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Leben in Fülle (Gedanken zu Joh 10,1-10)

10.05.2014, 16:10 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Dieser Evangeliumsabschnitt beeindruckt mich vor allem durch den letzten Satz: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“

Das ist es doch genau, was wir Menschen am meisten wollen. Leben in allen Facetten und in Fülle. Also, so könnte man sagen, liegen wir doch ganz auf der Linie von Jesus, der auch nichts anderes möchte für uns. Und weil dieses Leben in Fülle ja alle Menschen anstreben, ob sie nun an Jesus glauben oder nicht, muss es doch etwas geben, was diese „Fülle“, die Jesus verheißt, ausmacht und von allem anderen sonstigen Glücks­streben unterscheidet.

Klar ist in unserer heutigen Konsumgesellschaft, dass durch die Werbung und die Medien suggeriert wird, je mehr Einkommen, desto mehr Konsum, desto mehr Lebensfülle.
Aber jeder weiß auch, das die vielen übermäßig betuchten Stars und Sternchen trotz ihres Wohlstandes keine wirklich nach­ahmenswerte Lebensfülle erleben; dass sie sehr viel häufiger in Beziehungen scheitern, in Drogen und sonstigen gesundheits­schädlichen Dingen verstrickt sind.

Glück und Lebensfülle sind also bestimmt nicht das Ergebnis eines üppigen Einkommens und eines konsumorientierten Lebensstils.
Aber wie können wir uns auf die Suche nach der Lebensfülle machen, die Jesus schenken möchte?
Ich glaube, Jesus wartet ständig darauf, dass er uns mit dieser Fülle beschenken kann. Vielleicht ist sie schon da und wir erkennen sie bloß nicht...
Da kommt für mich die Frage der Sensibilität und Wahrnehmung ins Spiel. Ich kann das anhand einiger Beispiele verdeutlichen:

Bei den atemberaubenden Erkenntnissen der Astronomie und Astrophysik beeindruckt es uns schon kaum mehr, in welchen unvorstellbaren Weiten des Raums die so eine kleine blaue Planetenkugel namens „Erde“ eine unfassbare Fülle an Leben hervor gebracht hat...

Jetzt ist Frühling und wir nehmen zufrieden zur Kenntnis, wie in der Natur alles wieder aufblüht und sprießt.
Völlig normal, aber zutiefst erstaunt vor diesem alljähr­lichen Wunderwerk der Schöpfung sind wir kaum.

Wir sind hier in der Kirche zusammen gekommen. Man kennt sich mehr oder weniger. Die meisten eher nur ober­flächlich.
Aber wir sind nicht davon gerührt und betroffen, dass jedes Gesicht der Ausdruck einer Liebes­geschichte Gottes mit einem Menschen ist, der einzigartig im Universum nach Lebensfülle strebt.

Wir kommen zusammen zum Gottesdienst und reihen uns ein in eine unendliche Schar von Menschen, die ver­suchen, sich von Gott leiten und führen zu lassen.
Wir haben aber kaum eine Vorstellung davon, wozu Gott jene Menschen bewegen kann, die IHM ihr „Ja“ geben.

In den Jahrhunderten der Kirchengeschichte haben Menschen durch ihren Glauben unvorstellbare Leistungen und heroische Taten vollbracht, die jedes menschliche Maß übersteigen.
Auch das berührt uns, wenn überhaupt, nur am Rande.
Das waren einfach vier Beispiele, wo in denen uns schlichtweg die Wahrnehmung fehlt oder noch schlimmer: das Interesse, diese „Fülle“ wahrzunehmen.

Mir ist es zu einfach, dieses Wort der „Fülle des Lebens“ einfach auf die Zeit nach unserem Tod zu verschieben.
Es gibt sie jetzt schon, wenn wir wollen.
„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Jesus sagt nicht, „damit sie das Leben haben werden...“
Jetzt in der Gegenwart bietet Jesus uns eine Lebensfülle an, wenn wir sie nur wahrnehmen und annehmen würden.
Aber bei den vorgenannten Beispielen, so scheint es, sind wir eher betrachtende und staunende Zuschauer. Das ist schon mal ganz gut aber vielleicht noch nicht die ganz „Fülle“.
Jesus möchte uns ja nicht nur als „Zuschauer“ in seinem Reich sehen, sondern als Hauptdarsteller, als die geistgeführten Akteure. Denn in der Liebe, wenn man sie erleben will, kann man nicht nur Zuschauer sein, sondern nur betroffener und aktiver Teilnehmer am Geschehen.
Eigentlich gibt es eine ganz einfache Formel, was Lebensfülle ist: Sie besteht darin, dass wir so etwas wie ein Kanal der Liebe Gottes in der Welt sind. Mehr Leben als in Gott selbst ist, gibt es nicht. Deswegen empfehlen die Mystiker aller Zeiten immer wieder, sich der eigenen Möglichkeiten bewusst zu werden, wie wir die Liebe Gottes in die Welt bringen können. Dazu haben wir Gaben und Talente, wir haben Zeit und Sensibilität. Aber das Wichtigste ist das Loslassen des nur scheinbar „Wichtigen“.

* In der Seele zur Stille zu kommen,
* in der Ruhe zum Wesentlichen vorzustoßen, auf das es ankommt, die Stimme Gottes vernehmen
* von dem Vielen, was man tun könnte nur das eine Wichtige tun, was der Wille Gottes ist.

Lebensfülle könnte man vergleichen mit duftenden Blumen.
Es bringt wenig, an allen Blumen im Garten womöglich gleich­zeitig zu riechen. Den Duft einer einzigen Blüte wahrzunehmen und auszukosten ist viel mehr als das „konsumieren“ vieler Düfte in kurzer Zeit.

Widmen wir uns einfach wieder jener geheimnisvollen Lebens­blüte der Gegenwart. In jedem einzelnen Augenblick liegt die Lebensfülle, die Jesus uns schenken möchte.
Die wichtigste Zeit für die Liebe ist die Gegenwart!

www.konrad-heil.de

2 Kommentare

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Zur Fülle gehören aber auch: Leid, Krankheit und letztendlich auch Tod.
Ich sage das jetzt nicht als Kritik, weil ich mit einigen, was oben gesagt wurde, übereinstimme.
  • 11.05.2014, 12:51 Uhr
Das stimmt!
Ich hatte das in meinem Predigt(ton)archiv im Tagesgedanken noch ergänzt.

www.konrad-heil.de
  • 11.05.2014, 20:19 Uhr
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