Was Frauen wirklich denken: Hilft 1 x täglich über sich lachen?
Was Frauen wirklich denken: Hilft 1 x täglich über sich lachen?Foto-Quelle: © icsnaps - www.Fotolia.com

Was Frauen wirklich denken: Hilft 1 x täglich über sich lachen?

Sonja Bissbort
Beitrag von Sonja Bissbort

Et kütt wie et kütt, sagt das Rheinische Grundgesetz, Artikel 2. Auf Hochdeutsch: Es kommt, wie es kommt. Man könnte auch sagen: Füge dich in das Unabwendbare, du kannst ohnehin nichts am Lauf der Dinge ändern.

Eine Freundin von mir ist Energiearbeiterin. Sie sagt: Du musst dich nicht fügen, lächle es weg. Stell dich vor den Spiegel und lächle. Grimassiere nicht, sondern erinnere dich an heitere Momente. Irgendwann wirst du lächeln, erst deine Augen, dann dein ganzes Gesicht und schließlich auch dein Geist, deine Seele, dein Herz. Dann ist es weg, was dich verstimmt.

Du kannst nicht lachen und zugleich traurig sein.


Wohlgemerkt, sie spricht nicht von den wirklich traurigen Erfahrungen und Momenten. Sie spricht von denen, die auch im Rheinischen Grundgesetz gemeint sind und mit denen wir uns das Leben unnötig beschweren, mit denen wir uns runterziehen und die uns wie Betonklötze an den Füßen kleben, die uns Tage vergällen - und dann, plötzlich, sind sie verschwunden, wie in Nichts aufgelöst, weil uns jemand zum Lachen gebracht hat und sie einfach im großen Strom des Vergessens untergegangen sind. Bis zu diesem Moment haben sie uns viel Energie gekostet, viel Freude, viel Lebenszeit.

Auf dieses ansteckende Lachen von außen müssen wir - so meine Freundin - nicht warten und auch nicht darauf, dass die Neuronen und Synapsen unseres Gehirns sich neu verdrahten und den alltäglichen Ärger verblasen wie eine kleine Wolke am blitzblankblauen Sommerhimmel. Wir können das selbst. Jederzeit. Humor und Frohsinn schlummern in jedem von uns, mal liegen sie wie im Tiefschlaf und wir müssen sie heftig rütteln, bis sie erwachen, mal halten sie nur ein kurzes Nickerchen und ein kleiner Schubs genügt und sie tauchen für uns das Leben wieder in frohen Sinn.

Geht das? Wirklich?


Ich habe meiner Freundin im ersten Moment nicht glauben wollen. Wenn ich verstimmt bin aus mehr oder weniger gewichtigem und berechtigtem Grund - wie soll ich dann lächeln?! Einfach so?! Sie sagte: Probier's einfach. Du bist doch sonst für alles offen und ein neugieriger Mensch.

Also habe ich es probiert. Ganz bewusst. Ich habe einen dieser Momente abgepasst, in denen mich ein Geschäftspartner auf die Palme gebracht hatte, weil er höchst ungerecht war, wie ich fand. Ich stellte mich vor den Spiegel und sah mir ins Gesicht. Jeder Muskel wirkte höchst angespannt, die Augen waren verkniffen, die Zornesfalte zwischen den Augenbrauen zuckte verdächtig, die Mundwinkel zogen nach unten. Oh, dachte ich, so siehst du also aus, wenn es in dir kocht und brodelt.

Ich versuchte, den Gesichtsausdruck noch weiter zu verstärken. Und dann versuchte ich das Gegenteil. Ich dachte an schöne, lustige, heitere Momente, bis der Schatten über meinem Gesicht wegwischte. Das war erst gar nicht einfach. Der Ärger wollte mich buchstäblich festhalten. So wie sich eine Regenwolke am Himmel festkrallt und der Wind ganz schön heftig pusten muss, bis sie loslässt und sich verzieht. Je nachdem wer von den beiden gewinnt, regnet es oder die Sonne lacht.

Es dauerte auch bei mir, bis ich wirklich lächelte und schließlich laut lachen musste. Über meinen Ärger, meinen Geschäftspartner, meine Gesichtsmuskel und auch meine Freundin, die mir eben diese Veränderung vorgemacht hatte.

Seitdem habe ich eine neue Gewohnheit: ich nenne sie "mein Spiegelbild erheitern".


Erst lacht mein Spiegelbild und dann ich. Man nimmt mir immer noch die Vorfahrt und mein Geschäftspartner treibt immer noch seine Spielchen. Aber ich schaffe es immer öfters und immer schneller, sogar ohne vorher in den Spiegel zu schauen, über die Dinge des Lebens zu lächeln. Nicht aufgesetzt und nicht wie Sammy Molcho. Sondern mittlerweile von innen nach außen. Mit frohem Sinn aus tiefstem Herzen.


Vielleicht stecke ich ja nun den einen oder anderen damit an?