Jugend des Alters, Graffiti, Urheber unbekannt
Jugend des Alters, Graffiti, Urheber unbekannt

Die "Jugend des Alters" – was ist das eigentlich?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Victor Hugo prägte den berühmten Spruch:
„40 Jahre sind das Alter der Jugend, 50 die Jugend des Alters.“



Um die 50 wird den allermeisten Menschen deutlich bewusst, dass es an der Zeit ist, sich von einem Lebensabschnitt zu verabschieden und einen ganz neuen zu beginnen. Wir erleben so eine Art zweite Pubertät.

Natürlich fangen wir nicht ganz von vorne an, doch wir begreifen, dass sich nun vieles ändert und unser Leben sich langsam, aber sicher seinem Ende zuneigt. Mit diesem neuen Bewusstsein wandelt sich auch unsere Einstellung zu vielen Dingen – hoffentlich.

Was macht die Jugend aus?
In unserem Kulturkreis entspricht die Jugend in etwa dem Zeitraum zwischen dem 13. und 21. Lebensjahr, also genau genommen der Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsensein. Es ist die Zeit der Entwicklung und Reifung der Persönlichkeit, der Orientierung und Selbstfindung und der allmählichen Übernahme von immer mehr Verantwortung. Eine Zeit des Lernens und des Übergangs in das Berufsleben. Es werden erste Beziehungen geknüpft und die Fundamente für die nächsten Jahrzehnte gelegt.

Zwischen den Jahren
Danach beginnt die Zeit zwischen der Jugend und dem Alter - die nächsten 30 Jahre vergehen scheinbar wie im Flug: wir stellen uns den Herausforderungen des Lebens, sind beruflich wie privat meist so eingebunden, dass uns wenig Gelegenheit bleibt, unser Leben zu überdenken oder gar neu zu organisieren.

50plus – die zweite Pubertät
Die Kinder werden flügge und nicht selten gerät die Beziehung der Eltern dadurch aus den Fugen. Das Ende der beruflichen Karriere rückt näher und wir befassen uns gedanklich immer öfter mit der Zeit, die darauf folgt. Und wir werden immer häufiger mit dem eigenen Verfall und der Vergänglichkeit konfrontiert.

Mit ungefähr 50 beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Wir haben zwar gelernt, wie man möglichst lange jung bleibt, aber nicht, wie man glücklich alt wird. Wir müssen uns wieder grundlegend neu orientieren. Vieles ändert sich und wir müssen uns diesen Veränderungen anpassen:

Die Jugend des Alters
Wir können mit dem Altern hadern – oder uns auf die wertvolle Lebenszeit konzentrieren, die uns bleibt. Wir können uns grämen über Fältchen, Zipperlein und verpasste Gelegenheiten im Leben - oder aber den neuen Lebensabschnitt als wunderbare Chance sehen, uns selbst noch einmal neu zu (er)finden. Wer sich grämt und hadert, ist tatsächlich schon uralt. Für alle anderen beginnt jetzt die Jugend des Alters. Alte Fragen stellen sich ganz neu: Wer bin ich eigentlich? Was macht mich glücklich und was gibt meinem Leben Sinn? Es ist wieder eine Zeit des Lernens und des Übergangs, in der wir viele überkommene Dinge in Frage stellen und neue Fundamente bauen. Fundamente für die kostbare Zeit, die uns bleibt.