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Liturgische Fußwaschung am Gründonnerstag (Joh 13,1-15)

17.04.2014, 10:55 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Zur katholischen Liturgie am Gründonnerstag gehört die Fußwaschung im Gottesdienst...

Vielleicht geht es uns so wie Petrus, der sich weigerte, sich von Jesus die Füße waschen zu lassen. Und Jesus sagte zu ihm:
„Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht, doch später wirst du es begreifen.“ (Joh 13.7)
Vielleicht begreifen auch wir es in der tiefsten Bedeutung jetzt noch nicht, was es heißt, einander die niedrigsten Sklavendienste mit der gleichen Selbstverständlichkeit zu tun, wie es Jesus den Seinen getan hat.
Versuchen wir doch jetzt ein wenig, darüber nachzudenken.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der es ziemlich klare Rollen in Hierarchien gibt. Als ich noch Schulkind war, bekamen ich oder meine Geschwister, wenn wir nicht lernen wollten, zu hören: „Dann kannst Du später eben Straßenfeger werden.“ Das war eine warnende Abschreckung, bloß nicht am Ende etwas tun zu müssen, was gesellschaftlich wenig Einkommen, Anerkennung und Status einbrachte.
Ganz anders war es bei Berufen, die z.B. in einer Uniform ausgeübt werden: Polizisten, Kapitäne, Piloten, Feuerwehrleute oder Ärzte im weißen Kittel. Das waren die sog. angesehenen Leute, weil sie eine gesellschaftlich wichtige Rolle spielten und dazu auch ein ansehnliches Gehalt verdienen.
Heute ist das kaum mehr so einfach zu denken. Spätestens wenn die Müllmänner streiken, merkt jeder, wie wichtig ihre Arbeit für eine ganze Stadt ist. Und verdienen tun sie auch oft mehr als mancher Handwerker oder Angestellter.
Heute sind die schlechter bezahlten Dienste vor allem im sozialen Bereich, dort wo mit und für Menschen gearbeitet wird. Es sind Berufe, in denen überwiegend Frauen arbeiten, in denen viel Geduld erforderlich ist und in denen ständig auf die Uhr geschaut werden muss, weil das Baden eines hilflosen Menschen eben mit einem bestimmten Minutensatz zu erfolgen hat.
Wie weit ist unsere Gesellschaft entfernt von dem Aufruf Jesu, einander die sog. „niedersten“ Dienste zu tun mit der gleichen Hingabe, wie es Jesus getan hat.
Wie weit sind wir vielleicht auch entfernt von der inneren Haltung und Zuwendung, die erforderlich ist, in allem was wir tun, das „...wie ich euch getan habe...“ zu praktizieren.
Dabei ist es nicht getan, einmal im Jahr am Gründonnerstag den steril anmutenden Ritus der Fußwaschung zu zelebrieren, der uns in unserem Kulturkreis fremd ist und uns sogar widerstrebt.
Auch wenn wir es heute Abend nicht in der liturgisch vorge­schriebenen Art machen. Wenn wir Jesus ernst nehmen, dann kommen wir um diesen „niederen Sklavendienst“ nicht herum.

Und so möchte ich Sie auffordern, heute und in der nächsten Zeit darauf zu achten, was im häuslichen Miteinander so etwas Ähnliches sein könnte wie die Fußwaschung damals. Oft sind ja zu Hause die Rollen klar verteilt.
Und was sonst niemand machen möchte, das bleibt dann eben liegen in der Hoffnung, die Mama macht das schon...

Also Männer, heute ist Gründonnerstag, heute müssen wir ran! Fangen Sie z.B. an und putzen Sie die Schuhe Ihrer Frau und der Kinder. Putzen Sie Klo und Bad und die Fenster, wenn Sie bei der Frühlingssonne merken, dass Sie nicht mehr den optimalen Durchblick haben. Helfen Sie als Mann Ihrem Kind oder Enkel bei den Hausaufgaben, auch wenn das eine Menge Geduld kostet. Oder spielen Sie mit Ihrem Kind oder Enkel sein Lieb­lingsspiel, auch wenn schon Anpfiff Ihrer Fußballmannschaft am Fernsehen war. Lassen Sie sich etwas einfallen, was für das häusliche Miteinander wichtig ist, aber Ihnen irgendwie wider­strebt, auch weil es die Mama ja „viel besser“ kann.
Die Ausrede, meine Frau kann das viel besser, mag vielleicht stimmen. Aber wenn Sie diese einfachen Dienste einmal selbst gemacht haben, dann wissen Sie womöglich viel besser zu wert­schätzen, was Ihre Frau so selbstverständlich und meist unbeachtet und unbedankt macht.
Und Sie, meine lieben Ehefrauen, können sich analog auch etwas ausdenken, was so ein „Fußwaschungsdienst“ für Sie sein könnte. Und dann öffnen Sie Ihren Blick über den Gartenzaun hinaus und versuchen zu entdecken, wo Ihre Hände und vor allem Ihr Herz benötigt werden, diesen Dienst zu leisten, den Jesus uns aufgetragen hat.
Egal, welchen Dienst Sie sich vornehmen: Je mehr Geduld und Hingabe er erfordert, desto näher kommen Sie der Mentalität Jesu entgegen: „... wie ich Euch getan habe...“
Natürlich habe auch ich mir etwas vorgenommen, was mich Überwindung kostet...
Ich spüre, wie gut es tut, eine größere Aufmerksamkeit zu haben und anzupacken, wenn es darauf ankommt, ohne lange zu fragen.
Sie sehen, „Fußwaschung“ kann ein Lebensprogramm werden!
Und dieses Lebensprogramm kostet Kraft. Diese Kraft gibt uns Jesus in der Eucharistie, er verschenkt sich selbst an uns, damit wir Kraft haben für das „ewige“ Leben, Augenblick für Augen­blick. Nicht umsonst ist die Fußwaschung und die Eucharistie am gleichen Abend von Jesus vollzogen worden.
Wie gerne würde ich mich in einer Woche mit Ihnen über dieses Lebensprogramm austauschen. Es wäre sicher faszinierend zu erfahren, wozu Jesus Sie bewegt und aufmerksam gemacht hat.

www.konrad-heil.de

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