Frohe Fastenzeit! (Gedanken zu Mt 6.1-6)

Beitrag von wize.life-Nutzer

In der Geschichte der Menschen gibt es schon immer sowohl Zeiten des Hungerns als auch Zeiten eines reichlichen Nahrungs­vorrates. Vor allem die Frühlingszeit war so eine typische Hungerzeit. Die Vorräte aus dem vergangenen Jahr waren oft schon aufgebraucht und die neuen Erntefrüchte gab es noch nicht.
Auch den Haustieren ging es nicht besonders gut aus den gleichen Gründen, weshalb sie zu schlachten nicht empfehlens­wert war. Erstens waren auch sie abgemagert und zweitens sollten sie ja noch Junge bekommen. Also war die Frühlingszeit schon immer eine Hungerzeit.

Alle Religionen sind bekannt dafür, dass aus der Not eine Tugend gemacht werden kann. Also wurde dem Hungern ein spiritueller Wert gegeben, die Askese als etwas benutzt, was den Menschen auf das Wesentliche, die Beziehung zu Gott hinführen sollte. Außerdem sind Zeiten knapper Vorräte bestens dazu ge­eignet, den Sinn des Teilens zu fördern, damit alle einigermaßen erträglich über diese kärgliche Zeit kommen können.

Von diesen Zusammenhängen sind wir Bürger einer reichen Wohlstandsgesellschaft inzwischen weit entfernt. Die modernen Verkehrsmittel bringen uns tagtäglich eine große Auswahl aller möglichen Früchte heimischen oder exotischen Ursprungs auf den Tisch. Uns ist der Sinn und das körperliche Empfinden der Jahreszeiten ziemlich abhanden gekommen und damit auch ihre spirituelle Dimension.

Wenn heute gefastet wird, dann vor allem, um gesundheits­schädigende Pfunde der satten Konsumgesellschaft mühsam wieder los zu werden, was in den meisten Fällen dann doch nicht gelingt.

Die für Menschen auch unserer Tage so notwendige Predigt vom Teilen hören schließlich nur noch die paar Prozent der Bevölkerung, die sonntags den Weg in die Kirche schaffen oder einen Fernseh- oder Radiogottesdienst verfolgen.
Wen wundert es, wenn so manche lebenserfahrene Menschen mit nachdenklicher Stimme sagen: „Uns geht es einfach zu gut.“
Und trotzdem sagt dazu nur eine gläubige Minderheit auch noch ein aufrichtiges „Gott sei Dank!“

Für die Autofahrer unter uns, die im Besitz eines Navis sind, ist eine Ansage dieses Gerätes vertraut, die meistens dann zu hören ist, wenn man sich nicht an die Wegführung dieses kleinen Helferleins gehalten hat und glaubte, selbst den besseren Weg zu wissen. In der Sackgasse angekommen, hört man dann aus dem kleinen Gerät die Computerstimme: „Wenn möglich, bitte wenden...“ oder „Kehren Sie jetzt um!“

Haben Sie auch manchmal den Eindruck, dass es höchste Zeit ist, umzukehren?
So geht es nicht weiter, so kann es nicht weiter gehen!

Dieses mulmige Gefühl kommt nicht selten, wenn wir mal ganz nüchtern unsere Lebenssituation betrachten.
„Kehren Sie jetzt um!“, dazu möchte uns die nun beginnende Fastenzeit einladen, ja sogar dringend auffordern.
Erwarten Sie bitte von mir jetzt keine Vorschriften, worin für Sie persönlich dieses Umkehren besteht oder konkret aussehen kann.
Das wissen Sie selbst wohl am besten, wo es Anlass zur Kehrt­wende gibt im Leben. Sicher gibt es eine lange Liste von Mög­lichkeiten, dem Leben mit Gott eine neue Dynamik zu geben.
Früher sprach man öfters das Wort von einem „gottgefälligen Leben“. Aber was gefällt denn Gott am besten? Vermutlich nicht, wenn wir hungern der schlanken Linie wegen.

Jesus hat nämlich mit seinen Jüngern bekanntlich nicht gefastet, was ihm auch den Rüffel der Pharisäer eingebracht hat.
Trotzdem: Die vorösterliche Bußzeit ist die Zeit der Umkehr zu Gott. Es ist die Zeit, Gott wieder mehr Raum und Zeit in unserem Leben zu geben.

Vor Weihnachten gibt es den Adventskalender mit 24 Türchen, die meist das Warten auf Weihnachten versüßen sollen. Ich wür­de Ihnen vorschlagen, einen „Fastenkalender“ mit 40 täglichen Vorsätzen oder Maßnahmen aufzustellen. Konkrete Vorsätze, wie Sie mehr Zeit Gott schenken können, IHM in Ihrem Denken mehr Raum überlassen können, mehr Ihr Leben so zu gestalten, wie es Jesus an Ihrer Stelle gestalten würde.

Umkehr, Fasten und Buße, Neuorientierung und Konsequenz im Glauben, das sind alles Begriffe, die im Kopf erst einmal durch­dacht werden müssen.
Das alles wird nämlich zuerst im Kopf entschieden, bevor dann auch das Herz, d.h., unser ganzes Sein dem entsprechen kann.
Deswegen ist mein einziger Rat für die Fastenzeit, alles zu meiden, was Ihr Denken wieder in alte und egoistische Bahnen lenkt.

Aber wie kommen wir zum neuen Denken, das dem Evangelium entspricht? Wir müssen uns mit dem Evangelium intensiver auseinander setzen, uns darüber austauschen und unser Verständ­nis des Denkens Jesu vertiefen.
In der Heiligen Schrift lesen, die Worte Jesu meditieren, zur Ruhe kommen: Das gehört für mich zum christlichen Existenzminimum.
Nur in der Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift können wir unser Leben wirklich verstehen und so gestalten, dass wir die Fülle unseres Glaubens, die Fülle der Gnaden erfahren können.

Also in den vor uns liegenden 40 Tagen:
Den Konsum reduzieren und teilen, Zeit verschenken an Menschen, die uns brauchen, das Denken neu auf das Wesentliche hin orientieren, auf den Willen Gottes!
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine frohe und gottgefällige Fastenzeit!

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