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Die Bibel und ihre Aktualität

Beitrag von wize.life-Nutzer

Bei der Bibel handelt es sich um eine Sammlung altertümlicher Schriften, in denen dokumentiert ist, wie Menschen früherer Zeiten sich in ein Verhältnis zu dem höchsten Wesen zu setzen versuchten, das sie sich vorstellen konnten. Diese Vorstellung wechselte oft, war aber stets vor allem angelehnt an den starken Eindruck, den menschliche Herrschergestalten auf ihre Untertanen machten. Solche Gestalten waren identitätsstiftend für Stämme und ganze Völker. Mehr und mehr schwor man sich auf einen Volksgott ein und stellte ihn über sämtliche fremden Götter. Am Beispiel des Judentums führt die Bibel diese Einschwörung vielfältig vor Augen. Dass der zutiefst anerkannte Herr nicht nur streng und gerecht, sondern auch liebevoll und gnädig ist, macht seine in allen Teilen des Volks durchsetzbare Glaubwürdigkeit aus. Die Juden hatten keinen vergötterten König wie viele andere Völker, aber Jesus als verheißener Messias ließ die Vorstellung eines Gottmenschentums neutestamentlich mächtig aufleben. Mit ihm nimmt der christliche Teil der Bibel den Gotteskomplex des modernen Menschen vorweg, der im wissenschaftlich-technischen Fortschritt, aber auch in der funktional differenzierten Weltgesellschaft einen Allmachtsperspektiven eröffnenden Ausdruck findet.


11 Kommentare

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Wann geht die Welt jetzt eigentlich unter, wie ist der neueste Stand der Bibelinterpretationen? Viele lagen ja schon falsch, wir leben immer noch, glaube ich jedenfalls!
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Also, ich muss eingestehen, nicht sehr bibelfest zu sein. Aber dass der "zutiefst anerkannte Herr ... liebevoll und gnädig ist", widerspricht meiner Erinnerung an das alte Testament. Ich erspare es mir, alle dort von ihm befohlenen und detailliert beschriebenen Greueltaten aufzuzählen (könnte ich auch gar nicht ad hoc, da keine Bibel zur Hand ) - die Bibelfesten werden wissen, wovon die Rede ist ...
Es kommt alles Mögliche vor, ein Sammelsurium von Gottesideen, unter den zweifellos zahlreichen Zügen von Despotie und Kriegsgreueln auch Ansätze von wunderbarer Geborgenheit (etwa Psalm 23). Wie schon angesprochen, ist als Ausgangspunkt des Gottesbildwandels ein "heiliger" Nationalismus unübersehbar, ehe der "Bund" von Gott und Mensch sozusagen geschwisterlichere Akzente aufzuweisen beginnt.
Die 'zahlreichen Züge' ... dominieren dann doch die 'wunderbaren Ansätze' - das entspricht auch meiner Erinnerung.
Der geschwisterliche Bund von Gott und Mensch ist mir aber entfallen - der Tenor war doch meist 'Ich Gott, du Mensch ...'
Der geschwisterliche Bund ist eben der neue, durch die "Menschwerdung" möglich gewordene. Meine These ist, dass von einer Geburt des Humanismus aus dem Geist des Gottesglaubens die Rede sein kann, vermittelt durch den "Atheismus im Christentum", wie Ernst Bloch einmal den neuen theologischen Bund gekennzeichnet hat.
Also, ich sehe mich als humanistischen Freidenker im Sinne der Aufklärung, aber nicht als Atheisten oder Agnostiker - eher als Deisten ("... Im weiteren Sinne wird der Deismus als freidenkerische Glaubensströmung im Zeitalter der Aufklärung angesehen." - Wikipedia).

Und zur 'Menschwerdung' - wir sind wohl noch auf dem Weg.
Konrad Lorenz sagte einmal: "Wir sind nicht mehr Tier, aber auch noch nicht ganz Mensch." ...
Ich meinte die "Menschwerdung Gottes", bei welcher der "Gott Sohn" den "Gott Vater" beerbt und sich mit den übrigen "Kindern Gottes" (Vaterunser-Betern) zusammenschließt, um den menschlichen Menschen zu ermöglichen. Menschen sind wir durchaus schon, menschliche bisher wohl nur sehr ausnahmsweise. Für offen halte ich die Frage, ob das eher auf dem anthropotechnischen oder auf dem anthropomystischen Weg gelingt. Beides ist im Gang.
@ Peter: Das Gott liebevoll und gütig ist, findet sich schon deutlich im ersten Teil der Bibel. Abraham stellt er sich als "El Shaddai" vor, als Versorger. Das hebräische Wort ist von der Mutterbrust abgeleitet und bedeutet neben dem Versorgen auch noch Wärme, Liebe, Ruhe, Geborgenheit. Von diesem Hintergrund sieht man auch die "Greultaten" in einem anderen Licht. Bevor ich hier jetzt weit aushole: Hier wird es sehr gut dargestellt:
Gerade am Beispiel der dann doch nicht stattgefundenen Opferung von Abrahams Sohn sehr gut erklärt. Nach ein paar Minuten Vorrede wg. eines aktuellen Events geht es dann direkt los.
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Leo, soweit, so gut. Irgendwie stehe ich wohl auf'm Schlauch. Der letzte Satz ist für mich ein wenig zu abstrakt. Würdest Du mir diesen bitte einmal aufschlüsseln?
@Renate Es geht um das göttliche Selbstbewusstsein des Menschen. Exklusiv vom Menschen Jesus bezeugen es Paulus und die Evangelien. Dem Menschen überhaupt attestiert es die Aufklärung. Diese beiden Fortschritte im Bewusstsein hängen konsequent zusammen, wie ich denke.
Vielen Dank, Leo. Wie gesagt, abstrakt. Ich denke eher in Bildern.
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