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Ewiges Leben: Ba, die Seele (als Vogel mit dem Kopf eines Menschen) fliegt zu den Sternen und lebt dort nach dem Tod weiterFoto-Quelle: Ägyptisches Totenbuch, James Wasserman, http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:BD_Mummy_and_Ba.jpg

Alt werden wie Methusalem – Traum oder Schreckensvision?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Die Menschheit wird immer älter. Doch nur die wenigsten Hochbetagten können ihre Lebenszeit wirklich genießen. Viele von ihnen sind mit schweren Krankheiten oder zumindest mit einer ganzen Reihe von Zipperlein geschlagen, die ihnen das Leben fast täglich verleiden. Ist das ewige Leben also wirklich erstrebenswert?

969 Jahre Lebenszeit - so alt zu werden wie einst Methusalem ist ein uralter Menschheitstraum. Die biblische Legende beflügelte die Fantasie vieler Menschen und inspirierte sie zu kühnen Visionen: Zu allen Zeiten versuchte sich die Menschheit an allerlei Apparaten und Tinkturen, um das ewige Leben zu erlangen.

Ewiges Leben - auf der Suche nach dem Stein der Weisen
Ein ganzer Wissenschaftszweig – die Alchemie - widmete sich der Suche nach einem Mittel, das den Tod überwinden sollte. Der Stein der Weisen, das Lebenselixier, verhieß die Heilung aller irdischen Leiden und viele wollten gerne glauben, dass es zudem ewige Jugend, Schönheit, Potenz und sogar Unsterblichkeit verlieh. Auch die moderne Wissenschaft ist von dieser fixen Idee besessen: Fieberhaft arbeiten Forscher in aller Welt daran, den Alterungsprozess zu verlangsamen – vielleicht sogar zu stoppen. Noch müssen wir sterben, mit durchschnittlich etwa 76 Jahren. Aber vielleicht irgendwann…

Lebensmüde nach einer halben Ewigkeit?
120 Jahre immerhin können wir unter günstigen Bedingungen durchaus erreichen: Die Französin Jeanne Calment wurde 122 Jahre alt und ist damit der bislang bekannte älteste Mensch. Aber ist es wirklich erstrebenswert, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen? Und würde uns das ewige Leben nicht irgendwann auch mit Lebensmüdigkeit schlagen?

Vielleicht ist es gerade die Begrenztheit unserer Lebenszeit, die den Reiz unseres Daseins ausmacht? Sie treibt uns an, uns zu verwirklichen, so lange dies möglich ist. Sie macht es notwendig, immer wieder Prioritäten zu setzen und bewegt uns, im Hier und Jetzt nach Glück zu streben und die kostbare Zeit zu nutzen. Ewiges Leben macht stetes Streben überflüssig. Selbst die Jenseitslehren der Religionen und wären dann ohne Belang. Und wer kein Ziel hat, verliert an Sinn und Bedeutung, wird passiv und müde. Wer alle Zeit der Welt hat, misst der Zeit keinen Wert mehr bei. Wozu soll er sich beeilen, die Herausforderungen des Lebens anzugehen und Lösungen für Probleme zu finden?

Fluch oder Segen?
Das Bewusstsein, dass man für die nachfolgenden Generationen Verantwortung übernehmen sollte, käme abhanden. Vielleicht würde man aber auch schon aus reinem Egoismus verantwortungsvoller handeln, weil man die Konsequenzen seiner Entscheidungen auch selbst tragen müsste? Doch noch haben wir den wichtigsten Aspekt dabei außer Acht gelassen: Die Gesundheit.

120 Jahre bei guter körperlicher Verfassung – ja, das wäre wohl für viele akzeptabel. Madame Calment war lange damit gesegnet. Ihre letzten Jahre verbrachte die betagte Dame im Altersheim - an den Rollstuhl gefesselt, blind und fast taub. Es gibt weitaus jüngere Menschen, die sich mit einem frühen Tod anfreunden, weil das Leben zur Qual wird:

Der Tod ist die beste Erfindung des Lebens
Auch Steve Jobs musste sich aufgrund seiner Krebserkrankung mit dem Sterben auseinandersetzen. Der Apple-Gründer starb 2011 mit 56 Jahren, doch schon 2005 hielt er vor Absolventen der Stanfrod University eine Rede, in der er erklärte, der Gedanke an den Tod helfe ihm, Entscheidungen zu treffen. Und so Jobs: ''Niemand will sterben. Nicht mal Menschen, die in den Himmel kommen wollen, wollen sterben, um dorthin zu gelangen. Und dennoch ist der Tod das Schicksal, das wir alle teilen. Niemand ist jemals entkommen. Und das ist so, wie es sein sollte, weil der Tod möglicherweise die beste Erfindung des Lebens ist. Es ist der Vertreter des Lebens für die Veränderung. Es räumt das Alte weg, um Platz zu machen für das Neue.“