Weg mit dir, Satan! (Gedanken zu Mt 4.1-11)

Beitrag von wize.life-Nutzer

Es ist ja schon ziemlich unverständlich, warum Jesus, der Sohn Gottes, in Versuchung geraten konnte. Vieles wurde darüber geschrieben und meditiert seit Jahrhunderten.
Ich möchte mit Ihnen einige Mosaiksteinchen aus dieser Ver­suchungsgeschichte Jesu durchleuchten und dann zu verstehen versuchen, was das alles mit uns zu tun haben könnte.
Seit Adam und Eva wird der Mensch versucht. Die einen haben daraus die Ursünde formuliert, die durch die Sündhaftigkeit des Menschen provoziert wurde. Andere haben diesen Zustand der Versuchung als die so genannte Erbsünde formuliert, der wir unausweichlich ausgesetzt sind und uns auch gar nicht nachhaltig dagegen wehren können. Und schließlich gibt es Theologen, die die in der Bibel geschilderte Versuchung Adams und Evas als einen notwendigen Reifungsprozess des Menschen formulieren, ohne den die freie Liebe des Menschen zu Gott und untereinan­der gar nicht möglich wäre.
Und in diesem vierten Kapitel des Matthäus-Evangeliums hören wir, dass auch Jesus Versuchungen zu bestehen hatte, die eben im Menschsein verankert sind.
Die Versuchung, nach Belieben aus Steinen Brot zu machen, ist sehr nahe liegend, wenn man – wie bei Jesus geschildert – Hunger hat in der Wüste. Der Wortwechsel mit dem Versucher läuft dann darauf hinaus, dass es nicht darauf ankommt, Brot im Sinn von Reichtum beliebig zu vermehren, sondern darauf, den Willen Gottes zu tun, also in der Logik Gottes zu leben.
Auch wir sind der Versuchung ausgesetzt, Gott um Brot für die Millionen Hungernden zu bitten. Gleichzeitig sind wir viel zu wenig bereit, in der Logik Gottes zu leben und die Ressourcen gerecht zu verteilen. Und wie wir sehen, Gott erledigt nicht die Hausaufgaben, die wir erfüllen müssen. Es verhungern weiterhin täglich Tausende von unschuldigen Menschen, meist Kinder.

Die zweite klassische Versuchung, mit der sich Jesus auseinander zu setzen hat, ist der Missbrauch des Schutzes Gottes, der uns in Gestalt von Engeln zugesagt ist. Der Versucher will Jesus dazu verführen, sich unsinniger und leichtfertiger Gefahr auszusetzen und sich von der Tempelzinne zu stürzen.
Er sollte den Schutzengel austesten. „Wird schon gut gehen...“
Auch wir sind tagtäglich der Versuchung ausgesetzt, uns in unnötige Gefahren zu begeben und dann darauf zu hoffen, dass es bestimmt gut gehen wird, dass uns die schlimmen Folgen unseres eigenen Handelns sicher nicht treffen werden.
Ich könnte an dieser Stelle eine endlose Liste solcher manchmal sogar tödlicher Versuchungen aufzählen im Großen und im Kleinen. Zum Beispiel: überhöhte Geschwindigkeit im Straßen­verkehr, gesundheitsschädliche Gewohnheiten, Umweltver­schmutzung, der Umgang mit der Atomkraft, Umgang mit Drogen und Pharmaprodukten wie Antibabypille und alle möglichen Aufputschmittel...
Ähnliches gilt, wenn es darum geht, einen Menschen zu heiraten, mit dem bei nüchterner Betrachtungsweise eine haltbare und glückliche Ehe unwahrscheinlich erscheinen muss.
Immer die gleiche Versuchung, anzunehmen, bei mir wird es schon gut gehen...

Und schließlich die dritte Versuchung Jesu, sehr mächtig zu werden, wenn er nur den „Fürst dieser Welt“ zu seinem Gott macht und nach seinen Prinzipien lebt.
Auch darin finden wir uns wieder. In großen und kleinen Din­gen streben wir nach Macht und Reichtum. Wir streben danach, über andere bestimmen zu können, sie für unsere Interessen arbeiten zu lassen. Und immer wieder ertappen wir uns bei einer fatalen Logik, Hauptsache bei unseren Zielen ankommen!
Auf dem Weg zum Ziel müssen wir eben manchmal etwas hart und „böse“ sein (und womöglich Krieg führen), aber wenn wir das Ziel erreicht haben, dann können wir den Versucher wegschicken und alles wird gut... Eine Illusion, die schon bei Goethes Faust nicht aufgegangen ist.
Das Streben nach Geld und Macht ruiniert das Menschenherz bis auf den Grund.
Ach so, uns geht es gar nicht um Macht, man möchte ja nur seine Zukunft sichern, für einen angenehmen Lebensabend sorgen und den Nachkommen ein stattliches Erbe hinterlassen, damit sie uns in guter Erinnerung behalten.

„Weg mit dir Satan!“, das ist die Antwort Jesu auf solche Ver­führungen, die niemals im Sinn Gottes sind und die auch nie ein gutes Ende in unserem Leben haben können.
Die meisten unserer großen und kleinen Versuchungen lassen sich in diese drei Kategorien einordnen.
Es sind Versuchungen, denen auch der heiligste aller Menschen, nämlich Jesus, ausgesetzt war und sie bestehen musste.
Und wenn wir einen tieferen Blick in diesen Abschnitt des Matthäus-Evangeliums werfen, dann werden wir feststellen, wie perfide der Versucher an Jesus und so auch an uns heran tritt.
Der Teufel argumentiert nämlich nicht mit verwerflichen und schnöden Verlockungen und Behauptungen. Er benutzt regelmäßig Sätze aus der Bibel, um seine Angriffe auf Jesus zu rechtfertigen und plausibel zu machen. Die Zitate, die der Versucher anführt, stimmen allesamt dem Buchstaben nach.
Aber der Sinn und der Zusammenhang sind völlig verkehrt.
Versuchungen werden uns vom Teufel immer als etwas darge­stellt, was eigentlich ganz logisch, ganz normal und "vernünftig" in unserem Denken ist. Diese perfiden Versuchungen hören sich sogar als etwas Frommes an, weil es ja so in der Bibel steht.

Es ist nicht schwer, an dieser Stelle auch noch eine Deutung der Versuchung zu geben, die etwas mit der Uneinheit und Zerstrit­tenheit der Christenheit zu tun hat:
Jede der vielen christlichen Kirchen und Freikirchen beruft sich auf die Bibel, liest und deutet aber die Heilige Schrift nach eige­nem Ermessen. Die Früchte sind Spaltungen und Unglaube.
Nur wenn wir eins sind, sagt Jesus, wird die Welt glauben. Die Einheit im Großen und Kleinen muss unser größtes Ziel sein. Jesus hat den Vater um diese Einheit gebeten. Tun wir es auch!

www.konrad-heil.de

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