Medjugorje, Wallfahrt
Medjugorje, WallfahrtFoto-Quelle: Balkan-Info

Radio Maria: der Sender des Mittelalters

Hans-Herbert Holzamer
Beitrag von Hans-Herbert Holzamer

Es ist eine lange Fahrt über die Autobahn A 1 bis tief nach Bosnien -Herzegowina hinein, dann weiter über Ljubuški, bis schließlich in der Mitte des Nichts Medjugorje vor den Augen auftaucht. Die Vorstellung, dass Pilger mit Bussen diese beschwerliche Tour unternehmen, ist kaum vorstellbar, aber wahr. Was treibt die Menschen? Bestimmt nicht die ärmlichen Behausungen und auch nicht die schneebedeckten Berge im Hintergrund. Dann stehen wir vor einer modernen Kirche mit zwei schlanken, schlichtenTürmen, in der Nähe eine riesige Marienstatue. Und viele Menschen, viele Reisebusse, auch viele mit deutschen Kennzeichen aus der Provinz. Es erinnert an Fatima in Portugal, Medjugorje ist nur nicht so prunkvoll. Eine Fatima für Arme - aber mit der gleichen Marienerscheinung vor Kindern auf dem Feld als Ausgangspunkt.

Die Kirche mag den Marien-Tourismus nicht

Aber während der die katholische Kirche Fatima als ihren Wallfahrtsort pflegt, verlangt sie von den Gläubigen eine Distanzierung von den Medjugorje-Mysterien. Warum? Ein Priester aus Regensburg erklärt es uns: "Nuntius Erzbischof Carlo Maria Vigano sagt, dass es sich nach dem Urteil der Glaubenskongregation bei den Erscheinungen nicht um gesicherte übernatürliche Offenbarungen handle." "Gesichert? Gibt es das überhaupt bei mystischen Erscheinungen? Ist Fatima gesichert?" Der Priester wiegt den Kopf hin und her. “Die Kirche entscheidet. Jedenfalls ist es Gläubigen nicht erlaubt, an Treffen teilzunehmen. Die Kirche mag den Marien-Tourismus nicht." "Und Sie?" "Ich bin überzeugt, dass Ivan Dragicevic Recht hat. Ich glaube ihm, und wie ich denken Millionen. Blicken Sie sich nur um." "Wer ist dieser Dragicevic?" "Der Seher. Im Juni 1981 hat sich die Gottesmutter Maria ihm gezeigt. Aber offizielle Wallfahrten sind nicht möglich." "Nein?" "Nein.” “Dann handelt Sie gegen kirchliches Verbot, Priester.” “Nein, ich reise individuell, nicht in einer offiziellen Gruppe. Aber bedenken Sie: Wer bewegt die Massen? Maria." Der Priester hebt die Hände, lächelt. Er weiß es, aber er sagt nicht, dass Radio Maria mit seinen weltweit ausgestrahlten Sendungen für Medjugorje Propaganda macht. Bis zu schätzungsweise einer Million Pilger besuchen jährlich diesen Ort.

Radio Maria ist Sender und Sprachrohr

Radio Maria ist ein Sender und zugleich das Sprachrohr für eine sehr konservative Gruppierung im und außerhalb des Vatikans und der katholischen Kirche, die anti-europäisch, anti-islamisch, die gegen Homosexualität, gegen Forschung und Fortschritt ist, die, knapp gesagt, zurück will zu einem Mittelalter, das in mystischem Wabern und Zucken und im Flagelantentum verharrt. Aber um sich Radio Maria anzunähern, ist eine weitere Reise erforderlich - nach Italien.

