Er flog an meiner Seite"
abgedruckt worden.
Es wurden der Jugend Urteil und Exekution der Schuldigen in Landsberg einerseits, und Heldentum, Gefolgstreue, Kameradschaft im Luftkampf andererseits voraugen geführt.

In diesem Spannungsfeld hatten es Religionlehrer besonders schwer, die Werte nach Art der Kirchen zu verteidigen.
Meine Wahrnehmung: evang.Lehrer haben sich der Diskussion geöffnet, während sich kath.Lehrer teilweise verweigert haben.

Schuld und Sühne als Machtinstrument in Form der Beichte?
Daran erinnert mich der "Beichtspiegel"
  • 10.03.2014, 13:22 Uhr
@Heidi Planetenfrau@ Christine Kammerer @ Manfred Reul
Natürlich ja, Heidi, ich hatte sehr viel Glück. Aber in meiner Umgebung habe ich anderes eigentlich auch nicht gekannt..
Lb. Christine, ganz im Gegenteil, nicht die Kinder. Mit den Vorwürfen gegen die Priester werden Eltern geschont, aber gerade dort liegt der Hase im Pfeffer. Schau bitte oben den Fortgang der Diskussion.
Manfred, tut mir leid, ich habe zehn Jahre früher gemeint. In den fünfziger Jahren waren die Dinge für die Kirchen, wie für uns alle sehr problematisch. Und wie für uns, so hat sich mit der gesellschaftlichen Entwicklung bis in die Gegenwart auch für beide Kirchen eine ganze Menge geändert - ob zum Guten, das mag jeder für sich beantworten. Ich persönlich sage NEIN, es ist sehr Vieles anders geworden. Und weil wir heute die Geschichte leugnen, haben wir keinen Vergleich. Deshalb trösten wir uns mit der rein subjektiven Feststellung, alles sei besser geworden.
  • 10.03.2014, 15:31 Uhr
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oh Gott, oh Gott, ein Graus verbindet mich mit dem Beichtstuhl, ich sehe noch in meiner Heimatkirche den Dekan hinter dem lila Tuch, ich hatte Angst dem was zu beichten was es gar nicht gab, der erkannte ja die Schüler an der Stimme, man hatte keine Chance daran vorbeizukommen, als Katholik war man ja verpflichtet dort hin zu gehen. "Gott sei Dank" daß sich die Zeiten geändert haben.

Ich möchte den Geistlichen ja nix unterstellen, aber so ein bischen haben die auf diese Art und Weise die Gemeindebürger schon ausgehorcht....
  • 06.03.2014, 21:32 Uhr
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Also an diese Zeit mag ich mich nicht mehr erinnern. Darum habe ich diesen Artikeln nicht zu Ende gelesen. Diese Angstmacherei war ein unsägliches Erbe des Barocks. Eigentlich geht es im Christentum nur um eines. um Liebe. Ist das Liebe wenn ich mein Gegenüber mit Angst gefügig mache? Und die Botschaft Jesu Christi hat sich zu keinem Zeitpunkt geändert. Und noch eines. Die Evolution ist die wichtigeste Grundlage der Schöpfung. Sowohl materiell wie auch geistig. Darum ist es gegen die Schöpfung die Sexualität zu verteufeln. Etwas anderes ist es von ihr nicht willenlos beherrscht zu werden
  • 06.03.2014, 18:51 Uhr
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