Den Weisen und Klugen ist es verborgen... (Mt 11,25-30)

Beitrag von wize.life-Nutzer

Darf ich Ihnen eine Frage stellen?
Halten Sie sich für klug?
Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie mit einem „Ja“ antworten würden, vielleicht noch in einem dezent zurückhaltendem Ton.
Ist ja auch nicht verwunderlich, weil man sich durch unkluge Entscheidungen und Handlungen das Leben ziemlich vermiesen kann. Und das möchte wohl keiner.
Und meine zweite Frage: Halten Sie sich für weise?
Vermutlich geht es Ihnen da so wie mir, dass man bei dieser Frage schon eher ins Grübeln kommt.
Weisheit, diesen Begriff verbinden wir mit hervorragender Bildung und Lebenserfahrung. Und davon kann man ja nie genug haben. Und wer weise ist, oder es zu sein glaubt, verfügt meist auch über ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und oft auch über eine besondere Achtung und Anerkennung.
Aber Jesus preist in diesem Evangeliumsabschnitt den Vater, weil er den Zugang zu seiner Frohbotschaft „den Weisen und Klugen verborgen“ hat. Aber wieso eigentlich?
Und wieso ist die Offenbarung für die „Unmündigen“, d.h., für die Kinder und solche, die nicht für sich selbst sorgen können?
Vielleicht liegt es daran, weil die „Klugen“ für ihre Klugheit niemanden brauchen, sie wissen ja selbst, was gut und richtig ist, was sich gehört und was nicht.
Von den „Klugen“ hört man so Sätze wie:
„Das war schon immer so...“
„Das gab es noch nie...“
„Da könnte ja jeder kommen...“
Solche Sätze wird vermutlich auch Jesus von den frommen Juden damals gehört haben:
„Das war schon immer so, wie es im Gesetz steht...“
„Das gab es noch nie, so eine Auslegung der Bibel...“
„Da könnte ja jeder kommen, und es gab ja schon so viele falsche Propheten...“
Und bei solchen Menschen, die Gott und das Gesetz viel besser zu kennen glaubten, da hatte Jesus natürlich wenig zu sagen.
Er spürte, dass der Kern Seiner Botschaft solchen Menschen verborgen blieb und verborgen bleiben musste, weil sie es ja besser zu wissen glaubten.
Dem gegenüber sind die „Unmündigen“, also die Kinder und Suchenden, immer offen für das Neue, das Überraschende, das Geschenk, was nicht persönlicher Verdienst und eigene Leistung ist.
Und weil Gott immer der Neue, Überraschende und atemberau­bend Große ist, kann unsere vermeintliche Klugheit sogar hinderlich für Sein Wirken sein. Klugheit hat nämlich immer eine Komponente, sie weiß meist schon, was am Ende heraus kommt. Und genau das weiß man bei Gott nie...
Kinder hingegen sind immer begeistert von Überraschungen,
von den Aha-Erlebnissen, die sie in Staunen versetzen, die alles Bisherige über den Haufen werfen können.
Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündi­gen aber offenbart hast.
Wo zeigt sich wohl am meisten die Wirkung dieses so zentralen Satzes Jesu? Ich glaube, wir können durch die Brille dieses Satzes vor allem unsere tagtäglichen Begegnungen und Kontakte überprüfen.
Wir können uns fragen, wie gut wir unsere Menschen schon zu kennen glauben... Den kenne ich schon...! Von damals...!
Wenn wir immer an den womöglich negativen Erinnerungen aus der Vergangenheit festhalten, dann werden wir wohl kaum die verändernde Wirkung der Liebe Gottes wahrnehmen können.
Jedem Menschen tagtäglich eine neue Chance geben, ihn als Kind des Himmlischen Vaters betrachten, der selbst immer neu ist und uns tagtäglich neu machen möchte.
Eine ganze Nacht ist vergangen, wo Gott wirken konnte in und mit den Menschen in meiner Umgebung. Also können wir am nächsten Tag ganz aufmerksam und wohlwollend einander begegnen. Wir können nämlich jeden Tag neu ein Werk Gottes entdecken, überrascht staunend.
Und das ist auch ein Grund, Gott zu loben und zu danken, weil ER in unserem Leben wirkt und uns täglich reich beschenkt.
Und dann lädt uns Jesus im zweiten Teil dieses Evangeliums­abschnittes ein, zu IHM zu kommen, wenn wir unter unseren Lasten stöhnen. Manche Exegeten sehen darin eine Anspielung auf die Lasten des Gesetzes und der vielen Vorschriften, die die Juden damals zu erfüllen hatten, um „gerecht“ sein zu können.
Jesus hingegen lädt uns keine Vorschriften auf, die wir mühsam abzuleisten hätten.
Sein Gebot ist ja eigentlich die tiefste Sehnsucht des Menschen, nämlich zu lieben und geliebt zu werden. Aber nicht nur so, wie es die Pharisäer damals lehrten, wobei die Feinde und die Fremden ausgegrenzt wurden von der Nächstenliebe.
Das Neue Gebot Jesu, also „sein Joch“, bedeutet für uns, dass wir aus unserer Liebe niemanden ausschließen dürfen, auch diejenigen nicht, die uns etwas zu Leide getan haben.
Denn auch unser Vater im Himmel schließt niemanden von seiner Liebe aus und lässt täglich die Sonne aufgehen über Gerechte und Ungerechte.
Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.
Jesus lädt uns ein, von IHM zu lernen: die Güte, die Demut und den Frieden, der aus der inneren Ruhe kommt.
Vielleicht können wir uns für die nächste Zeit überlegen, ob wir im Herzen Lasten zu tragen haben, ob wir Frieden haben und „klug“ sind. Jesus möchte uns das alles schenken...

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