Denn Radio Maria entsteht im Jahre 1983 in einem kleinen Nest der Diözese Mailand in der Provinz Como. Arcellasco d`Erba heißt die Pfarre, und wir suchen den Erfinder von Radio Maria, den Presidente dell'Associazione Radio Maria, namens Emanuele Ferrario, einen vormaliger Molkereibesitzer, der es sogar zum Präsidenten der RNA brachte, des Verbandes der italienischen Radiostationen. Der Ort Arcellasco d`Erba ist wunderschön, von Como ist es nicht weit, er liegt malerisch am Lago Pusiano, die Berge des südlichen Voralpenlandes im Hintergrund. Aber Ferrario ist nicht da. Er sei in Rom, lautet die uns gegebene Antwort. Aber was wir eigentlich von ihm wollten, werden wir gefragt. Auskunft, nicht mehr und nicht weniger, sagen wir und ernten Lächeln, Achselnzucken: “Rom.” In einem Café, wo man auch eine Kleinigkeit essen kann, ist ein Gast bei einem Espresso gesprächiger. "Radio Maria war ein einfaches Pfarr-Radio. Davon gibt es in Italien Hunderte: Der Pfarrer muss lediglich eine Antenne auf seinen Kirchturm montieren, und schon geht es los. Gottes Wort ist schwerelos, ohne Materie, verstehen Sie?" Wir schauen sprachlos und fragen nach Medjugorje in Bosnien-Herzegowina. "Ja", kommt nach einigem Überlegen die Antwort. "Da gibt es eine Verbindung. Emanuele Ferrario ist nach dem Tod seiner Frau hingefahren und wurde ein Anhänger der dortigen Lehren."
Und mit Hilfe seines und anderen Geldes deckte Ferrario innerhalb weniger Monate ganz Italien ab mit seinen Sendungen. Nicht mehr nur Pfarrnachrichten werden verbreitet, eine tägliche Messe wird ausgestrahlt, das kirchliche Stundengebet, der Rosenkranz und die Katechesen. LKW-Fahrer berichten live, dass sie auf ihren langen Strecken von den Alpen bis nach Sizilien ständig mit Radio Maria verbunden wären. Während wir, kaum stößt der Sendersuchlauf in unserem Autoradio auf Radio Maria, das Gebrabbel abstellen. Von Italien aus verbreitet sich das Radio dann innerhalb weniger Jahre über die ganze Welt. 1998 wird die sogenannte Weltfamilie gegründet, zu der heute über 60 Radiostationen gehören und deren Präsident Emanuele Ferrario ist. Afrika, Osteuropa, Lateinamerika. Auch China und die arabische Welt hat der Missionar im Äther im Visier.

Um diesen Präsidenten zu treffen, fahren wir zum Sitz von World Family of Radio Maria in die Via Mazzini 12, in Casciago (Varese), nördlich von Mailand. Er sei nicht dort, heißt es. Hier in Casciago seien nur Technik und Verwaltung. Das interessiert uns weniger. Aber wir erfahren, dass Radio Maria alleine in Italien 2 Millionen Zuhörer täglich habe und 40 000 Anrufer pro Sendung, die sich dieses frömmelnde 24-Stunden-Non-Stop-Programm reinziehen. Wer das finanziere, wer dahinter stehe, wollen wir wissen. "Es wird ausschließlich durch Spenden finanziert", lautet die Antwort. Mehr würden wir in Rom erfahren.
Die Via Rusticucci 13 liegt in unmittelbarer Nähe des Petersplatzes in Rom. Der Präsident ist nicht für uns zu sprechen, wir bekommen aber in Italienisch ein Interview, das er geführt hat, und einen deutschen Text zu unserer Information. Das müsse genügen.
In dem Text steht: "Trotz seiner außergewöhnlichen weltweiten Verbreitung erscheint Radio Maria als eine besondere und einzigartige Wirklichkeit im Panorama der katholischen Massenmedien. Von Anfang an hat sich der Sender aufgrund seiner Merkmale unterschieden, und noch heute ist es schwierig zu erklären, was Radio Maria wirklich ist, es bekannt zu machen und es in seinem authentischen Geiste wachsen zu lassen...Man muss vom Charisma von Radio Maria sprechen, denn dieser Sender ist nicht von Menschenhand entstanden, sondern ein Geschenk von Oben. Es handelt sich um eine außergewöhnliche Gunst, die das mütterliche Herz Mariens der Kirche erteilt hat. Es ist einzigartig, wie sehr diese Überzeugung nicht nur beim breiten Publikum von Radio Maria verhaftet ist, sondern auch bei den Kirchenmännern, die dort den für Gotteswerke typischen, übernatürlichen Geist verspüren." Und so geht es weiter im Text.

