Für wen hältst DU den "Menschensohn"? (Mt 16,13-19)

Beitrag von wize.life-Nutzer

„Für wen halten die Leute den Menschensohn?“
Eine interessante Frage! Interessiert Jesus tatsächlich, was die Leute von ihm halten? Wieso weiß er das nicht? Er kommt doch tagtäglich mit vielen Leuten zusammen und konnte hören, was sie ihm sagen und was sie ihn fragen...
Die Antwort von Petrus ist ebenso interessant. Er nimmt diese Frage auf, seine Meinung über Jesus zu sagen. Das ist für ihn wichtig und ihn interessiert auch kaum, was andere über Jesus sagen, so scheint es.
„Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“

Diese Antwort trifft ins Schwarze, besser konnte er die Frage Jesu nicht beantworten. Und Jesus quittiert auch gleich die Richtigkeit dieser Antwort. Sie ist sogar so gut, dass sie gar nicht menschlicher Intelligenz und Beobachtung entspringen kann.
Sie steht in keinem Lehrbuch und kein anderer Mensch konnte sie dem Petrus so gesagt haben.
Jesus sagt nämlich: „Nicht Fleisch und Blut haben dir das geoffenbart, sondern mein Vater im Himmel...“

Was steckt eigentlich hinter dieser Antwort, die so gut war?
Bevor wir hier weiter nachdenken, müssen wir selbst erst einmal uns fragen, für wen wir Jesus halten...
Klar, wir haben zu Hause oder im Religionsunterricht gelernt (vielleicht sogar auswendig), was im Katechismus steht.
Unser Glaubenswissen haben wir von Menschen, oder wie Jesus sagen würde, von Fleisch und Blut.
Aber dieses Glaubenswissen haben sicher auch die vielen, die nicht mehr in die Kirche gehen oder sogar irgendwann aus der Kirche ausgetreten sind. Dieses reine Wissen scheint nicht dafür zu taugen und auszureichen, den Weg der Nachfolge Jesu zu gehen...

Also, worauf kommt es an? Worauf ist es bei Petrus ange­kommen? Es war und ist die Glaubenserfahrung, die Petrus mit Jesus gemacht hat und die auch wir machen können und müssen, damit unser Glaube tragfähig ist.
Diese Glaubenserfahrung hängt von so vielen Faktoren und Fügungen ab, dass man am Ende nur noch sagen kann, sie ist ein ganz persönliches Geschenk Gottes. Der Vater im Himmel hat uns mit Jesus in Berührung gebracht, ja in Lebensverbindung. Deshalb genügt es nicht, viele Informationen über Gott und unseren Glauben zu haben und zu verarbeiten, wenn es am Ende nicht zu einer Erfahrung kommt, die das Leben zutiefst verändert.
Eine solche Veränderung haben Petrus und die anderen Apostel erfahren. Sie konnten ihr gutbürgerliches Leben gar nicht mehr unbeeindruckt fortsetzen. Sie „mussten“ Jesus folgen, auf Leben und Tod.
„Du bist der Messias...“, das ist aber nicht nur eine richtige Feststellung. Es ist das Zeugnis einer Lebenswende, die Petrus mit der Gnade Gottes vollzogen hat.
Den Messias zu finden und ihm zu folgen, das war der Traum ganz vieler Menschen damals in Israel. Messias, das musste im damaligen Verständnis einer sein, der das sichtbare und unbesiegbare Reich Gottes aufrichtet. Ein frommer Traum, den die Bibel damals den Menschen suggerierte.
Das Finden des Messias war sozusagen eine Verpflichtung, sich ganz und gar in den Dienst dieses verheißenen Gottesmannes zu stellen, damit sich schnell die Situation im von den Römern unterdrückten Israel ändern kann.
Und heute? Es ist genau so wie damals!
Eine Glaubenserfahrung zu machen, d.h., mit Jesus in „Berührung“ zu kommen, ist ebenso eine Verpflichtung, IHM unser ganzes „Ja fürs Leben“ zu geben.

Und so stellt sich heute wieder neu die Frage, wie viel Glaubens­wissen haben wir und wie viel Glaubenserfahrung brauchen wir und alle anderen aus unserem Lebensbereich noch, um dieses „Lebens-Ja“ Jesus geben zu können, um sich unserer Berufung bewusst zu werden.

Ok, angenommen, Sie haben den Eindruck, Ihre Glaubens­erfahrung ist noch nicht so richtig tragfähig und wird noch überlagert von Unsicherheiten oder sogar Ängsten...
Wie kommt man zu einer solchen Glaubenserfahrung, die so stark ist, dass sie das Leben verändert, dass alles hinter dem Ziel der Nachfolge Jesu zurücksteht?
Eines steht fest, man kann Glaubenserfahrungen nicht „machen“, sie werden uns geschenkt durch viele Fügungen und Führungen. Es ist der Vater im Himmel, der Petrus diese Erkenntnis und Erfahrung hat machen lassen und es ist auch bei uns nicht anders. Aber nur abwarten, ob und wann diese Glaubens- und Gotteser­fahrung bei uns ankommt, das ist vielleicht auch nicht der richtige Weg.
Seit Abraham gibt es aber einen Weg, der scheinbar immer funktioniert: „Verlass dein Vaterhaus und geh in ein Land, das ich dir zeigen werde.“ So lautete der Marschbefehl Gottes für Abraham. So ähnlich lautet er auch für uns.
Wichtig ist also, sich auf den Weg zu machen und Unwichtiges, Hinderliches hinter sich zu lassen, damit das Neue vor uns zum Vorschein kommen kann.
Es gibt keine Berufung, die nicht gleichzeitig ein Weg ist.

Weg, dieses Wort will sagen, man ist unterwegs, das Ziel ist nicht immer vor Augen, die Sicherheit, dass alles so wird, wie wir es uns vorstellen, gibt es nicht. Und, Wege sind manchmal beschwerlich und alleine gegangen sogar gefährlich...
Jesus fordert uns mit dieser Frage an Petrus heraus, darüber nachzudenken, wer ER für uns ist, ob wir bereit sind, IHM zu folgen und dafür einzustehen, damit ER als der Messias unter den Menschen bekannt und erfahrbar wird.
Vielleicht benutzt er auch uns, damit andere durch unsere konkrete Liebe die entscheidende Glaubenserfahrung machen können und sich auf den Weg machen, IHM zu folgen...

www.konrad-heil.de

Mehr zum Thema