Jesus hat viele 'Namen' (Gedanken zu Joh 3,16-18)

Beitrag von wize.life-Nutzer

Lange hat man in der Kirchengeschichte geglaubt, man müsse die Menschen bewahren vor dem unentrinnbaren Endgericht.
Die Frohbotschaft wurde zur „Drohbotschaft“ und die Menschen bekamen mächtig Angst vor den ewigen Höllenqualen eines nie erlöschenden Feuers. In kaum einem Kirchengewölbe fehlten die überlebensgroßen Darstellungen der Hölle, in denen menschliche Folterfantasien furchterregend von den Kirchenmalern verewigt wurden.
Massenweise gingen die Menschen angstgesteuert in die Kirchen und befolgten mehr oder weniger buchstabengetreu die Gebote und kirchlichen Vorschriften.
Ja man wollte sich sogar das ewige Leben kaufen. Nicht nur durch den unseligen Ablasshandel, sondern durch alle möglichen Opfer, Gelübde und Rituale, die einem ziemlich archaischen Gottesbild entsprechen.

Diese wenigen Verse aus dem 3. Kapitel des Johannes-Evangeliums, die wir gelesen haben, sprechen dagegen eine ganz andere Sprache und man kann glatt den Eindruck bekommen, dass sie im Mittelalter komplett überblättert wurden.
Da heißt es klipp und klar, dass Gott die Welt liebt und nicht deshalb seinen Sohn in die Welt gesandt hat um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten. Alleine dieser Satz drückt schon die Erlösung von einem fürchterlichen Gottesbild aus.
Jesus sollte nach dem Willen des Vaters die Menschen also nicht vor einem strafenden „Rachegott“ erlösen. Jesu Botschaft erlöst die Menschen vor allem von ihrem eigenen unmenschlichen Verhalten und den menschenverachtenden Begierden, von der Sinnlosigkeit ihres eigenen kurzsichtigen Lebens.

Die Welt soll durch Jesus gerettet werden.
Das ist eine zentrale Aussage im Johannes-Evangelium.

Eine zweite Feststellung kommt im 18. Vers zum Ausdruck:
>> Wer an Jesus glaubt, wird nicht gerichtet;
>> wer nicht glaubt, ist schon gerichtet.

Es ist also ein gewisser Automatismus, der eng mit dem Glauben verbunden ist. Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet.
In diesem Satz verstecken sich zwei logische Folgerungen:
1. Wer nicht glaubt, hat sich dadurch selbst Schuld aufgeladen, ist also automatisch schuldig
2. Wer nicht glaubt, hat die negativen Konsequenzen seines Nichtglaubens selbst zu tragen.

Der Vers 18 hat noch eine Erklärung:
Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.
An den Namen des Sohnes Gottes glauben...

Für uns aus dem modernen westlichen Kulturkreis erscheint diese Erklärung etwas unverständlich: An den Namen ... glauben.
Kennen Sie den Ausdruck „nomen est omen“? oder wie man im Deutschen manchmal sagt „sein Name ist Programm“?
Jesu Name ist Programm, ist ein Lebensprogramm für uns!
Aber welchen Namen hat Jesus?
Klar, er heißt „Jesus“ und das wird aus dem hebräischen über­setzt mit „Gott heilt“. Beim Propheten Jesaja wird auf Jesus hinge­wiesen mit dem Namen „Immanuel“, „Gott ist mit uns“.
Der Name des Sohnes Gottes ist also „Gott-heilt“ und „Gott-ist-mit-uns“. Name ist die Bezeichnung einer Erfahrung mit IHM.

Wie kann man an so einen Namen glauben? Ganz einfach!
Wenn ich an den Namen Jesus glaube, glaube ich an das,
>> was er ist, (ER ist der Sohn Gottes)
>> was er macht (ER macht alles in meinem Leben gut) und
>> was er will (Er möchte ewige und vollendete Gemein­schaft mit mir und zwischen mir und allen Menschen)

Ich bekomme immer einen dicken Hals und erhöhten Blutdruck wenn ich den dummen Spruch höre „glauben heißt nicht wissen“. Für uns heißt es doch ganz anders: Glauben heißt mehr wissen, erhoffen und lieben als rein menschlich möglich u. logisch ist.

An den Namen Jesu Glauben bedeutet nicht, seitenweise den Katechismus auswendig lernen. An den Namen Jesu glauben heißt für uns, dass wir uns auf einen langen und manchmal mühevollen Weg machen müssen. Auf diesem Weg geht es immer um Nachfolge, also
>> nachforschen was Jesus meint,
>> nachdenken was ER hier und heute tun und sagen würde.

Und Jesus hat sich immer wieder neu auf die Menschen eingestellt und ihnen genau die Botschaft in Gleichnissen erzählt, die sie verstehen konnten. Also ist „Nachfolge“ eine höchst kreative Angelegenheit, immer frisch, immer lebendig nie aus der Konserve, immer mit persönlichem Bezug.

An den Namen Jesu glauben ist für mich persönlich immer mit einer Bitte an IHN verbunden: „Lass mich DEIN Denken verstehen und danach leben“.
Das Denken ist es, was unser Handeln, unsere Worte und unser Fühlen beeinflusst und konditioniert.

An den Namen Jesu glauben ist immer etwas Ganzheitliches. Es funktioniert nicht nur sonntags oder hinter verschlossenen Türen. Die Jünger, die am Pfingsttag an den Namen Jesu glaubten, glaubten auch an die Wirksamkeit ihrer Verkündigung. Sie glaubten an die unmittelbare Wirksamkeit des Wortes Gottes, das Jesus uns gebracht hat und das mit „feurigen Zungen“ aus ihnen heraus gesprudelt ist.
An den Namen Jesu glauben bedeutet also, dass wir die Frage nach der Existenz Gottes längst abgehakt haben, weil wir mit Fakten seine Gegenwart und sein Wirken erfahren haben.
Des­halb muss uns die Furcht vor dem Endgericht nicht mehr ängsti­gen.
Wir stehen ja bereits auf der Seite Jesu, jetzt und immer.


www.konrad-heil.de

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