Ein Geschenk von Oben

Ein Geschenk von Oben ist sicherlich etwas ganz feines. Doch selbst wenn es schwierig ist, wir hätten das gerne erklärt. Wer sind die Kirchenmänner, die so dankbar dieses Geschenk "aus dem Herzen Mariens" empfangen haben?

Da ist zunächst Papst em. Benedikt XVI.:"Es gibt Sendungen, die auf die tieferen Fragen in den Herzen der Menschen eingehen: die Fragen nach dem Sinn des Lebens; die Fragen nach dem Wahren, dem Guten und Schönen; die Fragen nach Gott, nach dem Glauben, nach einer gesunden Spiritualität. Ich bin überzeugt, dass Radio Horeb mit seinem Angebot vielen Menschen zu Hilfe kommt und Wege in die Tiefen des Mensch- und Christseins zeigt." Der Name kann nicht verwirren: Radio Horeb ist der deutsche Ableger von Radio Maria.
Dr. Robert Zollitsch, Erzbischof von Freiburg ist ein weiterer Fan: "Der Sender hat eine klar erkennbare katholische Ausrichtung und hat sich in den vergangenen Jahren durch seine verschiedenen Programmformate einen großen Hörerkreis und eine beachtliche Reputation erworben. Die journalistische Qualität und die sendertechnische Kompetenz sind mir auch aus eigener Erfahrung als Interviewpartner und bei anderen Gelegenheiten bekannt." Ebenso lobt Dr. Konrad Zdarsa, Bischof von Augsburg: "Radio Horeb hat sich als fester und unverzichtbarer Bestandteil der Verkündigung etabliert." Es sei "ein Radio, bei dem die Frequenz stimmt."
Ein unverzichtbarer Bestandteil der Verkündigung? Unsere Irritation wird nicht geringer, vergrößert sich.
Einer der wichtigsten Unterstützer ist der Kardinal Christoph Schönborn in Österreich. Dort wird Radio Maria, "der Sender mit Sendung" als Verein betrieben, das spart Steuern. Wir erfahren: "Der Verein, dessen Tätigkeit nicht auf Gewinn ausgerichtet ist, bezweckt die Verbreitung religiöser und ethischer Inhalte mit dem Ziel, eine wertorientierte Lebenskultur in allen gesellschaftlichen Bereichen zu fördern."Der Sitz ist in Wien in der Pottendorferstr. 21. Es handele sich um ein “Engagement von Katholiken”, heißt es dort, die ohne die “offizielle Einbindung der Kirche” jedoch in deren Dienst stehen. Ohne Einbindung der Kirche? Da klingt ein Dissenz durch, der sich nicht nur auf Medjugorje beschränkt. Doch in Wien redet man sich raus: "Die Hörer müssen die Gewissheit haben, dass sie sich durch Radio Maria furchtlos vom lebendigen Brot der von der Kirche offenbarten Wahrheit nähren können. Zu diesem Zweck garantiert der leitende Priester eines jeden Radio Maria den Einklang mit der Kirche sowie die Beachtung ihrer doktrinären und pastoralen Lehren."
Also liegt die Verantwortung über die Harmonie mit dem Vatikan bei dem "leitenden Priester?" Doch wer ist leitender Priester? Die Botschaft von Radio Maria ist die Mystik, wie es in der Zeitschrift der Weltfamilie heißt: "Möge Radio Maria für viele einen Raum der Gegenwart Gottes, des stillen Ausgespanntseins hin zu dem unsichtbar Gegenwärtigen eröffnen." Das unsichtbar Gegenwärtige. Dort hat die Wissenschaft keinen Platz, wie Kardinal Schönborn öffentlich fabulierte. Seiner Meinung nach ist in der Evolution ein göttlicher Plan enthalten. Materialistische und naturalistische Interpretationen der Evolutionstheorie seien ein "Abdanken der menschlichen Intelligenz". Das müsse auch an den Schulen gelehrt werden.

