Mein Wort zu Sonntag: Die Glücksformel
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Mein Wort zu Sonntag: Die Glücksformel

News Team
Beitrag von News Team

Wissenschaftler haben tatsächlich eine mathematische Formel gefunden, mit deren Hilfe man das eigene Glück berechnen kann. Was taugt sie?
Erst mal müssen wir feststellen, dass die deutsche Sprache die verschieden Glücksbegriffe sehr unvollkommen darstellt. Die Linguisten und Glücksforscher unterscheiden nämlich dreierlei:
(1) Glück haben
(2) Glücksmoment erleben
(3) dauerhaft im Glück leben
Im Deutschen heißt alles "Glück", obwohl der Ausdruck ursprünglich nur Nr. (1) betraf. Die Angelsachen dagegen sprechen von (1) luck, (2) pleasure, und (3) happiness.

Glück haben: eine Sache des Zufalls

Bei Nr. (1) können wir mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung berechnen, ob wir wirklich Glück hatten oder der Ausgang einer Situation sich im Rahmen des mathematisch Erlaubten bewegt. Die ganze philosophisch-mathematische Diskussion über "Zufall" wollen wir uns hier ersparen, da sie uns wenig weiterbringt in Bezug auf unser Thema.
Dauerhaftes gleichbleibendes Glück (3) können wir auch nicht messen, da es nicht möglich ist. Der Grund: Eine Theorie (die Niveauanpassungstheorie) besagt, dass Glück immer relativ beurteilt wird. Der Glücks-Standard wird nun durch positive Erfahrungen angehoben. Negative Erfahrzungen dagegen lassen ihn sinken und machen damit neue Glückserfahrungen möglich. So streben wir immer nach höherem Glück und sind nie zufrieden. Fachleute bezeichnen das die "Hedonistenfalle": Wer einmal das Leben in vollen Zügen genossen hat, kann damit nicht aufhören, braucht immer härtere Stimulanzien, bis er zusammenklappt. Deshalb entwickelten die antiken Völker auch die Philosophie des Stoizismus: Werde frei von Begierden. Ob' stimmt, wer weiß. Jedenfalls nennen wir einen dauerhaft gleichen Glückszustand "Zufriedenheit".

Glücksmomente erleben: hängt vom Einzelnen ab

Bleibt Nr. 2, der augenblickliche Glückszustand. Und der hängt keineswegs nur von äußeren Faktoren ab. Erinnern wir uns an den Menschen in Bangladesh, der sich für glücklich hält, weil er zwei warme Mahlzeiten am Tag bekommt statt der erwarteten einen. Womit wir beim wesentlichen Bestandteil der Glücksformel wären: bei der Erwartungshaltung. Sie wird in Bezug gesetzt zu den tatsächlichen Vorkommnissen. Die ursprüngliche Formel ist zu kompliziert; da braucht man einen Taschenrechner, und die Zahlen sind noch aussagekräftig. Wir machen es ganz einfach:
augenblicklicher Glückszustand = Fakten - Erwartung
Aus der Formel ergibt sich eine positive Zahl = Glück, oder eine negative Zahl = Unglück. Im letzteren Fall können wir auch von einem "Unglücksfaktor" sprechen. Dass die Formel von zwei Faktoren (mathematisch korrekt: von zwei Gliedern) abhängt, gibt es zwei Möglichkeiten, den Glückszustand ins positive zu verlagern: viele glücklich machende Fakten - oder eine kleine Erwartungshaltung.

Dauerhaftes Glück: eine Chimäre

Ist unsere Erwartung größer als die Wirklichkeit, sind wir enttäuscht, ist die Wirklichkeit besser als die Erwartung, sind wir glücklich. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich die Formel sehr bestätigen. Beim Tango ist es üblich, dass sich die Menschen mischen und tanzen, mit wem sie wollen, vorausgesetzt, der/die andere ist damit einverstanden. Was nicht immer der Fall ist. Wenn ich tanzen gehe, weiß ich nie, wie der Abend wird. Erwarte ich mir großartige Tänze und bekomme ich nur Körbe, ist der Unglücksfaktor groß. Erwarte ich mir nichts und komme dann zu einem wirklich guten Tanz, ist der Glücksfaktor hoch.
Kurzum: Die Wirklichkeit kann ich nicht beeinflussen, meine Erwartungshaltung aber schon!