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Seniorbookfasten

Seniorbookfasten

05.03.2014, 19:37 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Als ich mich wunderte, warum er so abweisend war, rückte er damit heraus: Er hatte sich vorgenommen in der Fastenzeit auf Sex zu verzichten...

Man kann diesen Vorsatz meines damaligen Mannes – wir waren gerade ein halbes Jahr verheiratet – ganz unterschiedlich sehen. Er war sehr religiös und wollte auf etwas verzichten, das ihm wirklich schwer fällt. Jetzt im Nachhinein ist mir in den Sinn gekommen, dass ihm seine „immerwährende“ Lust auf Sex möglicherweise Angst machte, dass er sich beweisen wollte, dass er nicht abhängig von mir ist. Was ihm aber anfänglich nicht bewusst war: Er hat sein Fastenopfer ohne Rücksicht auf mich gemacht.

Wie wir dann schlussendlich damit umgegangen sind, gehört nicht hierher. Das Ganze ist ja auch schon dreißig Jahre her, es ist mir heute wieder eingefallen als ich über sinnvolle und weniger sinnvolle Fastenvorsätze nachdachte.

Anlass waren Meldungen einiger Bekannter, die via Internet oder auch im persönlichen Gespräch Kund getan haben, dass sie Internetfasten – manche sagten auch Facebookfasten oder Seniorbookfasten - wollen. Mich überzeugen diese Vorsätze nicht wirklich. FB und SB zählen doch nicht umsonst zu den sozialen Netzwerken und auch wenn das gelegentlich in Frage gestellt wird – es geht doch wirklich um zwischenmenschliche Kontakte. Würden diese Leute auch sagen, sie gehen in der Fastenzeit niemanden besuchen? Würden sie es auch im „wirklichen“ Leben als Sieg über sich selbst werten, wenn sie es schaffen sich nicht darum zu kümmern, ob ihnen jemand etwas sagen oder zeigen will? Ihre Meinung wissen will? Kaum jemand kommt auf die Idee, auf das Lesen von Büchern zu verzichten. Warum aber ist das Lesen im Netz verpönt, warum ist darauf zu verzichten cool? Und kommt mir nicht mit dem Argument, Bücher oder Zeitschriften wären anspruchsvoller, nur weil sie gedruckt sind.

Natürlich kann man übertreiben. Natürlich muss man nachdenklich werden, wenn man feststellt, dass sich der große Teil seines Lebens vor dem Pc abspielt. Ich finde die Fastenzeit kann ein Anstoß für diese Gedanken sein: Was zieht mich immer wieder zum PC? Warum geben mir die virtuellen Bekannten mehr als die Menschen in meiner Nachbarschaft? Vernachlässige ich Anderes und Andere dadurch? Kommt meine Gesundheit zu kurz, weil ich mir keine Zeit für Spaziergänge nehme?

Ich habe bereits vor zwei Wochen Vorsätze gemacht und auch in die Tat umgesetzt: Ich habe wieder mit dem Laufen begonnen. Ganz gemütlich. Anderes ist gar nicht möglich, die Pause war viel zu lang. Jeden zweiten Tag beginne ich meinen Tag nun damit, mindestens eine halbe Stunde lang trabe ich durch die Natur, beobachte, wie sich der Frühling langsam durchsetzt. Ich merke, dass mir das gut tut. Nicht nur körperlich. Es gehen einem da so viele Gedanken durch den Kopf. Auch solche über das Fasten.

Nachtrag: Sorry, ich bin mir nicht sicher, ob ich die richtige Kategorie gewählt habe. Sollte es hier unpassend sein, verschiebe ich es gerne.

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