Auch zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche hat er seine Meinung: "Seit der Zeit des Nationalsozialismus, als Priesterprozesse unter dem Vorwand homosexueller Verfehlungen geführt wurden, hat es in Österreich derlei Verleumdungspraktiken gegen die Kirche nicht mehr gegeben." Später hat der Kirchenmann diese Äußerung korrigiert. Aber die Suche nach Mystik sei wichtiger als die Beschäftigung mit Missbrauchsfällen, meint er. Auch die gleichgeschlechtliche Ehe diskriminiert er als "Nein zum Leben". Künstliche Empfängnisverhütung, Abtreibung und gleichgeschlechtliche Liebe führten dazu, "dass Europa im Begriff zu sterben ist, da es Nein zum Leben gesagt hat." Er versuchte erneut zu korrigieren, in dem er "Respekt" für Conchita Wurst forderte. Respekt von wem eigentlich, wenn nicht von sich und der Kirche selbst?
Seinen Antisemitismus verteidigt Schönborn: "Das Evangelium ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt, zuerst den Juden, aber ebenso den Griechen." Diese Rabulistik, das Postulieren und spätere Relativieren, das Brandstiften und anschließende Besprengen mit Weihwasser, das hat er bei den Jesuiten gelernt, wie viele andere Mächtige der Kirche auch. Das ist nicht mehr als taktisches Fintieren. Wichtig ist stets das einmal gesagte Wort, nicht die anschließende Verbeugung vor dem verhassten Zeitgeist. Denn diese Worte sind sorgfältig überlegt worden.
Besonders in Schönborns Äußerungen finden sich Programm und Geisteshaltung der Radio-Maria-Familie, aber auch in der Publizistik ist dies inzwischen angekommen. So schreibt Eva Hermann: "Hinzu kommt, dass beide große Einrichtungen (gemeint sind die Kirchen) ohne große Gegenwehr am modernen Rad des Gender Mainstreaming ordentlich mitdrehen, was nichts geringeres bedeutet, als dass sie die vorsätzliche Abschaffung der Geschlechter von Mann und Frau unterstützen und mit vorantreiben, die Zerschlagung der Familie dabei in Kauf nehmend. Ein kaltes, in Wahrheit alleine auf sexuellen Forderungen nach Umsetzbarkeit jeglicher Fantasien gründendes Programm einer linksfeministisch gesteuerten Minderheit, welches inzwischen nahezu weltweit in den Gesetzen verankert wurde, das Milliarden verschlingt und die Menschheit umbaut auf nie da gewesene Weise."

Die nicht “umgebaute” Menschheit, die Mystik

Das trifft es ziemlich gut. Und über Radio Maria kann man sich einfinden in dieser nicht “umgebauten” Menschheit, in der Mystik, die in der Kirche verloren zu gehen drohe. Man kann hören und auch kaufen. Da gibt es Sexualerziehung Teil I, II und III (Sonderangebot) MC S004 für 10,50 €. Dr. Gabriele Maria Marx erzählt dort: “Warum ich keine Anti-Baby-Pille verschreibe; Frau sein mit Leib und Seele." Pater Henri Boulad SJ, Kairo, verbreitet sich über "Die Gefahr des Islam für das Christentum und Europa". Und meint, dass "Europa die Seele abhanden gekommen" sei.

Tatsächlich ist der Kampf um den rechten Glauben längst im Vatikan angekommen. Der Journalist Alessandro Gnocchi und der Rechtsphilosoph Mario Palmaro betreuten seit zehn Jahren jeder eine Sendung bei Radio Mario und übten an Papst Franziskus heftige Kritik: "Dieser Papst gefällt uns nicht." Palmaro gestaltete die Sendung "Begegnungen mit der Bioethik" und Gnocchi die Sendung "Menschen und Literatur: Begegnungen im Licht des Evangeliums". Der Kern ihrer Kritik: Eine verweltlichte Kirche entschuldige sich dafür, den Weg zum Heil zu kennen, ihn aber nicht zu gehen.
Den Weg zum Heil kennen und beschreiten Radio Maria, die Franziskaner, die Medjugorje trotz päpstlichen Verbots weiter betreuen und natürlich die Piusbruderschaft, die, so die beiden “Redakteure”, der Kirche “guttun” könne. Und Radio Maria überträgt das Christkönigsfest am 31. Oktober natürlich im alten Ritus.

