Gute Gläubige und böse Atheisten

Beitrag von wize.life-Nutzer

Da ist ein einziger, allmächtiger Gott, der uns und das gesamte Kosmos erschaffen hat. Die Menschen fragen nicht warum er das getan hat, er wird schon seine Gründe gehabt haben. Die Menschen fragen sich, jedenfalls so lange sie in der jetzigen Ausbaustufe existieren, wie dieser Gott aussieht und was er von den Menschen verlangt.

Da sind die Christen. Ihnen hat sich dieser Gott zunächst in der Bibel offenbart, um danach noch seinen menschgewordenen Sohn zu schicken. Dieser hat dann in einer dramatischen Verkettung von Umständen zunächst das irdische Leben am Kreuz verloren, hingerichtet durch Ungläubige. Danach ist er aber wieder auferstanden und hat so demonstriert, wozu so ein Gottessohn doch fähig ist. Das hat seinen Anhängern vollends die Augen geöffnet und sie haben die Welt mit dieser Lehre beglückt.

Alle Menschen glauben trotzdem nicht an diese Version. Da gibt es noch andere Religionen, nicht ganz so erfolgreich wie das Christentum, aber ebenfalls mit sehr viel Einfluss.

In einer Zeit, in der die Wissenschaft immer mehr „Licht ins Dunkel“ bringt, ohne allerdings die letzten Rätsel der Welt lösen zu können, gibt es auch verstärkt Denkströmungen, die solchen Gottesglauben ablehnen.

Was bringt Menschen dazu, solche Religionen, die Tausende von Jahren existieren und von Milliarden Gläubigen unterstützt werden abzulehnen? Wie kann ein vernünftiger Mensch denken, so viel Artgenossen vor ihm hätten sich geirrt?

Ich denke, es steckt im Gehirn des Menschen. Durch seinen freien Willen ist er in der Lage, weiterzudenken und alles zu hinterfragen, auch uralte Überlieferungen von einem imaginären Wesen welches alles lenkt, sich aber trotzdem nicht jedem offenbart. Vielleicht ist es ja sogar die Bestimmung des Menschen, alles zu hinterfragen um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, aber das ist meine Meinung und ich bin kein Gläubiger.

Die meisten Religionen haben vorgesorgt gegen Abtrünnige. Bei den Christen gab und gibt es den Satan. Der ist dafür verantwortlich, dass manche Menschen verblendet sind und Gott nicht erkennen. Auf diese Weise wurde der Glaube im Mittelalter mächtiger als alle weltlichen Instanzen. Es gibt ja auch keine Argumente dagegen. Sobald man eins bringt, ist man selbst böse und besessen.

Genau so ist es auch heute noch. Wer an Jesus glaubt, wird sofort als ebenso guter Mensch wahrgenommen, wie es dieser Jesus gewesen sein soll. Wer hingegen Zweifel hegt und die auch äußert, mit dem muss etwas nicht stimmen. Ist er besessen? Ist er verrückt?

Wer von der Wahrnehmung Gottes fantasiert, vielleicht bei Kerzenschein in einer kleinen Kapelle in Südfrankreich, der wird bewundert. Wer hingegen erzählt, dass ihm die Erleuchtung dahingehend kam, dass er erkannte, dass das alles doch Quatsch ist und wir doch nur manipuliert wurden von den Geistlichen und kein vernünftiger Gott sich so einen Käse ausgedacht haben könnte, der ist unten durch. So ein Verräter, so ein Besessener, hinweg mit dir Satan!

In Diskussionen, in den Atheisten ihren humanen Anspruch formulieren, dass der Mensch und das Leben im Diesseits im Vordergrund stehen sollte, erkenne ich immer deren hohen Anspruch. Ich fühle mich wohl, wenn ich Gleichgesinnte erkenne. Ich erkenne das Gute im Menschen eher bei diesen Leuten, viel weniger bei denen, die mit dem Kreuz drohen und ihren Führungsstatus aus uralten Lehren ableiten, die ebensoviel Unmenschlichkeit wie Klugheit beinhalten, eben typisch sind für alles, was Menschen erschaffen haben.

Mir fehlen immer noch die Antworten auf die, für mich, entscheidende Fragen:

Warum sollte so ein mächtiger Gott Versteck spielen? Warum sollte er sich manchen Menschen offenbaren und manchen nicht? Was sollte ihm dran liegen, ob er von diesen kleinen, unwürdigen Menschen gefeiert wird? Wieso sollte er eifersüchtig darüber wachen, ob nicht jemand einen falschen Gott anbetet?

Sind die Menschen tatsächlich „menschlicher“, wenn sie an ein solches Wesen glauben, oder wäre die Welt nicht humaner, wenn lediglich nach humanistischen Regeln statt nach religiösen gelebt würde?

Für mich steht die Antwort schon fest, ich glaube aber nicht, dass ich vom Teufel besessen bin!

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