Hat Gott eine Schiedsrichterpfeife im Mund?

Beitrag von wize.life-Nutzer

Egal welche der beiden derzeit größten Weltreligionen man auswählt, in jeder ist es absolut notwendig, an den einen Gott zu glauben, denn wenn man es nicht tut, dann fährt man direkt in die Hölle. Jedenfalls sind so die Regeln, wenn ich das richtig verstanden habe.

Ich denke aber, ich kann ein paar Argumente liefern, die darauf hinweisen, dass das so wohl eher nicht stimmen dürfte.

Gehen wir mal davon aus, diese Götter, bzw. dieser eine Gott, der ja nur verschiedene Namen trägt, ist der Schöpfer, allmächtig, allwissend, liebevoll aber auch streng, all das, was so in den verschiedenen Büchern steht.

Dieser Gott also möchte gerne, dass wir an ihn glauben, das ist Voraussetzung Nr. 1 um in den Himmel zu kommen und nicht in die Hölle. Voraussetzung Nr. 2 ist zusätzlich zum Glauben noch ein guter Mensch zu sein.

Also nur ein guter Mensch und dabei Atheist, das geht nicht, auch dafür droht die Hölle. Bei den Moslems heißt es sogar, dass gute Menschen, die aber nicht an Allah glauben auch dann in die Hölle kommen, wenn sie zwar an den einen Gott glauben, ihm aber einen anderen Namen geben. Das klingt kompliziert, aber höchstens für jemanden, dem die beiden großen Religionen nicht geläufig sind, die meisten werden wissen, um was es geht.

Gott zeigt sich nicht, wahrscheinlich aus Absicht, er will es ja nicht so einfach machen. Wäre er stets auf der Erde präsent und für alle sichtbar, kein Mensch würde mehr in die Hölle kommen, das darf aber offenbar auch nicht sein, wahrscheinlich braucht Gott auch eine gewisse Quote an ewig Verdammten.

Jetzt überlege ich Folgendes: In dem Moment, in dem der verstorbene Mensch erfährt, hey, diesen Gott gibt es ja wirklich, wird er doch zum Gläubigen. Und dann hat Gott doch gar keinen Grund mehr, den Menschen in die Hölle zu schicken, denn dann glaubt er ja.

Dadurch komme ich zu der Frage, die ich im Titel gestellt habe: Hat Gott die Pfeife im Mund, mit der er den Schlusspfiff nach einem Leben bläst und nach dem nichts mehr gilt? Sagt dieser Gott dann zu dem armen Menschlein: "Jetzt ist es zu spät an mich zu glauben, jetzt da du mich siehst, könnte das ja jeder. Du hättest sollen ins Blaue hinein glauben oder wenigstens den meist gut genährten und rententechnisch gut versorgten Männern in den Frauenkleidern oder denen mit den langen Bärten vertrauen sollen".

Ist das so wirklich denkbar, sollten wir Menschen uns tatsächlich auf so eine Konstruktion der Weltsicht einlassen?

Oder können wir darauf vertrauen, dass ein richtiger Gott sicher auch damit einverstanden wäre, wenn wir das Leben auf der Erde noch gelassen abwarten, ehe wir uns festlegen. Ich denke schon, dass man davon ausgehen darf. Wenn wir eine Seele haben, die nach dem Tod weiterlebt, dann wird Gott, falls es ihn tatsächlich gibt, doch sicher gnädig sein, wenn sie ihm erklärt, dass sie erst jetzt, nachdem sie ihn sieht auch an ihn glaubt.

Mensch, mal ganz ehrlich, wir würden an Gottes Stelle doch auch nicht so einen Zirkus veranstalten, also ich ganz sicher nicht. Ich wäre auf jeden Fall ein endlos gütiger Gott, der von keinem Menschen verlangen würde, an mich zu glauben, ohne mich je gesehen zu haben. Das ist ganz normal, wer ganz oben ist, kann großzügig sein, Rache dürfte keine Rolle spielen und die Hölle bliebe kalt. Sollte Gott etwa weniger gütig sein als so ein gewöhnlicher Durchschnittsmensch wie ich zum Beispiel? Was wäre das denn dann für einer, na ich weiß ja nicht.

Dann glauben wir doch lieber erstmal gar nichts!