Denn Franziskus ist der Antichrist

Der Sender hat die beiden wegen ihrer Kritik an Franziskus entlassen, das bedeutet in der Sache wenig, wie ein Hörer richtig online kommentiert: "Was für eine Ehre wegen der Wahrheit gefeuert zu werden. Aber es ist auch ein Zeichen dafür, wie stark geistig unterhöllt die Konzilskirche ist." Er schreibt tatsächlich unterhöllt, nicht unterhöhlt. Denn Franziskus ist der Antichrist, wie ein anderer kommentiert: "Das ist ein antichristlicher Geist: Man will Gläubige zwingen, den Papst über Jesus zu stellen. Denn immerhin ist Jesus selbst die Wahrheit. Wer die Wahrheit, das Objektive und Faktische nicht mehr sagen darf um eines Menschen willen – wo sind wir gelandet?"

Radio Maria ist trotz der taktischen Entlassung der beiden Mitarbeiter fest auf Boulads Kurs, "eines vollständigen Kurswechsels hin zu mehr Flexibilität und Kreativität, um den vorhandenen Durst der Menschen nach Mystik und letztlich nach Gott besser stillen zu können." Ohne eine spirituelle Erneuerung werde es nicht gelingen, die Menschen in die Kirche zurückzuholen.

Und auf Kurs nach Medjugorje. Der österreichische Raphael Bonelli besuchte den Wallfahrtsort und äußerte sich dann in der Sendung „Lebenshilfe“ in Radio Maria Österreich: “Die Psychiater haben ja nicht immer eine positive Rolle gespielt in der Beurteilung von religiösen Phänomenen. Was ich dort beobachtet habe, ist eine tiefe Volksfrömmigkeit von Menschen, die als Katholiken einen sehr einfachen und authentischen Glauben leben. Und es heißt ja: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.” Und die Seherin Mirjana hat er auch live erlebt: “Ihr Antlitz war vollkommen verändert, durch und durch erhellt und erfreut.”

Wir dagegen sind weder erhellt noch erfreut und schlagen dann doch in dem Heft “Oase des Friedens - Heft 2/2014" in dem Interview mit Emanuele Ferrario nach. Radio Maria sei frei, lesen wir, und nehme daher keine Reklame an, die sei “diabolisch”. Und Präsident sei er seit 26 Jahren. Wer seine Sendungen höre, tue dies aus freien Stücken. Und er habe noch einen Traum: Radio Maria sendet in Riad. Emanuele Ferrario wird als 84jähriger vorgestellt, der “geistig sehr lebendig sei, voll von Energie und Entusiasmus.” Seit 1987 führe er gemeinsam mit Pater Livio Fanzaga dieses “massenmediale Phänomen”. Ja, Medjugorje habe den Ausschlag gegeben, weil er dort ein “intensive Erfahrung” gehabt habe. Das Radio gebe es heute in 60 Ländern. “Wir können es Glück nennen oder Schutz des Himmels, dass es damals noch keine Gesetze zur Telekommunikation gab.” Und so begann “das miracolo di Radio Maria” lässt der ehemalige Molkereibesitzer die Leser wissen.

Ein Kreuzzug

Bezahlt werde der Sender durch Spenden, Ferrario verrät aber auch das Ziel von Radio Maria: Die rievangelizzazione, einen Kreuzzug. In Afrika will er sich der “Arabisierung” der Völker, egal ob islamisch und christlich geprägt, entgegenstellen. Darum hätten ihn Missionare gebeten. Mit der Amtskirche stehe er sich gut, “ganz ehrlich.” Und der Vorwurf der Zeitung Repubblica, Radio Maria würde alte Leute auffordern, es testamentarisch zu bedenken, sei “in absolutester Weise unwahr.” Man habe mit dem Formular, in dem steht, wie das Vermögen nach dem eigenen Ableben zu Radio Mario kommt, nur auf die Anfrage vieler Hörer reagiert.
Gerne hätte man dem Sendungsbewussten selbst ein paar Fragen gestellt, die in dem PR-Blättchen nicht vorkommen. Vor allem die, ob er schon einmal in Hameln war, und ob er Franziskus das Schicksal von Johannes Paul I wünsche. Aber vielleicht sind bereits alle Fragen “von oben” beantwortet und es fehlt uns nur ein Erweckungs-Erlebnis in Medjugorje. Es gibt bestimmt von München aus eine Pilgerreise.