Philosophieren oder mitreden?

Beitrag von wize.life-Nutzer

Philosophieren heißt, sich über alles Gedanken machen. Darunter tun es Philosophen nicht. Mit wirklich allem, sogar mit allem Möglichen, sogar mit Unmöglichem, in gewisser Weise sogar mit Undenkbarem, kann man nur beschäftigt sein, wenn man denkt.

Aber wie denkt man (an) alles? Ganz einfach: man denkt an etwas ganz Besonderes, indem man alles nahe und ferne Drumherum mit einbezieht, zeigt sich also in der Beschränkung als Meister. Der philosophische Mut zum Besonderen wird belohnt mit der Fülle von Beziehungen, die sich auf diese Weise ergeben. Genauso lebt man ja schließlich als Einzelner, als ganz Besonderer, als man selbst, mit dem Rest der Welt. Nur eben meist gedankenlos.

Kein Philosoph zu sein, ist der Normalfall selbst bei Philosophen. Philosoph ist man höchstens ausnahmsweise. In der Regel ist man von allem nur benommen. In der Regel ist man eben das unbeseelte "man", nicht das beseelte "ich". Denn die Seele ist ganz bei der Welt und derart ihr Spiegel. Ja, die Namen der Journale "Spiegel" und "Welt" sind schlau gewählt; sie suggerieren, es ginge um alles. Es mag in ihnen sogar tatsächlich um alles gehen. Doch Journalisten sind keine Philosophen.

Oder? Das will ich einmal näher betrachten. Journalisten berichten "aus aller Welt". Dem Mitredenkönnen sind so zwar Tür und Tor geöffnet, dem Philosophieren aber durchaus nicht. Journale sind Allerweltsjournale. Ihnen ist die Beschränkung untersagt. Es sei denn, es sind Fachjournale. Dann ist ihnen jedoch die Einbeziehung untersagt. Selbst Philosophiejournale sind allzu beschränkt, schmoren allzusehr im Saft der eigenen Disziplin. Wenn es hoch kommt, wird es ab und zu einmal interdisziplinär. Aber das Interdisziplinäre erreicht bei weitem noch nicht die In- und Extensität der Einbeziehung. Umgekehrt leisten sich die "allgemeinen" Zeitungen und Zeitschriften immer mal wieder Sonderartikel und -beilagen, ohne indessen das ganz Besondere hinreichend zu würdigen.

Den Unterschied macht, dass das philosophische Denken einen anderen Spürsinn an den Tag legt als das journalistische Melden. Überhaupt wollen Publizisten vor allem ein Publikum bedienen und sich nicht wie die Geistesmenschen dem Leben der Seele verschreiben, dem In-der-Welt-sein des Daseins. In diesen Fällen werden auseinanderstrebende Daseinsmöglichkeiten wahrgenommen. Die Tage sind zu kurz, um sich zwischen Philosophie und Journalismus nicht entscheiden zu müssen.